Es waren 13 Tage im Oktober 1962, die die Welt vor den Abgrund einer nuklearen Auseinandersetzung zweier Supermächte brachte. In diesen Tagen wurde das übliche Muskelzucken zwischen Ost und West zu einer Bedrohung, die zur schlimmsten aller Folgen hätte führen können: Einem Atomkrieg.
Das Wettrüsten
Angefangen hatte alles mit einem immer größeren Wettrüsten beider Staaten. Die USA stationierten bereits 1959 Atomraketen in Italien und der Türkei, die auf die Sowjetunion gerichtet waren. Ziel war es, den Kommunismus Einzudämmen (containment policy) und ihn zurückzudrängen (roll back). Die Sowjetunion hingegen hatte zu dieser Zeit im Wettrüsten stark aufgeholt. Außerdem konnten die Sowjets ihren Einfluss in Vietnam aber auch im Nahen Osten ausbreiten. Mit Fidel Castro hatten sie einen neuen Verbündeten direkt vor der amerikanischen Haustür. Nachdem das einstige Zarenreich auch noch den ersten bemannten Raumflug vor den USA schaffte, war ihr Selbstvertrauen soweit gestärkt, dass sie im Mai 1962 mit der Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen und tausenden Soldaten auf Kuba begannen.
Ursachen
Dies war die Antwort Moskaus auf die Stationierung der US-Raketen in Italien und der Türkei. Außerdem wollte die russische Regierung ihre Position bei den Verhandlungen um den Berlinstatus stärken. Das vermuteten zumindest John F. Kennedy und seine Berater. Im Nachhinein sollte sich diese These als falsch herausstellen. Eigentlich ging es Chruschtschow und dem Kreml vielmehr um eine Art Gleichgewicht in militärischer Hinsicht. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy sah sich unterdessen in einer geschwächten Position, da die Invasion auf Kuba und der Sturz Fidel Castros ein Jahr zuvor misslang. Durch das Scheitern der Operation „Schweinebucht“ sah sich Kennedy gezwungen, eine harte Hand gegenüber Moskau zu führen. Und so nahm das Unheil seinen Lauf.
Die Krise
Am 14. Oktober 1962 flogen U-2 Aufklärungsflugzeuge über Kuba und schossen Fotos der Raketenstellungen. Diese Fotos wurden ein Tag später ausgewertet und erbrachten schließlich den Beweis, dass auf Kuba Mittelstreckenraketen des Typs SS4 stationiert wurden. Daraufhin trommelte Kennedy einen Tag später seinen Beraterstab (ExComm) zusammen. Dieser Krisenstab bestand aus mehreren Ministern, dem CIA Chef, dem Berater Sorensen sowie dem Sowjetspezialisten Thompson. Als der sowjetische Außenminister Gromyko am 18. Oktober seinen bereits lange im Voraus angekündigten Besuch in Washington absolvierte, sprach Kennedy das Thema Kuba nicht an, obwohl zu diesem Zeitpunkt klar war, dass die Mittelstreckenraketen auf Kuba die amerikanische Hauptstadt treffen konnten.
Kennedy und sein Beraterstab diskutierten derweil die möglichen Maßnahmen. Die Militärs waren für eine Bombardierung und eine anschließende Invasion auf Kuba. Die gemäßigten Protagonisten und Kennedy selbst bevorzugten indes eine Seeblockade der Insel, für die man sich schließlich auch entschied. Am 22. Oktober 1962 werden die US-Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft gesetzt und Kennedy hält eine Ansprache im Fernsehen. Er fordert die Sowjetunion unmissverständlich auf, die Raketen abzubauen und droht im Falle eines Angriffes mit einem atomaren Gegenschlag.
Nachdem Nikita Chruschtschow keine Anstalten machte, die Raketen auf Kuba abzuziehen, eskalierte die Situation am „schwarzen Samstag“ beinahe. Mehrere militärische Zusammenstöße führten fast in die atomare Katastrophe. Kennedy sah sich einem immensen Druck ausgesetzt und eine Invasion auf Kuba schien nur noch eine Frage der Zeit. Die einzige Hoffnung einer friedlichen Beilegung des Konflikts hing zu diesem Zeitpunkt einzig und allein an John F. Kennedys Bruder Robert. Dieser traf sich im Geheimen mit dem sowjetischen Botschafter Dobrynin. Seine diplomatischen Bemühungen waren erfolgreich und Chruschtschow erklärte am Sonntag, den 28. Oktober 1962, dass die Raketen auf Kuba abgebaut werden. Im Gegenzug versprach Kennedy, auf eine Invasion zu verzichten. Außerdem, dies blieb aber lange Zeit geheim, wurden die US-Raketen in der Türkei abgezogen.
Auf dem Weg der Entspannung
Wie knapp die Welt damals an einer Katastrophe vorbeischlitterte kann man heute, fast fünfzig Jahre danach, nur noch schwerlich begreifen. Im Anschluss an die Krise wurde das bekannte rote Telefon zwischen Moskau und Washington installiert, wobei der Begriff täuscht, da es sich um eine Fernschreibverbindung handelte. Diese sollte künftig zu einer schnelleren Beilegung von Konflikten führen. Die Kubakrise wirkte sich auf das Wettrüsten beider Mächte ebenfalls aus. Es wurden im Anschluss erstmals Rüstungsverhandlungen geführt, die schließlich in die SALT Verträge mündeten. Für John F. Kennedy war die Kubakrise die härteste politische Probe und zugleich sein Meisterstück.
