
- Farb-Künstler: glücklich bei der Arbeit - Lucy M. Laube
In einer Studie des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ist im Zeitraum 1990 bis 2009 untersucht worden, ob Künstler wie vermutet glücklicher und zufriedener sind als Angehörige anderer Berufe. Für die Studie "The happy artist? An empirical application of the work-preference model" wurden insgesamt 28.000 einer Arbeit nachgehende Menschen befragt, mehr als 300 davon zählen laut Definition zu der Gruppe der Künstler. Die Ergebnisse der Untersuchung liegen nun vor.
Mehr Arbeit, weniger Geld: größeres Glück
Arbeit und Freizeit werden häufig als getrennte Lebensbereiche betrachtet, wobei der eine vornehmlich dazu dient, das Geld heranzuschaffen, um den zweiten zu finanzieren, Vorsorge zu betreiben und laufende Kosten zu decken. Arbeit als Mittel zum Zweck also. Luxus, der das Leben versüßen soll. Das SOEP zeigt nun, dass dies jedoch für Künstler so nicht gilt. Lasse Steiner, einer der Autoren der für Deutschland repräsentativen Studie: "Künstler ziehen aus der Tätigkeit selbst einen viel größeren Nutzen als aus dem Geld, das sie damit verdienen."
Dies liegt daran, dass die künstlerische Tätigkeit als selbstbestimmt erlebt wird, als vielseitig – und zudem einen hohen Lern- und Entwicklungseffekt hat. Viele Künstler sind ihr eigener Herr: jeder dritte befragte Künstler arbeitet auf eigene Weisung; bei den anderen Berufen ist es etwa jeder zehnte.
Dabei verdienen Künstler im Durchschnitt weniger als andere, messen Geld als Wert an sich aber offenbar eine andere Rolle bei. So gilt für künstlerisch Tätige montags nicht: Ach, wenn doch schon Freitag wäre, und morgens um acht dreht sich das Wunschdenken nicht darum, die Uhrzeiger mögen sich möglichst rasch auf den Feierabend zu bewegen. "Im Gegensatz zu anderen Berufstätigen sind Künstler umso glücklicher mit ihrer Arbeit, je mehr Stunden sie wöchentlich arbeiten", so Steiner.
Arbeit – so süß wie Maschinenöl?
"Arbeit macht das Leben süß, so süß wie Maschinenöl
Ich mach den ganzen Tag nur Sachen, die ich gar nicht machen will"
So heißt es bei Ton Steine Scherben im Song "Ich will nicht werden, was mein Alter ist". Für glückliche Künstler gilt dies glücklicherweise nicht. Künstler sind oftmals auch Lebenskünstler, notgedrungen, weil das Einkommen oft niedrig ist. Die Bedeutung, die sie einem guten Einkommen beimessen, ist nur halb so groß wie bei anderen Berufen.
Da Künstler keine geschützte Berufsbezeichnung ist, musste für die Studie festgelegt werden, wer als Künstler gilt. Ein Kriterium war eine Hauptbeschäftigung in einem kreativen Beruf, und zwar nicht nur in den bildenden Künsten im klassischen Sinn. Als Künstler galten in der SOEP-Studie unter anderem auch Autoren und Journalisten, Musiker, Tänzer, Schauspieler und andere Filmberufe, Fotografen und Unterhaltungskünstler wie Clowns oder Magier.
Ob Künstler hingegen beim Online-Dating, also bei der Partnersuche beliebt und gefragt sind, wurde in dieser Studie nicht untersucht.
Quellen:
idw-Pressemitteilung vom 15.2.2012: "SOEP-Studie: Künstler sind glücklicher mit ihrer Arbeit als andere"
SOEPpaper 430: "The happy artist? An empirical application of the work-preference model"
