Beim Gedanken an das Ruhrgebiet tauchen unweigerlich bestimmte Assoziationen auf: gesichtslose Städte, rauchende Schornsteinschlote und schmucklose Arbeitersiedlungen. Doch das Ruhrgebiet kann jetzt viel mehr als nur Kohle scheffeln. Voller Selbstbewusstsein sieht sich die 5,3 Millionen Einwohner zählende Region als Metropole mit Zukunftsambitionen.
"Ruhr 2010" - lautet das Motto der Kulturhauptstadt
Im Jahr 2010 bietet sich endlich die Gelegenheit, gängige Vorurteile abzubauen, und das Image einer schmucklosen Industrieregion beiseite zu legen. Unter dem Motto „Ruhr 2010“ darf sich Essen stellvertretend für das Ruhrgebiet als künftige europäische Kulturhauptstadt auch seinen Nachbarn präsentieren.
Industriekultur ist ein zentrales Thema im kommenden Jahr
Doch Industriekultur gehört unweigerlich zum Ruhrgebiet. Genauso stehen die Menschen an der Ruhr weiterhin zu ihrer Vergangenheit. Auch wenn sich Städte wie Essen und Dortmund längst zu Dienstleistungszentren umwandeln, spielt die Industriegeschichte im Kulturjahr 2010 eine zentrale Rolle. Eine wichtige touristische Attraktion ist daher die Route der Industriekultur, die sich über das gesamte Ruhrgebiet erstreckt. Auf über 400 Kilometern liegen 52 touristische Hauptattraktionen und etliche kleinere Anlaufpunkte, die von der glorreichen industriellen Vergangenheit, des von Stahl und Kohle geprägten Ruhrgebiets zeugen.
Durch Innovative werden alte Industriebrachen neu gestaltet
Sicher, es ist längst nicht alles perfekt an der Ruhr. Mann kann sich über die hohe Arbeitslosigkeit beklagen und über familienunfreundliche Städte. Doch Selbstmitleid gehört nicht zu den Charaktereigenschaften eines „Ruhris“; statt zu wehleiden packt er lieber an. So laden Städte wie Duisburg, Dortmund und Co im kommenden Jahr alle „Ruhrgebietsneugierigen“ nicht nur dazu ein, alte Industrieanlagen zu besichtigen, um zu zeigen wie toll es hier einmal war. Vielmehr geht es den Veranstaltern darum, in totgeglaubte Industriebrachen neues Leben einzuhauchen. Etwa im Landschaftspark Duisburg Nord, wo auf dem 200 Hektar großen Gelände einer stillgelegten Eisenhütte, ein Erlebnisgelände mit zahlreichen Attraktionen, wie Kletterpark und Taucherbecken entstanden sind.
Essen - das Zentrum der Kulturhauptstadt
Das zentrale Besucherzentrum der Route befindet sich auf dem ehemaligen Zechengelände Zollverein in Essen. Die Zeche stellt eine der Hauptattraktionen der Industrieroute, daher bietet es sich an, die Entdeckungstour hier zu beginnen. Bis zu ihrer Stilllegung 1986 galt die Zeche Zollverein als modernste Kohleförderstätte der Welt. Seit die UNESCO die Essener Industrieanlage 2001 zum Weltkulturerbe ausgezeichnet hat, verwandelt sich der Industriekomplex zum Zentrum für Kultur. Das ehemalige Kesselhaus der Anlage beherbergt heute ein Museum für Design. Besucher können hier die weltgrößte Ausstellung zeitgenössischer Exponate bestaunen. Für Kunstliebhaber finden sich auf dem Zechengelände noch weitere Ausstellungen, wie die Installation La Primavera von Maria Nordman oder der „Palast der Projekte“ von Ilya und Emilia Kabakov im Salzlager der Kokerei. Wer den Spuren der Kumpel folgen möchte, kann sich bei der Stiftung Zollverein zu einer Führung anmelden. Diese heißt verheißungsvoll „Der Weg der Kohle“. Hier kann der Besucher in den Arbeitsalltag der Bergwerkarbeiter eintauchen, und erfährt im Anschluss die Wandlungsgeschichte der Zeche vom Industrie- zum Kulturzentrum. Dank der UNESCO Auszeichnung bekam die Stadt ein neues Wahrzeichen. Der Förderturm der Zeche ist heute auf jeder Stadtkollage zu finden.
Kaum jemand vermutet in der Region zwischen Emscher und Rhein ein überregionales Zentrum für Kultur und Wissenschaft. Tatsächlich weist das Ruhrgebiet, immerhin das drittgrößte Ballungszentrum Europas, eine Universitätsdichte auf, die bundesweit einzigartig ist. Europaweit befinden sich nur in London und Paris mehr Bildungseinrichtungen auf so engen Raum wie im Ruhrgebiet. Aber auch in Sachen Kultur braucht man sich im „Pott“ nicht hinter seinen Nachbarn zu verstecken. Nirgendwo sonst in Europa gibt es mehr Theater, Museen oder Kunsthäuser als in der zukunftsweisenden „Metropole-Ruhrgebiet“. Auch für Indutstriekulturmuffel die passende Gelegenheit, den „Pott“ vorurteilsfrei kennen zu lernen.
