Kühtai: Schnee über Innsbruck

Österreichs höchster Skiort garantiert Schnee bis ins Frühjahr

Absolute Schneesicherheit garantieren heutzutage nur noch Gletscher. Möchte man meinen. Der Tiroler Ort Kühtai bildet hier eine Ausnahme.

Ein Skiurlaub gleicht immer einem Vabanquespiel. Auf der einen Seite muss man ihn bereits etwa ein halbes Jahr vorher buchen, auf der anderen Seite weiß man nie, ob der Winter in diesem Jahr überhaupt stattfindet. Wer will schon monatelang seinem wohlverdienten Skiurlaub entgegenfiebern, um dann über Schneereste und erstes zaghaftes Grün zu wandern? Eine mögliche Lösung wären Gletscher, die letzten Garanten für ungetrübtes Skivergnügen. Gerade für Familien sind sie aber eine Alternative, die mit einem vernünftigen Blick auf den Geldbeutel wohl eher entällt. Das heißt, für eine realistische, schneesichere Option muss es noch irgendetwas zwischen gewöhnlichem Skigbiet und Gletscher geben. Genau in dieser Suchkategorie trifft man auf den Tiroler Wintersportort Kühtai. Gerade mal 30 Kilometer südwestlich von Innsbruck gelegen, befindet sich, auf rund 2.020 Metern Höhe, der so genannte Kühtaisattel. Er ist ein Alpenpass, der das bekannte Ötztal mit dem Sellraintal verbindet. Der recht hoch gelegene Sattel ist seit immerhin 1288 bewohnt. Damals gab es hier eine Kuhalm (daher der Name Kühtai), den so genannten Schwaighof. Erzherzog Leopold V. baute ihn schließlich 1628 zum Jagdschloss um.

Später Aufstieg zum Wintersportort

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war Kühtai dann eigentlich ein Geheimtipp für Bergsteiger. Daneben blieb es einigen betuchten Gästen vorbehalten, die im mittlerweile zum Schlosshotel umgebauten Jagdschloss Urlaub machten. Mit dem Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre gesellten sich dann auch gewöhnliche Hotels links und rechts an die durch Kühtai führende Straße. Heute zählt der Ort 8 gemeldete Einwohner, 11 Skilifte und 34 Hotels und Pensionen. Darunter befindet sich auch das recht exklusive Schlosshotel, das heute wieder Jagschloss heißt. Daran erkennt man recht deutlich: Der Ort existiert ausschließlich für den Fremdenverkehr.

Alles was der Skifahrer sich wünscht

Die insgesamt 37 Pistenkilometer bieten Abwechslung, bewegen sich aber mit 60 Prozent roten, also mittelschweren Pisten eher auf dem moderaten Level. Auch der heutzutage obligatorische Snow-Park täuscht nicht darüber weg, dass der fortgeschrittene Skifahrer sich teils doch etwas unterfordert fühlen könnte. Aber das sieht ja auf Gletschern ähnlich aus und Familien mit "Skizwergerln" werden es zu schätzen wissen.

Gleiches gilt für die Entfernung der Pisten zu den Hotels. Hat man sich also erstmal (im Winter nur mit Schneeketten) die halbe Stunde von Innsbruck hochgekämpft, muss man sein Auto eigentlich erst wieder für die Heimfahrt in Bewegung setzen. Denn die Skigebiete beginnen alle direkt vor den Unterkünften.

Nouvelle Couisine als Manko

Bleibt nur ein kleines Manko. Leider haben die Hoteliers Kühtais die gute, gehobene Küche als eines ihrer Alleinstellungsmerkmale entdeckt. So scheint es kaum möglich zu sein, nach einem ausgiebigen Skitag schlichte und doch schmackhafte Hausmannskost genießen zu können. Das schlägt sich dann natürlich in den Halb- und Vollpensionen nieder. Allen, die ihr Geld lieber in Skifahren, denn in kulinarischen Genüssen anlegen wollen, bleibt als Ausweichmöglichkeit lediglich die Dortmunder Hütte am Ortsausgang. Die gehört allerdings dem österreichischen Alpenverein und ist zunächst mal auch für dessen Mitglieder reserviert. Wer sich das gute Essen allerdings neben dem Skifahren leisten kann und mit seiner Familie unterwegs ist, der liegt mit dem schneesicheren Kühtai genau richtig.

Stefan Schmid, Stefan Schmid

Stefan Schmid - Stefan Schmid ist auf Berge gestiegen, hat Bäume gefällt, in Stiefeln geschlafen, viel Zeit draussen verbracht und dabei Uniform ...

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