
- Kultureller Wandel - Stefan Dassler
Dieser Beitrag befasst sich mit dem Wandel der europäischen Kultur setzt dies in Zusammenhang mit sozio-kulturellen, gesundheitlichen und demografischen Merkmalen der Entwicklungsländer.
Der Weg des Menschen zum Kulturwesen
Die folgenden Schritte werden häufig als entscheidend auf dem Weg des Menschen zum Kulturwesen genannt:
- Die Nutzung von Werkzeugen
- Die Zähmung des Feuers
- Die Entwicklung der Sprache
- Die Entwicklung ausdrücklicher Regeln und Formen des Zusammenlebens (zum Beispiel durch Religion, Ethik und Gesetze)
Gesellschaften und ihre Kulturen sind nicht statisch, sondern dynamisch. Kulturen wandeln sich im Verlauf der Zeit. Die Ethnologie oder Völkerkunde beschäftigt sich mit den Völkern der Welt und ihren Kulturen.
Kultureller Wandel in Europa seit der Antike
Eigene und fremde Kultur und deren Wandel werden seit der Antike studiert. Bereits im 5. Jahrhundert vor Christus gab Herodot von Halikarnassos eine ausführliche Schilderung der Völker der damals bekannten Welt und ihrer Sitten. Auch bei Platon und Aristoteles finden sich Beschreibungen anderer Kulturen. Im 15.bis 17. Jahrhundert war Europa eine religiöse (christliche), aber keine politische Einheit. Naturvölker wurden als „Wilde“ angesehen. Das 17. Jahrhundert in Europa war kulturell unter anderem durch die Stilepoche des Barock geprägt. Als Kunstform ist der Barock durch üppige Prachtentfaltung gekennzeichnet. Von Italien ausgehend verbreitete er sich zunächst in den katholischen Ländern Europas, bevor er sich abgewandelt auch in protestantischen Regionen durchsetzte. In der Musik wurden Opern im französischen und italienischen Stil komponiert. Die Architektur wurde ebenfalls vom französischen und italienischen Geschmack bestimmt. In der Malerei waren unter anderem Bauernszenen beliebt.
Das 18. Jahrhundert gilt im Rahmen der europäischen Kulturgeschichte als Krönung der Aufklärung. Das Denken sollte mit den Mittel der Vernunft von althergebrachten und starren Vorstellungen befreit werden und es sollte die Akzeptanz für neu erlangtes Wissen geschaffen werden. Durch Voltaire und Jean-Jacques Rousseau blühte die Philosophie der Aufklärung auf. Die Wissenschaft gab der Landwirtschaft und Warenproduktion (beispielsweise in Manufakturen) neue Impulse. Seit dem 19. Jahrhundert befasst sich die Völkerkunde wissenschaftlich mit fremden Kulturen. In unserer heutigen Zeit der Veränderung und des Umbruchs ist - auch in Deutschland - Kultur ein Modewort geworden. Immer öfter wird sie mit großem Aufwand als Event (beispielsweise Festivals, Konzerte) inszeniert und konsumierbar gemacht.
Vergleicht man die Kultur der europäischen Länder des 18./19. Jahrhunderts mit den heutigen Entwicklungsländern, so ist festzustellen, dass in Europa in der Vergangenheit neben existentiellen Grundproblemen Kunst und Philosophie (beispielsweise Barock, Aufklärung) dominierten.
Die Kultur der Entwicklungsländer heute
Entwicklungsländer von heute haben sich ebenso vor allem mit existenziellen Problemen auseinanderzusetzen (beispielsweise Mangel an sauberem Trinkwasser, geringe durchschnittliche Lebenserwartung, unzureichende medizinische Versorgung).
Entwicklungsländer sind nach allgemeinem Verständnis Länder, die sich auf einem niedrigen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklungsstand befinden. Betrachtet man die Kultur der Entwicklungsländer heute, so fallen unter anderem sozio-kulturelle, gesundheitliche und demographische Merkmale auf:
- Sozio-kulturelle Merkmale. Beispiele: Starke Orientierung auf Primärgruppen (beispielsweise Familie); geringe soziale Aufstiegschancen; Kinderarbeit; hohe Analphabetenquote.
- Gesundheitliche Merkmale: Unzureichende Ernährung; Mangel an sauberem Trinkwasser; fehlende Abwasserreinigung; unzureichende medizinische Versorgung; unkontrollierte Ausbreitung von Pandemien (beispielsweise AIDS, Malaria, Cholera).
- Demographische Merkmale: Hohe Geburtenrate; hohe, aber abnehmende Säuglingssterblichkeit; hohes Bevölkerungswachstum; geringe durchschnittliche Lebenserwartung.
Literatur:
Wickert, E. u.a.: Die ZEIT-Welt- und Kulturgeschichte in 20 Bänden. 03. Frühe Kulturen in Europa. Bibliographisches Institut 2006. Fachbuch. 600 Seiten. Euro 11,98.
