
- SchachtZeichen in Dortmund-Marten - Ballon in Ruhe - Vera Kriebel
Halbzeit bei den SchachtZeichen der Kulturhauptstadt RUHR.2010. Zeit, schon einmal eine kleine Bilanz zu ziehen und sich auf die nächsten Tage vorzubereiten.
Aktuell: NachtSchachtZeichen am 28. Mai
Laut einer aktuellen Ankündigung von RUHR.2010 werden die Ballons nicht nur am 29. Mai, sondern bei gutem Wetter auch am Freitag, 28. Mai, nachts ab 20 Uhr beleuchtet aufsteigen.
Halbzeitbilanz: Vandalismus und Sonne, Wind und Wetter
Seit Samstag, 22. Mai 2010, ist SchachtZeichen im Ruhrgebiet: Gelbe Ballons schweben 80 Meter hoch über vielen ehemaligen Zechen-Standorten. Das erste Wochenende glänzte durch traumhaftes Wetter mit Sonnenschein, am Montag leider mit zu viel Wind für die Ballons.
Von 311 eingesetzten Ballons sind bisher 90 verloren oder wurden beschädigt - entweder durch Wind und Wetter oder durch unsachgemäße Behandlung. Besonders ärgerlich ist der ruhrgebietstypische Vandalismus: Ballons wurden zerschnitten oder vom Band abgeschnitten. Das Organisationsteam hat deswegen an mehreren Tagen die Höhenflüge der Ballons gestoppt und Wachdienste für diejenigen Standorte engagiert, bei denen eine Unterbringung in geschlossenen Räumen nicht möglich ist und keine Freiwilligen die Wache übernehmen können.
SchachtZeichen unterwegs von Auto und Bahn
Einige der Ballons sieht man von der Autobahn und bei einer Bahnfahrt durchs Ruhrgebiet. Da ist es schade, dass die Bahn - immerhin ein Hauptsponsor der europäischen Kulturhauptstadt Ruhrgebiet - keine Informationen dazu durchsagt und auch nichts in der Kundenzeitschrift DB mobil dazu steht. So erfahren die Reisenden - insbesondere natürlich die auswärtigen Durchreisenden - überhaupt nichts von dem Projekt und wundern sich nur still über diese merkwürdigen gelben Ballons, die man immer mal wieder am Wegesrand aufleuchten sieht.
Tipps: SchachtZeichen als Zechentour nutzen
SchachtZeichen wurde als 4.000 Quadratkilometer großes Landschaftsbild angekündigt. Das ist es definitiv nicht. Sowohl tagsüber wie auch nachts sind die Ballons nicht so auffällig und dicht gestreut, dass sie ein größeres Bild ergeben. Vom Flugzeug aus kann zwar das gesamte Ruhrgebiet überblickt werden, aber da sind dann die Ballons so klein, dass sie nicht mehr auffallen. Von anderen Stellen sieht man einfach nicht genügend große und auffällige Ballons, dass sie als Landschaftsbild wirken. Hierfür hätten es mehr Ballons sein müssen oder zum Beispiel das Projekt städteweise geplittet werden müssen, so dass die Ballons im Mai in Essen, im Juni in Dortmund, im Juli in … aufgelassen worden wären.
Haldentour durchs Revier
Was das Projekt aber erreicht, ist die erneute Wahrnehmung des Bergbaus. Und es macht Spaß - wie dies auch viele Familien oder Interessierte getan haben - mit dem Auto oder Fahrrad die Standorte abzufahren. Auch eine Haldentour zu den Schachtzeichen lohnt sich: Halden sind künstliche Hügel, Aufschüttungen von im Bergbau unverwertbaren Steinen und Resten der Kohleverarbeitung, inzwischen begrünt oder zu Freizeitattraktionen umfunktioniert. Meist zeichnen sie sich durch karge Plateaus und Kunstinstallationen auf dem Gipfel aus. Die höchste Halde ist die Halde Hoheward, ein gigantisches Haldenensemble mit astronomischen Einrichtungen auf den Gipfeln. In Bottrop gibt es die Halden Haniel und Prosper (mit dem Tetraeder), in Gelsenkirchen die Halde Rheinelbe inmitten eines wunderschönen wilden Parks, im Norden Essens die Schurenbach-Halde mit einer gigantischen Stahlbramme, im Dortmunder Süden die Halde Gotthelf. Auch tagsüber muss man nicht auf Türme und Hügel klettern, um mehrere Ballons zu sehen. Es reicht manchmal (je nach Auflasshöhe) auch ein großes, freies Feld beispielsweise im Dortmunder Nordwesten.
