"Bin ich Krösus?" Sicherlich hat diese Frage schon jeder einmal gehört oder sogar selbst gestellt. Zum Beispiel wenn Kinder mit hochpreisigen Geschenkwünschen aufwarten oder die Kollegen einen bitten, die Zeche zu zahlen. Doch wer war Krösus eigentlich und was hat es mit seinem legendären Reichtum auf sich?

Krösus war der letzte König Lydiens

Das Königreich Lydien war, im Altertum, ein Staat am Mittelmeer, der ursprünglich an Mysien im Norden, Phrygien im Osten und Karien im Süden grenzte. Die Landschaft liegt in der heutigen Türkei gegenüber der griechischen Insel Chios. Die Hauptstadt Lydiens war Sardes. Krösus entstammte der Mermnaden-Dynastie (710 - 541 vor Christus), die Lydien zum Höhepunkt seiner Macht verhalf. Er war der älteste Sohn Alyattes II., der das Königreich seit 605 vor Christus regierte. Trotz zahlreicher Erwähnungen in griechischen und lateinischen Schriften, ist es schwierig, seine Biografie historisch korrekt zu rekonstruieren. Es gilt als sicher, dass Krösus um 591 vor Christus geboren wurde und von 555 bis 541 vor Christus regierte. Nach seinem Sturz durch König Kyros II. fiel Lydien an das Perserreich.

Krösus hatte schon vor der Thronbesteigung viele Feinde

Bereits als Statthalter von Adramyttion hatte Krösus mit Missgunst zu kämpfen. Laut Herodot wollte ein, namentlich nicht erwähnter Mann, Krösus' Halbbruder Pantaleon zum Thron verhelfen. Bei diesem "Feind" könnte es sich möglicherweise um Sadyattes handeln, der seinerzeit als reichster Lyder galt. Plutarch berichtete, dass es auch seine Stiefmutter auf Krösus abgesehen hatte und ihn mit vergiftetem Brot beseitigen wollte. Durch den Tipp einer Bäckerin, die er später in einem goldenen Bild geehrt haben soll, entging Krösus dem Anschlag. Das vergiftete Brot bot er den Kindern seiner Stiefmutter an. Schließlich erhielt Krösus von seinem ionischen Freund Pamphaes eine hohe Geldsumme, mit der er ein Söldnerheer anwerben konnte, um sich am Krieg seines Vaters gegen Karien zu beteiligen. Auch Pamphaes wurde später reich belohnt.

Krösus als Feldherr

Kurz nach dem Tod seines Vaters griff Krösus die griechische Stadt Ephesos an, schenkte ihr aber die Freiheit. Anschließend nahm er die kleinasiatischen Städte der Ionier und Aioler ein, ehe er damit begann, den Schiffbau voranzutreiben. Das damit verbundene Ziel, die griechischen Inseln zu unterwerfen, setzte er allerdings nie um. Von Krösus' Feldzügen sind heute nur noch wenige Details bekannt. Allerdings galten die Lyder gemeinhin als ein Volk, welches offene Feldschlachten bevorzugte, gute Reiter hervorbrachte und geschickt zu Pferd kämpfte. Außerdem waren sie für harte Bestrafungen der eingenommenen Städte bekannt, die sie schon mal mit Flüchen belegten. Der Einfluss von Krösus und den Lydern wird auch dadurch deutlich, dass die unterworfenen griechischen Städte, regelmäßig Steuern an das kleine Königreich zahlten. Dies war zuvor keinem anderen König Kleinasiens gelungen.

Der Sturz des Krösus durch Kyros II.

Nachdem sich das Perserreich unter Kyros II. 550 vor Christus bis an die Grenzen Lydiens ausgedehnt hatte, fühlte Krösus sich zunehmend von den Persern bedroht. Zumal ihr Eroberungsdrang nicht nachzulassen schien, was weitere erfolgreiche Feldzüge zu dieser Zeit belegen. Krösus hatte außerdem noch eine Rechnung mit den Persern offen, die seinen Schwager Astyages gestürzt hatten. Nicht zuletzt wollte er sein Einflussgebiet ausweiten und das lydische Hoheitsgebiet vergrößern. Vor diesem letzten Feldzug ging er ein Bündnis mit Sparta, dem babylonischen König Nabonaid und dem ägyptischen Pharao Amasis ein. Nach Befragung des Orakels von Delphi fiel Krösus in Kappadokien ein, eroberte die Metropole Pteria und verwüstete die benachbarten Orte. Bei dem, als Schlacht von Pteria in die Geschichte eingegangenen, Aufeinandertreffen von Krösus und Kyros II., ging aber keiner der beiden Könige als Sieger hervor. Sowohl die Perser, als auch die Lyder hatten hohe Verluste zu beklagen, woraufhin Krösus sich nach Sardes zurückzog. Wenig später überfiel Kyros II. Lydiens Hauptstadt. Diesmal war er besser vorbereitet als in der Schlacht von Pteria. Er schickte seinen Truppen Kamelreiter voraus, die die lydischen Pferde verunsichern sollten (Pferde können Kamelgeruch nicht ausstehen). So konnte der Perserkönig die starke gegnerische Kavallerie überlisten und besiegen. Zwei Wochen später wurde die belagerte Stadt Sardes von den Persern eingenommen.

Krösus nach dem Sturz

Das weitere Schicksal von Krösus kann heute nicht mehr zweifelsfrei rekonstruiert werden. Einige Geschichtsschreiber berichten, dass Kyros II. ihn töten ließ. Andere hingegen, darunter Herodot, sprechen von einer Zusammenarbeit zwischen Krösus und seinem Rivalen.

Der legendäre Reichtum des Krösus

Noch heute ist Krösus in aller Munde. Sowohl als Bezeichnung eines Menschen der im Luxus lebt, als auch durch die Redewendung "Bin ich Krösus?". Tatsächlich war der Lyderkönig relativ reich. Sein Wohlstand basierte auf den Goldvorkommen seines Reiches, den Tributzahlungen der eroberten Städte, sowie den Steuereinnahmen aus Wirtschaft und Handel. Allerdings hätte Krösus' Vermögen den persischen Königen nicht mehr als ein müdes Lächeln abgerungen. Die Legende um seinen Reichtum ist wahrscheinlich auf die bedeutendste Erfindung der Lyder zurückzuführen - Münzgeld. Auch der prächtige Palast des Krösus in Sardes dürfte die Legende um seinen Reichtum genährt haben.

Krösus und die Orakel

Der Aufwand, mit welchem Krösus versuchte, das zuverlässigste Orakel zu finden, grenzte fast schon an Obsession. Dazu schickte er Boten zu Amphiaraos, sowie nach Abai, Delphi und Dodona. Das Orakel von Delphi hatte ihn am meisten überzeugt. Daher zog er es auch später immer wieder zu Rate. Auch scheint ihn der Orakelspruch von Amphiaraos zufriedengestellt zu haben. Die anderen beiden Orakel lieferten allerdings falsche Antworten, woraufhin Krösus sie nicht mehr aufsuchte.

Quellen:

Johann Baptist Weiss: Weltgeschichte. The British Library, 2010. Taschenbuch, 730 Seiten. Euro 40,99.