Kuala Lumpur - eine der schönsten Städte in Asien

Der Islam dominiert den Alltag - François Maher Presley
Der Islam dominiert den Alltag - François Maher Presley
Malaysia ist den meisten Menschen als ein ruhiges, wirtschaftlich aufstrebendes Urlaubsland bekannt. Doch die Wirklichkeit ist viel beeindruckender.

Reist man mit dem Schiff nach Malaysia, landet man zumeist in Port Klang an, dem nächstgelegenen zur Hauptstadt Malaysias, Kuala Lumpur.

Der 1893 gegründete und heute größte und bedeutendste Seehafen Malaysias zählte 2004 zu den 20 größten Containerhäfen weltweit. Schon hier bekamen die Besucher einen ungewöhnlichen Eindruck vom Gastland. Ob es die Hafenanlagen waren, die folgenden Schnellstraßen oder Autobahnen, die vielen sehr eleganten und offenbar baulich qualitativ guten Einzel- und Reihenhäuser in den vielen Ortschaften, aber auch die Stadt selbst, die Einkaufszentren, die Straßenordnung, die Pflege der öffentlichen Anlagen... alles befindet sich in einem außerordentlich guten Zustand und würde niemals vermuten lassen, dass es sich hier nicht um ein Land Europas handele, die USA oder Kanada. Besonders beeindruckt die Sauberkeit, aber eben auch die absolute Ordnung, die wir selbst in Deutschland in dieser Form nicht kennen.

Freundlichkeit als Standart. Eine schwer durchschaubare Welt

Die Menschen sind recht freundlich, wenngleich Europäer immer auch etwas Schwierigkeiten dabei haben, bei Asiaten zu erkennen, ob es sich um eine gefühlte oder erlernte Freundlichkeit handelt oder gar um eine freundliche Form der Distanz. Dennoch gibt jeder gern Auskunft, interessiert sich für die Gäste und – ganz entgegen sonstiger Gepflogenheiten z.B. in afrikanischen, arabischen oder sonstigen Ländern der 3. Welt - in Südostasien wird man in keinem Falle bedrängt. Alles lässt sich messen mit dem Leben in den Industriestaaten, bei den Bauten kann man sogar konstatieren, dass hier mit mehr Liebe zum Detail gebaut wird.

Dennoch darf man natürlich nicht vergessen, dass es sich bei Malaysia trotz der hier dargestellten Ansicht um ein multiethnisches und multireligiöses Land mit stark islamischer Prägung handelt. Damit werden leider heute auch Übergriffe durch terroristisch organisierte Banden verbunden, Entführungen, separatistische Bestrebungen und kriegsähnliche Zustände in manchen Provinzen, aber eben auch noch Seeräuberei. Die auswärtigen Ämter der Europäischen Gemeinschaft warnen Reisende, insbesondere jene, die entweder allein versuchen, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen, Schiffsfahrten zu unternehmen oder die Südprovinzen zu besuchen. Von der dortigen Polizei oder dem Militär ist eher keine große Hilfe zu erwarten, zudem wäre es ja auch in jedem Falle dann zu spät.

Eine andere Form der Demokratie

Obwohl Malaysia nach außen hin modern, offen und demokratisch wirkt, darf man sich von dieser in Europa oft verbreiteten Mär nicht täuschen lassen. Viele demokratische Errungenschaften wurden in den letzten Jahren wieder zurückgenommen. In Malaysia wird noch die Todesstrafe verhängt, ob für Waffenbesitz oder Drogenvergehen. Es gilt in diesem Land für Muslime im familienrechtlichen Bereich die Scharia. Homosexuelle Handlungen werden mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft, auch einvernehmliche unter Erwachsenen, und zudem auch mit Stockschlägen. Ganz der Koran. Etwa 60 % der Einwohner des Landes, alle Malaien darunter, sind Muslime, und der Islam ist die Staatsreligion. Malaien werden allerdings auch bevorzugt, wenn es um wirtschaftliche, politische oder gesellschaftliche Möglichkeiten geht. Die wirkliche wirtschaftliche und fortschrittliche Power des Landes liegt bei den Chinesen, Indern oder Christen, ohne die Malaysia heute noch dort stehen würde, wo die meisten islamischen Länder der Welt wirtschaftlich und gesellschaftlich stehen. Um jedoch die Vorherrschaft der Malaien und des Islams zu stärken, bestehen diverse Gesetze und Vorschriften, wonach diese Volksgruppe bevorzugt zu behandeln ist. Malaysia kommt heute immerhin auf ein Bruttoinlandsprodukt von ca. 222 Milliarden Dollar, je Kopf ca 8.140 Dollar. Vergleicht man die Wirtschaftsleistung mit dem islamischen Syrien, wird einem erst klar, was hier gemeint ist. Syrien bringt es nur auf 27 Milliarden und je Kopf auf 1.350 Dollar, ähnlich wie Marokko oder im besten Falle Algerien (160 Mrd. / ca. 4.050 inkl. Ölproduktion).