Tipps für die NachtSchachtZeichen am 28. und 29. Mai
Dieser Rat gilt besonders auch für die NachtSchachtZeichen - wer in einer Art Völkerwanderung am 24. Mai auf Halden oder Türme pilgerte, musste feststellen, dass erstens auch dort zu wenige Ballons sichtbar sind und dass zweitens die wenigen sichtbaren kaum auffallen - das Ruhrgebiet ist nun einmal nicht die Atacama-Wüste. Es gibt tausende Häuser, Industrieanlagen, Kraftwerke - und alle sind beleuchtet. Auch in der Nacht gibt es also kein Gesamtkunstwerk des dunklen Ruhrgebiets mit gelb leuchtenden Monden.
Am meisten beeindrucken die nächtlichen Ballons aus der Nähe - auch hier lohnt es sich also Standorte abzufahren - und in der Überschau mit einem Standpunkt auf der Ballon-Höhe: Sie schweben zwischen 30 und 50 Meter hoch (erlaubt sind nur 30 Meter, aber einige lassen sie höher hinauf). Da gibt es wenige "Konkurrenz-Lichter" und sie werden in der Regel nicht von Bäumen verdeckt. Wer also in einem Hochhaus oder etwa 30 bis 50 Meter hoch auf einer Halde ein Plätzchen findet, dem leuchten die dunkelgelben Ballons der näheren Umgebung, allerdings meist nicht mehr als fünf bis zehn.
Die SchachtZeichen in Dortmund-Marten
Die SchachtZeichen im Dortmunder Westen verliefen bislang durchwachsen. Nicht gut lief es an der Zeche Germania, die selbst die meisten Einheimischen nur unter dem gleichnamigen Gelände von CJD und EDG an der Martener Straße mit den Werkstätten, der Trödelhalle und den Recyclinganlagen kennen. Nur, da klappte die Organisation leider gar nicht: Am Samstag wurde der Ballon nur einige Stunden, seit Sonntag gar nicht mehr hochgelassen. Übrigens lässt sich der dortige Schacht noch sehr gut über die Satellitenbilder von Google-Maps (wieder)auffinden: ein selbst Ortskundigen bislang nie aufgefallenes Brachgelände, bei dem sich der ehemalige Zugang zum Schacht auch auf dem Foto deutlich abzeichnet. Dies ist - nebenbei bemerkt - eine Erkenntnis der SchachtZeichen: Jeder Ruhrpöttler weiß natürlich, dass es jede Menge Zechenbrachen gibt. Doch diese kleinen, brach liegenden Gelände - teilweise nur einige hundert Quadratmeter groß - die einen Lüftungsschacht, eine Methangasabfackelanlage oder Ähnliches beherbergen, haben viele erst mit den SchachtZeichen entdeckt.
Das gilt auch für den völlig unbekannten Schacht I der Zeche Germania an der Steinhammer Straße in Dortmund-Marten, als Ort des Stadtteilfestes Haupt-Repräsentant der Zeche Germania. Wenn es Ziel des Projektes war, gerade auf solche Standorte hinzuweisen, war dies sicher die richtige Wahl - nur fanden vermutlich aus Unkenntnis viele Besucher nicht dorthin, außer sie haben zufällig in einer Sichtschneise den Ballon entdeckt. Zudem gibt es dort seit Sonntag keine weiteren Angebote.
Internet-Tipps
Schachtzeichen.kmz beim Bauforum zeigt beim Einlesen in GoogleEarth ein Overlay mit allen Ballons und den Standortnamen an. Aussichtspunkte bei Ruhrpott2010. Übersicht zu den Standorten bei Schachtzeichen, Tipps zu den einzelnen Städten bei deren Homepages, zum Beispiel unter dortmund.de, wo es auch das Dortmunder Standort-Verzeichnis zum Download gibt. Eine Übersicht zu den Halden findet sich beim Ruhrguide.
Eine Bilanz des Projekts unter: Schachtzeichen beendet ... und Technik und Organisation gemeistert.
