Kulturhauptstadt Ruhrgebiet: Helfer für Superevent Schachtzeichen

Leuchtender Ballon bei Kulturhauptstadt-Eröffnung - Vera Kriebel
Leuchtender Ballon bei Kulturhauptstadt-Eröffnung - Vera Kriebel
Beim ruhr.2010-Projekt SchachtZeichen schweben vom 22. bis 30. Mai 2010 gelbe Heliumballons von Volonteers betreut über ehemaligen Bergbaustandorten.

Das ruhr.2010-Projekt SchachtZeichen will den so genannten Strukturwandel im Ruhrgebiet sinnlich erfahrbar machen, indem die Orte, an denen große Schachtanlagen standen, weithin sichtbar markiert werden. Strukturwandel: Das heißt Wirtschaftswandel von Kohle- und Stahlindustrie zu ... ? Das ist ein wenig die Frage hier im Revier.

Gelbe Heliumballons markieren ehemalige Schachtanlagen

Schachtzeichen ist ein ruhrgebietsweiter Event im Mai 2010: Gelbe Heliumballons schweben bis zu 80 Meter hoch über den alten Bergwerksstandorten. Sozusagen als 4.000 Quadratkilometer große Kunstinstallation werden von Neukirchen-Vluyn bis Hamm, von Dorsten bis Schwelm die gelben SchachtZeichen an den Mythos Bergbau, Kohle und Stahl erinnern. Bevor die letzte Steinkohlenzeche 2018 geschlossen wird, soll hiermit noch einmal an die Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet erinnert werden. Die gelben Lichtpunkte stellen aber zugleich Signale für die Kulturhauptstadt dar, deren Motto ja "Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel" ist. An zwei Nächten (wahrscheinlich 24. und 29. Mai) werden die Ballons auch beleuchtet und schweben so als 350 zusätzliche Monde über dem gesamten Ruhrgebiet.

Ruhrgebiet: Kulturhauptstadt-Sponsoring

Die Vorbereitungen zu SchachtZeichen laufen auf Hochtouren, in gut einem Monat ist es soweit. Beim Helfertreffen am 21. April 2010 fanden sich etwa 500 Helfer auf der Zeche Zollverein in Essen ein. Ein gelber Muster-Ballon schwebte dabei vor der Kulisse der Zeche Zollverein, Weltkulturerbe und Hauptaushängeschild der europäischen Kulturhauptstadt Ruhrgebiet. Ausgerechnet die armen ehrenamtlichen Helferlein mussten beim Helferfest aber auch neben einer ausufernden Moderation die Sponsorenpräsentation über sich ergehen lassen - sonst hätte man die Presse wohl nicht dafür begeistern können. Etwas mehr PR-Geschick und Fingerspitzengespür seitens ruhr2010 wäre hier vonnöten gewesen. Viele der Helfer waren nämlich direkt von der Arbeit dort hingefahren und fragten sich dann schon, warum sie für Werbesprüche dort herumstanden.

Das soll nicht heißen, dass die Sponsoren nicht eine angemessene Würdigung erfahren sollen - angesichts der wirtschaftlich problematischen Lage ist es erwähnenswert, dass sich Unternehmen und dann noch im strukturschwachen Ruhrgebiet für die Kulturhauptstadt-Events engagiert haben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist die Finanzierung dank mehrerer großzügiger Sponsoren gesichert. Rund 350 Ballons können so bei SchachtZeichen in den Himmel ragen. Was eines ganzen Ballonsets bedarf: Notwendig sind hierfür ja nicht nur die Ballons selbst, auch mit Helium müssen sie befüllt werden (macht Air Liquide). Die Dortmunder Firma Dolezych stellt 350 Seilwinden, außerdem hunderte von Seilen und Umlenkrollen zur Verfügung, die die Ballons halten. Es müssen Anhänger her, die das ganze Equipment transportieren (von der sächsischen Firma Stema). Zusammen mit Metallrahmen und Aufbauten für die Hänger, Abdeckplanen selbst bildet das die "Ballonsets".

