
- Krylow und seine Fabeln - TIM Caspary
Iwan Andrejewitsch Krylow (1769-1844), einer der liebenswürdigsten Erscheinungen unter den Poeten des alten Russlands, hat sich durch seine Fabeln die Liebe eines ganzen Volkes und bleibenden Ruhm erworben. Sein Glück hat er als Komödienschreiber und Redakteur versucht – als Fabeldichter hat er es gemacht.
Krylow und seine Fabeln
An die zweihundertzwanzig Fabeln gibt es von ihm. Was das Wesen dieser Fabeln ausmacht, hat kein Geringerer als Nikolai Gogol ausgedrückt: „Krylows Fabeln sind Inbegriff der Volksweisheit. (…) Er rückt durch sein mächtiges, vollgewichtiges Wort die Sache mit einem Schlag ins Licht. Der Dichter und der Weise werden in ihm eins. Kein Dichter hat es so verstanden, seine Meinung allen faßlich und zugänglich zu machen. (…) Man kann nicht nach Krylows Stil fragen – es ist, als ob die Sache selber rede. (zitiert nach Will, siehe Quellenangabe)“. Krylow gilt als der bedeutendste russische Vertreter dieser Gattung. Seine in einfachem Stil verfassten Fabeln sind kleine Geschichten, in denen er die menschlichen Schwächen ironisch betrachtet. In seinem versteckt humorigen Tonfall liegt der Zauber, der über Jahrhunderte und Sprachgrenzen hinweg, seine Wirkung auf den Empfänglichen übt.
Krylows Fabeln und die Zensur
Die wichtigsten Stücke seines Fabelbuches sind bissige Satiren über politische Missstände im damaligen Russland. Die Zensurbehörden seiner Zeit waren jedenfalls dieser Meinung. Manche Fabeln, so etwa “Wurzel und Blätter“, gingen jahrelang geheim unter den leibeigenen Bauern um, und für den “Machthaber“ erwirkte Krylow anlässlich einer Maskerade die Aufhebung der Drucksperre vom Zaren Nikolaus in eigener Person, indem er sich die Freiheit nahm, dem Herrscher die Fabel in aller Öffentlichkeit vorzutragen. Es gibt im Leben dieses liebenswürdigen Mannes vieles, was aufhorchen lässt.
Krylow und sein Leben
Da seine Eltern früh verstarben, stand Krylow sehr früh mit einem um acht Jahre jüngeren Bruder, für den er aufopferungsvoll lebenslang sorgte, allein in der Welt. Doch blieb er nicht immer auf der Schattenseite des Lebens. Schon durch die lächelnde Kühnheit, mit der er in seiner “Geisterpost“ und im “Zuschauer“, den beiden von ihm redigierten Blättern, Missstände bloßstellte, gewann er im Volk viele Sympathien. Krylow war immer wieder Bibliothekar mit ausreichender Besoldung und viel Muße. Er liebte gutes Essen und Ungestörtheit so sehr, dass er dem Abenteuer einer Ehe aus dem Weg ging. Er trat auch nicht gern hervor, ja, er wusch sich nicht einmal gern. In seiner Wohnung soll er mit Tauben und Mäusen gehaust haben, und es soll wahr sein, dass ihm, als er fragte, wie er sich für dein bevorstehendes Maskenfest unkenntlich machen sollte, der Rat gegeben wurde, er brauche sich ja nur einmal zu säubern. Er zog sich möglichst gründlich in sich zurück, um hinter einer Tarnung um so schärfer beobachten zu können. Auch war er mit Berühmten und Hochgestellten befreundet, von drei Zaren und zwei Zarinnen geschätzt, in die Akademie berufen und schließlich, als er im Jahre siebenundsiebzigjährig starb, von einem Volk betrauert. Durch seine Fabeln ist er unsterblich geworden.
Bildnachweis: © by TIM/pixelio.de
Quellen:
Krylow, Iwan Andrejewitsch: Fabeln. Aus dem Russischen von Erwin Busse. Mit einem biographischen Nachwort von Hans-Jürgen Will, Potsdam 1947. (Zitat: S. 243).
Schmitz, Walter Dr.: Artikel: „ Iwan Andrejewitsch Krylow: Basni [russische Fabeln]“, in: Kindlers Neues Literatur Lexikon, Band 9: KA-LA, München 1989, Seite 814-815.
