Kunst an der Hauptschule

Expressionismus-Workshop für Schüler

Schülerarbeiten - Andrea Weber
Schülerarbeiten - Andrea Weber
Gelungener Versuch: Freie Malerei mit breitem Pinsel und Acryl kam bei siebzehn Schülern der Adalbert Stifter Hauptschule in Geretsried gut an.

Wo sonst die Schulbank gedrückt wird, waren elf Staffeleien aufgestellt, im Klassenzimmer 108 in der Adalbert Stifter-Hauptschule in Geretsried. Im Rahmen des „Aktiv Tages“ zum Schuljahresschluss, an dem in allen Klassenzimmern nicht gelernt, sondern gesportelt, gespielt und gekünstelt wurde, haben siebzehn Jugendliche aus der 8. und 9. Klasse zum ersten Mal an einem geschlossenen Kunst-Workshop teilgenommen und mit Pinsel und Acryl entstehen lassen, was entstehen wollte. Nach der Theorie am Morgen, hieß es Ausdrucksstärke unter Beweis zu stellen, durch den freien Umgang mit ungemischter Farbe, durch die Reduzierung der Form auf das Wesentliche und der Verzerrung der Perspektiven. Denn das ist Expressionismus.

Ohne Lerndruck frei gestalten

Die Idee eines geschlossenen Kunstworkshop, zu dem sich die Schüler freiwillig anmelden konnten, stammt von Lehrer Michael Basel. Er habe von der Kunstmalerin Traudl Klor gehört, sie kurzerhand in ihrem Atelier in Hohenschäftlarn aufgesucht und gestaunt: „Ich war beeindruckt von der Power und Ausstrahlung der Frau und ihrer Bilder und konnte sie für meine Idee gewinnen.“ Traudl Klor leitete den Workshop. Basel dagegen blieb bewusst fern. Er wollte keinen Lerndruck wie im Schulunterricht entstehen lassen. „Die Schüler sollen frei gestalten.“ Basel ist nun gespannt, ob sein Kunstworkshop auch ankommt. Er würde sich so etwas einmal pro Jahr wünschen. Doch fehle es, seiner Meinung nach, an der richtigen Ausstattung, die mehr erfordere, als die Materialien einer herkömmlichen Kunsterziehung. „Wir haben uns die Staffeleien vom Gymnasium ausleihen müssen, denn Kunst und Musik läuft leider an den Hauptschulen nur nebenher“, sagte Basel.

Gesichter, Fratzen und Masken

Nach zwei Stunden Workshop waren erste Ergebnisse zu sehen: Schon recht gut gelungene abstrakte Farbkompositionen beispielsweise, oder farbenfrohe kontrastreiche Gesichter, Fratzen und Masken. Zum ersten Mal haben die Schüler diese Form von Malerei erlebt. Einfach einmal loslegen dürfen ohne Vorgabe und Planung, dafür mit breitem Pinsel und Acryl, das gefiel den Jugendlichen. Klor machte ihnen Mut: „Geht weg von den natürlichen Formen von Mensch und Tier, modelliert aus dem Hintergrund etwas heraus, setzt einer Farbe eine andere gegenüber.“ Während sie erklärte, ging sie von einer Staffelei zur anderen und half den Schülern.

Klor weiß wovon sie spricht. Sie malt seit 51 Jahren. Es kommt ihr auf den authentischen Ausdruck an, auf die wahren Gefühle, die sie mit ihrer farbstarken Pinselsprache spricht. Schon lange habe sie sich von Romantik und schöne Weltbilder verabschiedet, sagte Klor.

Der Workshop kam an

Alex Bender aus Geretsried jedenfalls machte der Workshop Spaß: „Man kann alles aus sich herauslassen, wenn man weiß wie dieser Stil funktioniert.“ Und Maria Kinberger aus Aufhofen fand es spannend, wie mit ein paar Strichen ganze Bilder entstehen würden. Sie malte Menschen, die miteinander reden, nur angedeutet, stark abstrahiert.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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