Als der ungarische Journalist László Jòzsef Birò am 25. April 1938 den Kugelschreiber patentieren ließ, hatte er seine Idee verwirklicht, ein Schreibgerät zu kreieren, das mit Tinte schreibt, aber nicht schmiert. Wie so oft gaben Spötter der Erfindung wenig Überlebenschancen, doch wie so oft - man denke an die Erfindung des Telefons oder des Automobils - täuschten sich die vermeintlichen Experten.
Computer erobern den Alltag
Jahrzehnte später wurden ähnliche Prognosen für Computer und Roboter angestellt. Rodney Brooks beschreibt in seinem Buch „Menschmaschinen“, wie technische Errungenschaften den Alltag erobert und vereinfacht haben. „Roboter folgen dem gleichen Weg, den die Computer gegangen sind, nur zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre später. Zuerst standen ein paar Computer in den Forschungslaboratorien und wurden dann von der Industrie akzeptiert, wo sie immer noch hinter verschlossenen und fern vom Leben der normalen Menschen blieben“, so Brooks, Direktor des Artificial Intelligence Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Direktor der iRobot Corporation.
Das gleiche Schicksal hätten die Roboter erfahren. „Computer hielten danach in Form von Spielen in unser Heim Einzug, zuerst als einfache Videospiele wie Pingpong. Dann begannen die ersten Bildschirmarbeiter sie für richtige Arbeiten zu nutzen. Schließlich machten massenwirksame Anwendungen wie E-Mail, Instant Messaging und das World Wide Web Computer auch in den privaten Haushalten allgegenwärtig.“ Wenn man die gleiche Zeitschiene für Roboter zugrunde legt, die immer intelligenter werden, so Brooks, „können wir in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren massenwirksame Anwendungen erwarten, die dann bis zum Jahr 2020 in unserem alltäglichen Leben allgegenwärtig sein werden.“
Siegeszug der künstlichen Intelligenz
Brooks’ Kollege Hans Moravec nennt dies den „Siegeszug der künstlichen Intelligenz“. Moravec ist Direktor des Mobile Robot Laboratory der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Sein Buch „Computer übernehmen die Macht“ befasst sich unter anderem damit, in welcher Form die Künstliche Intelligenz (KI) zum menschlichen Alltag gehören wird: „Kommerziell erfolgreiche Roboter werden zu einem raschen Wachstum der Industrie und leistungsfähigeren Nachfolgern führen“, glaubt Moravec. „Mit geeigneter Programmierung und entsprechenden Zusatzgeräten könnten solche Maschinen aufräumen, Waren vom Lager holen und ausliefern, Inventarlisten führen, Türen öffnen, Rasen mähen oder Spielpartner abgeben“, werden zu persönlichen Assistenten des Alltags.
Allgegenwärtige Computerpräsenz
„Der Nutzer lebt unmittelbar mit Computern zusammen, deren Existenz er kaum wahrnimmt, deren Dienste er aber ständig in Anspruch nimmt“, schreibt Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, im Sammelband „Wirtschaft weiter denken“. Elektronisches Notizbuch, WAP-fähige Handys oder Laptops mit W-Lan-Zugang sind für ihn nur „die Vorstufe für eine in der Zukunft allgegenwärtige Präsenz von Computern, elektronischen Assistenten und Mikrosystemen.“ Der Mensch erschafft sich „eine intelligente, vernetzte Umwelt, die ihn in allen Belangen unterstützt. Am vollvernetzten ‚Smart Home’ wird gegenwärtig ebenso intensiv geforscht und entwickelt wie an der multifunktionalen ‚Smart Card’ und dem intelligenten Auto“, berichtet Bullinger.
Persönliche Assistenten und digitale Helfer dürften eine große Zukunft haben, glaubt auch der Fraunhofer-Präsident. „Ideen und Visionen gibt es viele, um insbesondere Kranken, Leistungssportlern, Senioren und Eltern den Alltag zu erleichtern: Sturz-Sensoren in Kombination mit dem GSM-Netz (Global System for Mobile Communication) oder Bluetooth können Alarm schlagen und eine Einsatzstelle benachrichtigen, wenn hilfsbedürftige Personen auf der Straße oder im Haushalt verunglücken.“ Mehr Unabhängigkeit und Selbständigkeit für ältere Menschen wären die Vorteile.
