Kunst als Kulturphänomen

Die Kunst als Teil der Lebenswelt des Menschen und die Frage nach dem Zweck der Kunst nach Aristoteles und Platon.

Egal, wo der Mensch auftaucht, er hinterlässt Spuren seines Daseins. Ob in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, Menschen haben schon immer Vorgefundenes bearbeitet. Und sie werden es auch weiterhin tun. Oft geht diese Behandlung über die bloße Bearbeitung der Dinge zum späteren Gebrauch hinaus. Nicht alles, was der Mensch getan hat und noch tut, dient also der puren Sicherung des Überlebens. Das war in der Vergangenheit so und wird immer so sein.

Kunst als Teil der Lebenswelt

Schon immer wollte der Mensch seine Umwelt nicht ausschließlich so gestalten, wie sie ihm nützlich ist, sondern auch so, wie sie ihm, seiner eigenen Vorstellung nach, gefällt. Dieses Mehr an Gestaltung, an Bearbeitung, zieht sich als eine Art Spur, die der Mensch hinterlassen hat, durch seine Vergangenheit, und sie wird auch in Zukunft erkennbar sein. Diese Spur nennt man Kunst.

Wo immer man Gegenstände findet, die zwar der Natur entnommen, aber eigentümlich gestaltet wurden, kann man auf den Menschen als Urheber schließen. Aber nicht nur darauf, denn die eigentümliche Gestaltung von Dingen deutet auch darauf hin, dass sich jemand Gedanken gemacht hat. Daraus resultiert in der Regel ein Entwurf, der der Verwirklichung vorausgeht. Die Verwirklichung wiederum meint einen Eingriff in die Natur, die als kultureller Eingriff gilt. Die Kunst ist also ein Teil der Lebenswelt des Menschen und ein Kulturphänomen.

Platon versus Aristoteles: Kunst als Erscheinung versus Erscheinung des Schönen

Als Kulturphänomen wird die Kunst kontrovers diskutiert. Bereits bei Platon und Aristoteles finden sich unterschiedliche Ansichten. Für Platon gehört die Kunst in den Bereich der Sinnlichkeit. Sie lässt sich nicht zu den Ideen rechnen, weil sie vergänglich ist. Sie ist eine Erscheinung. Das Schöne, das mit der Kunst aber in Verbindung gebracht wird, gehört für Platon zu den Ideen.

Aristoteles sieht die Kunst als Erscheinung des Schönen. Diese äußert sich sowohl in der menschlichen Vorstellung als auch in seinem Erkennen und in seinem Handeln. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass die Erscheinung des Schönen im Handeln das sittlich Gute ist. Das heißt, die Kunst ist wohl Erscheinung, nicht Idee, aber sie ist die Erscheinung der Idee, die für Platon ein unerreichbares Ideal darstellt.

Der Zweck der Kunst

Wenn die Erscheinung des Schönen im Handeln des Menschen das sittlich Gute ist, kann der Zweck der Kunst nur die Sittlichkeit sein. Das bedeutet, dass die Kunst eine Kulturfunktion besitzt. Zweck der Kunst ist also, das sittlich Gute durch das geschaffene Werk erscheinen zu lassen, weil die Gestaltung eines Kunstwerkes den Menschen eben dazu motiviert. Diese Auffassung lehnt sich an Aristoteles an.

Andere dagegen betonen die Zweckfreiheit der Kunst und orientieren sich dabei an Platons These, dass Schönes zwar fähig ist, die Idee der Schönheit durchscheinen zu lassen, das bedeutet aber nicht, dass die Kunst einen Zweck hat. Für Platon und andere ist die Kunst autonom. Sie kann wohl die Idee des Schönen in die Welt der Erscheinungen transportieren, darüber hinaus hätte Kunst aber keinen Zweck.

Quellen:

Aristoteles: Poetik, Reclam Verlag, Stuttgart 1994, 181 Seiten, 5,00 Euro

Hans-Georg Gadamer: Platos dialektische Ethik, Meiner Verlag, Hamburg 2000, 163 Seiten, eventuell gebraucht erhältlich

Bettina Ickelsheimer, Bettina Ickelsheimer

Bettina Ickelsheimer - Kurzvita: Bettina Ickelsheimer wurde 1973 in Rothenburg ob der Tauber geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1994 studierte sie Philosophie, ...

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