Kuala Lumpur - eine Perle in Asien

Kuala Lumpur ist eine Stadt mit ca. 1,5 Millionen Einwohnern, in deren Einzugsgebiet zusammen jedoch ca. 8,1 Millionen Menschen leben. Sie ist damit nicht nur die größte Stadt des Landes, sondern auch sein administratives, kulturelles und ökonomisches Zentrum. Zudem kann man sagen, dass sie sicherlich eine der schönsten jungen Großstädte Asiens sein dürfte. Schön ist die Vielfalt der dortigen Sakralbauten. Neben Moscheen und Kirchtürmen sind Pagoden und indische Tempel zu finden. Viele dieser Gebäude sind ausnehmend schön. Das gilt auch für die sich mehr und mehr im Zentrum befindlichen Hochhäuser, die alle immer auch ein besonderes Design bieten, gut durchdacht, nachhaltig gebaut und gar schön anzusehen sind, Kuala Lumpurs Zeichen des Fortschritts, ohne dabei kulturelle Eigenarten verlieren zu wollen.

Die Bevölkerungsstruktur des tropischen Kuala Lumpur zeigt recht deutlich, wer im Land das wirtschaftliche Sagen hat. Neben 6 Prozent Indern sind 39 Prozent Malaien, jedoch 42 Prozent Chinesen. In dieser Stadt ist der Islam als Religion mit knapp 41 Prozent in der Minderheit.

Die kurze Geschichte der Hauptstadt Malaysias

Kuala Lumpur ist keine alte Stadt. Sie wurde 1857 mitten im Urwald von Bergleuten, die sich auf der Zinnsuche befanden, gegründet. Und mit dem Zinn-Boom boomte naturgemäß auch die Stadt, und nachdem während der britischen Herrschaft 1896 die Föderation von Malaya entstand, wurde Kuala Lumpur deren Hauptstadt. Und wie es den Briten eigen ist, begründeten sie hier das Verwaltungszentrum, sie bauten ein Straßennetz und natürlich auch viele Prunkbauten, die heute noch das Stadtbild zieren. 1957 wurde Malaya unabhängig, 1972 erhielt Kuala Lumpur den Stadtstatus, 1974 wurde es ein Bundesterritorium und damit auch unabhängig vom Bundesstaat und Sultanat Selangor. So kurz, so unaufregend ist die Geschichte dieser prachtvollen, grünen, warmen Metropole, die ein Zentrum für Elektronik, IT-Firmen, Bio-Tech, Maschinen- und Kraftfahrzeugbau, aber auch der Nahrungsmittel verarbeitenden und chemischen Industrie, des Banken- und Finanzwesens und selbstverständlich des Tourismus ist.

Museen, Sehenswürdigkeiten, Kunst und Kultur

Natürlich beherbergt Kuala Lumpur viele Sehenswürdigkeiten, zudem auch diverse Weltrekorde. Die Stadt symbolisiert eine kleine Nation auf dem Weg nach oben. Die bekanntesten Wahrzeichen der Stadt sind wohl die beiden höchsten Zwillingstürme der Welt, die zudem gemeinsam das siebthöchste freistehende Gebäude der Welt sind. Von hier oben wird die Stadtplanung, die Ästhetik mit der bei der Anlage vorgegangen wird, jedem deutlich. Zudem befindet sich gleich unter den Türmen das größte Einkaufszentrum Malaysias, und damit sind sicher nicht die Dimensionen mitteleuropäischer Einkaufszentren gemeint. Und es ist eigentlich auch fast schon klar, dass der zweithöchste Fernsehturm der Welt in Kuala Lumpur zuhause ist, der mit 130 Metern zweithöchste Kontrollturm eines Flughafens, im Istana Negara der König des Landes oder ein 92 Hektar großer Park inmitten der Stadt, in dem ein großartiges Areal für Schmetterlinge angelegt wurde, eines für Rotwild, für Orchideen und Hibiskus oder – auch das wird nun klar – der größte Vogelpark Südostasiens. Daneben existiert ein großes Sportstadion, diverse Museen, Theater und ein Orchester, das sicher im Kontrast zu anderen islamischen Ländern.

Die originelle und einmalige Architektur in Kuala Lumpur

Die vielseitigen modernen und mit vielen Arabesken oder Mosaiken gestalteten Hochhäuser stehen neben großartigen Sakralbauten, darunter der chinesische Thean Hou Tempel, die postmoderne Masjid Negara Nationalmoschee, die St. Mary’s Kathedrale, der Sri Mahamariaman Tempel oder die wirklich ungewöhnlich schöne Kuala Lumpur Railway Station, ein im viktorianischen Stil 1911 erbauter Bahnhof. Die Liste ließe sich noch lange ausführen, doch war der Besuch nur auf wenige Stunden konzipiert, und damit blieb nur die Hoffnung auf ein baldiges Wiederkommen mit längerem Aufenthalt, um auch einmal das recht interessante, bunte und womöglich aufregende Nachtleben dieser großartigen Stadt im Zentrum des Geschäftsviertels einmal näher kennen zu lernen.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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