
- Köstlich wie am Bosporus - Robert Niedermeier
Beim Kültür-Dinner beweisen türkischen Hausfrauen aus Kreuzberg, das stundenlange Vorbereitungen sich lohnen. Denn den Gästen vom Prenzlauer Berg schmeckt`s bestens.
Faschieren, passieren und blanchieren: Die Tanten machen es gerne. Das bestätigt Arzu Bulut, Organisatorin des Kültür-Dinners: An diversen Orten in Prenzlauer Berg lässt Arzu ihre Tanten Elif und Zeynep sowie deren Freundinnen mit großem Aufwand kochen. Erst muss die Küche inspiziert werden; wo steht was, wer macht heute was. Orientierung ist geboten, schließlich hat die Nichte ihre Tanten wieder einmal in eine fremde Küche geführt.
Kulinarischer Ausflug von Ost nach West
Die Anfangs-Motivation für den Ausflug von West nach Ost: Arzu, die zu den wenigen Berlinern mit türkischer Abstammung gehört, die im Osten der Millionenstadt wohnt, wollte ihren deutschen Bekannten- und Freundeskreis die türkische Hausmannskost Nahe bringen. Die Idee wuchs in den letzten zwei Jahren zu einer kulinarischen Institution heran. Fast ausschließlich die Macht der Mundpropaganda sorgte für reichliche Anmeldungen. Bereits am Morgen legten die aus Kreuzberg und Neukölln angereisten türkischen Hausfrauen los. Die 40 Tischnachbarn, die an langen weiß gedeckten Tafeln des Gast-Lokals Salon 33 Platz nehmen, kennen sich zumeist privat oder begegneten sich bereits bei vorangegangen Veranstaltungen. Arzu erklärt das Menü und das ausschließlich Rezepte zum Einsatz kommen, die seit Generationen zum Familien-Erbe gehören.
Männlicher Bauchtänzer kreist seine Hüften nach dem Hauptgang
Etwa die Mercimek Corbasi, eine mit Limonen abgeschmeckte Linsensuppe. Als Zwischengang munden die Kabakli Mücver, aus Zuchini gezauberte Puffer, ebenso gut wie die mit Reis und Hackfleisch gefüllten Auberginen. Auf großen Platten, damit sich die Gäste - kommunikativ wertvoll - selbst bedienen können, liegt dann der Hauptgang bereit: Izmir Köftesi (Hackfleischbällchen in Tomatensoße). Ein echter Genuss.
Und da wo Kültür-Dinner draufsteht, ist auch eine gehörige Portion Kultur drin. In rhythmischer Form: Nach dem Gaumengenuss des Hauptganges, folgt der Ohrenschmaus: orientalische Musik erklingt und dann lässt ein männlicher Bauchtänzer seine Hüften kreisen. Ungewohnt für viele Gäste, aber für alle eine wahre Augenweide.
Kulinarischer Trip durch das ehemalige Konstantinopel
Azur ist zufrieden: "Die Überraschung ist gelungen und den Gästen hat es geschmeckt." Dann erzählt sie von Istanbul, der pulsierenden Metropole, die zwar nicht die politische, aber die kulturelle und wirtschaftliche Hauptstadt der Türkei ist. Istanbul feiert 2010 seinen Status als europäische Kulturhauptstadt und wer möchte, der kann mit Azur hinreisen zum Bosporus. Immer wenn es genug Interessenten gibt, organisiert die Kultür-Dinner-Macherin einen kulinarischen Istanbul-Trip: "Wir besuchen dort in der Gruppe versteckte Lokale oder fallen auch schon mal in Privathaushalte ein." Das ist spannend, sorgt für kulturellen Austausch und schmeckt zudem fantastisch gut.
Die Tanten indes, sind noch immer fleißig in der Küche beschäftig. Denn erst nach erfolgreicher Entwicklungshilfe in Sachen Brutzeln wie am Bosporus in Berlin, heißt es zum Schluss: Putzen, Wischen und Einpacken.
- Kültür-Dinner, wechselnde Lokale und Termine, Tipp: Kültur-Dinner-Reise nach Istanbul mitmachen, E-Mail: kulturdinner@gmx.de
