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Kulinarischer Urlaub und Wattwandern auf der dänischen Insel Fanø

Robben vor Fanø - Judith Weibrecht
Robben vor Fanø - Judith Weibrecht
Fanø ist eine Insel in Dänemarks Südwesten, die mehr bietet als nur Watt, Sand und Strand. Allein ihre Kulinaria sind eine Reise und einen Urlaub wert.

Einen Spaziergang über den Meeresboden kann man auf Fanø unternehmen. "Mit Robbengarantie", wie Wattführer Marco Brodie versichert. Tatsächlich liegen auf der Sandbank gegenüber faule Seehunde und Kegelrobben herum. Sie lassen sich durch Menschen nicht stören. Der Blick fällt ins Weite, darüber zerzauste Wolkenfetzen. Keiner spricht mehr viel. Die Umstellung in Richtung Ruhe geht schnell vonstatten. Wer es aber gerne etwas schneller und aktiver hat, der kann Strandsegeln und über den Sand brettern. Der ist hier so breit, dass sogar der Linienbus darauf fährt.

Aus dem Watt auf den Tisch - „Nanas Stue“ und „Sønderho Kro“ in Sønderho auf Fanø

Im Restaurant „Nanas Stue“ in Sønderho auf Fanø gibt es mittags Bakskuld, einen Cousin der Scholle, wie versichert wird, als man die Übersetzung nicht findet. Auf Deutsch wird er Trittfisch genannt, wie sich später herausstellt. Der Name Bakskuld komme daher, dass früher die so genannten Esemädchen die Angelhaken auf Leinen setzten, die wiederum in die Backen der Fische eingehakt wurden. Diese Mädchen lebten in "Ese-Hütten" (Es bedeutet Köder), wo allerlei Fischernetze und -gerätschaften lagerten. Oder man bestellt sich gleich eine „Sternschnuppe“: Bakskuld und Krabben auf Brot mit Salat.

Nach dem informativen Rundgang durch Sønderho auf Fanø mit Stadtführerin Gertrud Naøro in Fanø-Tracht geht es abends etwas feiner zu: Im Restaurant „Sønderho Kro“, dem ältesten Restaurant Dänemarks, speist der Gast mit Elegance. Die Menüfolge mit harmonierenden Weinen wird erklärt, Kerzen schimmern, blank poliertes Besteck liegt auf gestärkten Tischtüchern. Dennoch ist die Stimmung locker und entspannt. Die Abfolge der Speisen lässt keine Wünsche offen. Alles ist aufeinander abgestimmt und stammt aus dem Wattenmeer und vom umliegenden Land. Das Wattenmeer braucht Zeit, so auch das Essen: Steinbutt mit Ingwerfumet und Seepflanzen, Seeteufel mit Erbsenpurée, Fanø-Schinken und Creme aus geräuchertem Käse, Marschlamm mit knusprigem Rucola und Thymian-Tomaten, dänische und ausländische Käsesorten mit Knäckebrot, und zum krönenden Abschluss folgt ein Nachtisch mit Kirschen und Buttermilch. Kurz vor Mitternacht verlassen die Letzten den gastlichen Ort.

Honig von der "Fanø Honningcentral"

Hier auf Fanø gibt es nicht nur Watt, Sand und Strand. Auch Honig wird hergestellt. Ein Besuch bei den Imkern Jørgen Pedersen und Søren Vinding von der Kooperation "Fanø Honningcentral" ist lohnend. Herr Pedersen spricht bedächtig, macht nach jedem Satz eine Pause. Wartet. Wie der Honig entsteht, ist eine lange Geschichte vom Blütenstaub bis zum fertigen Produkt im Glas. Während der Führung erklärt er die Besonderheiten des leckeren Heidehonigs und der Bienenvölker. Fanø müsse man hören, sehen, riechen und auch schmecken. Sprach’s und gab verschiedene Honigsorten zum Probieren aus, danach einen Schnaps aus Pinienpollen oder einen aus gewöhnlichem Hochgras. Denn morgens gibt’s einen Morgenbitter. Das ist nicht verwerflich oder verwunderlich, standen doch auch im Hotel einige Flaschen bereit. Man möge sich selbst einschenken. 10 DK der Shot. Imkers Morgenbitter wird genüsslich verkostet. Man spricht langsam. Man ist langsam. Man isst langsam. Alles ist slow und relaxed. Auch der rohe Honig der Bienen steht zur Verkostung bereit. Eigenartig rau fühlt er sich auf der Zunge an. Sodann werden die Bienenvölker besucht, bis zu 60.000 Bienen sind in einer Box. Und wieder wird Honig verkostet. Denn „Ein Löffel Honig pro Tag hilft schließlich gegen Allgergien“, sagt Jørgen Pedersen. Von Fanø aus könnte es weiter gehen auf die Insel Mandø und zu weiteren kulinarischen Entdeckungen aufs dänische Festland.

Judith Weibrecht, Judith Weibrecht

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