Küssen – aber richtig

Tipps zur korrekten Begrüßung im Ausland

Küssen - aber richtig! - © Günter Havlena / Pixelio
Küssen - aber richtig! - © Günter Havlena / Pixelio
Im Ausland verzweifelt der Reisende oft an der Sitte der Wangenküsse. Wen küsst man, wie küsst man und vor allen Dingen: wie oft?

Vor allem unter jungen Leuten ist es Mode und inzwischen weit verbreitet, sich bei der Begegnung und beim Abschied herzlich zu umarmen und zu küssen. Damit wird freundschaftliche Nähe und Verbundenheit angedeutet.

Ist es noch relativ einfach, sich in heimischen Gefilden „richtig“ zu begrüßen, wird es im Ausland schon erheblich schwieriger. In vielen Ländern ist die so genannte Accolade (frz.: umarmen) üblich. Diese wird durch eine unterschiedliche Zahl von Wangen(luft)küssen begleitet.

Küssen in Spanien

Das „Beso“ (spa.: Küsschen) ist im spanischsprachigen Ausland stark verbreitet. Das obligatorische Umarmen und Küssen ist eine überall anzutreffende öffentliche Zurschaustellung vermeintlicher oder auch echter Herzlichkeit.

Die Begrüßung zwischen Bekannten und Freunden erfolgt dabei durch eine Umarmung und drei Küsse. Die Küsse erfolgen als „Luftküsse“ durch eine Berührung der Wangen meistens im Schema links – rechts – links. Es wird dabei hörbar in die Luft geschmatzt.

Beim Auseinandergehen wiederholt sich der Vorgang.

Küssen in Frankreich

In Frankreich sind bis zu vier Küsse üblich, wobei meistens wieder mit der jeweils linken Wange begonnen wird. Kennen sich die Beteiligten besser, darf ausnahmsweise direkt auf die Wange geküsst werden.

An Silvester, das gern öffentlich auf den Straßen gefeiert wird, dürfen sich auch Unbekannte um den Hals fallen und herzen.

Als „französischer Kuss“ wird auch der Zungenkuss bezeichnet. Der dient jedoch nur in speziellen Fällen der Begrüßung und wird bevorzugt in trauter Zweisamkeit praktiziert.

Küssen in Südamerika

In Südamerika ist das öffentliche Herzen und Küssen völlig normal. Abhängig vom jeweiligen Temperament der Beteiligten bleibt es jedoch auch hier in den meisten Fällen bei angedeuteten Luftküssen. Männer belassen es untereinander meist bei einer herzlichen Umarmung.

Küssen in islamischen Ländern

In islamischen Ländern ist das Küssen weitgehend unstatthaft. Männer schütteln sich untereinander die Hände. Kehren sie von einer längeren Reise zurück, umarmen sie sich laut den Vorschriften des Korans. Männer geben Frauen auf keinen Fall die Hand oder umarmen oder küssen sie. Das kann zu erheblichen Problemen führen.

Küssen in Afrika und Asien

Vorsicht und Rücksichtnahme gilt auch für Reisen in afrikanische Länder. In Marokko beispielsweise ist das Streicheln der Wange das höchste der Gefühle. Dies setzt jedoch bereits eine enge Freundschaft voraus.

In Afghanistan umarmen und küssen sich bisweilen Frauen zur Begrüßung. Männer, die sich gut kennen, umarmen sich ebenfalls. Auch hier bleiben die Geschlechter streng getrennt.

In Japan dürfen sich lediglich Verlobte küssen. Knutschen in der Öffentlichkeit ist verboten.

Spezialität: der Nasenkuss

Vom „Eskimokuss“ spricht man, wen die Nasen aneinander gerieben werden. Dieses Bild karikiert die Inuit, die aufgrund der Kälte oft bis zur Nasenspitze in Fell gehüllt sind. Tatsächlich küssten die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, ursprünglich auf diese Weise.

Küssen auf den Mund

Leonid Breschnew und Erich Honecker haben es vorgemacht: der sozialistische Bruderkuss als fetter Schmatzer auf den Mund sollte die besonders innige Verbrüderung bezeugen und diente als öffentliche Geste.

Grundsätzlich gilt der Kuss auf den Mund als eine besonders intime Geste, der meist Familienmitgliedern oder Partnern als besonderer Liebesbeweis vorbehalten bleibt. Bei Treffen mit ausländischen Freunden und Bekannten ist er in den allermeisten Fällen unangebracht.

Wilhelm Ruprecht Frieling, © Wilhelm Ruprecht Frieling

Wilhelm Ruprecht Frieling - Wilhelm Ruprecht Frieling aka Prinz Rupi ist seit 40 Jahren als Autor und Verleger aktiv. Er veröffentlichte in deutschen und ...

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