Volunteers für Schachtzeichen gesucht

Was das ruhr2010-Projekt aber immer noch dringend braucht, sind Helfer vor Ort an den einzelnen Standorten - sie sind das Herzstück des Projekts, weil sie nicht nur die Ballons betreuen, sondern auch die Besucher an den Standorten empfangen. Denn man rechnet mit vielen einheimischen Schaulustigen und auch Touristen: Es sollen laut den Projekt-Verantwortlichen deutlich mehr Hotelreservierungen als gewöhnlich vorliegen. Die SchachtZeichen-Volunteers lassen den Ballon morgens aufsteigen, holen ihn abends oder bei Unwetter herunter und passen auf, dass er keinen Schaden nimmt.

Die SchachtZeichen-Betreuung umfasst den Aufbau des Ballons und den Abbau. Möglich ist auch die Abholung des Equipments (fertig konfektionierter PKW-Anhänger und Ballon). Im Aktionszeitraum muss jeder Ballon morgens um 10.00 Uhr aufgelassen und um 20.00 Uhr eingezogen und gesichert sowie gebenenfalls zum Schutz vor Vandalismus verstaut werden. Das heißt nicht, dass ein Einsatz von 10.00 bis 20.00 Uhr geht: Die Einsätze sind in drei Tagesschichten eingeteilt. Bei starkem und böigem Wind ab Windstärke 4 müssen die Ballons heruntergeholt werden; es gibt aber ein Wetterwarnsystem, das die Helfer über die Wetterlage vor Ort informiert. In zwei Nächten, voraussichtlich am 24.05.2010 und am 29.05.2010, werden die Ballons innen beleuchtet und bis 1.00 Uhr in der Nacht am Himmel zu sehen sein. Während des Aktionszeitraums muss etwa eine Flasche Helium nachgefüllt werden. Alle Betreuer erhalten im Vorfeld eine etwa dreistündige Schulung, die ab 1. Mai in Essen stattfindet.

Bewerbung für Schachtzeichen einzeln oder im Team

Aber keine Angst, so schwierig ist das alles nicht - es bleibt genügend Zeit, sich mit den Schaulustigen zu unterhalten und den Grill anzuwerfen. Viele Helfer-Teams - das wurde beim Helfertreffen in Essen klar - wollen die "Schichten" an den ehemaligen Schächten als gemeinschaftlichen Freizeit-Event nutzen. Die übrige Zeit sollte man durch das Revier fahren und sich auf den Halden die SchachtZeichen anschauen (im verlinkten Beitrag dazu eine tolle Collage, die zeigt, wie das Ruhrgebiet in diesen SchachtZeichen-Tagen aussehen könnte).

Interessierte können sich einzeln oder gleich als ganze Teams bewerben, zum Beispiel mit ihrem Verein oder Verband, ihrer Institution, mit Arbeitskollegen und Kolleginnen aus der Firma oder mit Freunden und Nachbarn. Einzelpersonen werden dann mit weiteren ehrenamtlichen Helfern als SchachtZeichen Volunteers an Standorten eingeteilt. Man muss nicht die gesamte Zeit zur Verfügung stehen, sondern kann sich einzelne Tage und Schichten aussuchen. Meist wird man möglichst nah am Heimatort eingesetzt. Wer sich bewerben möchte, meldet sich bitte direkt bei SchachtZeichen im Internet an.

Ab 22. Mai 2010 wird dann nicht mehr nur geprobt - dann gibts Schachtzeichen in Echt: Unser Team ist im Dortmunder Westen (mit Fotos der Schachtzeichen-Helferschulungen).

Vera Kriebel, Vera Kriebel

Vera Kriebel - Themen: u.a. Wirtschaft, Technik, Literatur, Reisen, IuK, Politik, Kultur, Geistes- und Sozialwissenschaften Texte, Recherchen, ...

rss