
- Das Wertinger Schloß bietet Raum für Kunst - Britta Wülfing
Den ersten Preis der Jury gewann die Arbeit des Künstlers Kunihiko Kato. Betitelt "Lebewesen Brücken" schuf der gebürtige Japaner eine eindrucksvolle Skulptur aus Granitstein. Sechs gebogene Träger fügen sich zu einer Brücke, von der tropfsteinähnliche Zapfen eine weitere Verbindung zur Erde suchen. Auf zwei Podesten ist das Gewinnerprojekt im malerischen Amtsgericht in Wertingen ausgestellt.
Zusambrücke als Inspiration für die Kunst
Das gemeinsame Thema aller Künstler bei der landesweiten Ausschreibung war die Neugestaltung der Zusambrücke in Wertingen, die im Jahr 2009 fertiggestellt wurde. Der in Fürth lebende Gewinner Kato sieht sein Werk auch als Brückenschlag zwischen den Kulturen, wie er bei der Ausstellungseröffnung am 18. April 2010 sagte. Inspiriert hatte die Zusambrücke bayernweit 112 Künstler, die Arbeiten bei der Jury einreichte. In die Ausstellung im Wertinger Schloß schafften es 28 Arbeiten, die nun ein breites Spektrum zeitgenössischer Kunst widerspiegeln.
Neben der Schloßbrücke auf dem Weg in die Ausstellung weist eine Stahlbrücke vom Nürnberger Künstler Peter Mayer bereits auf das Thema. Fotos, Skulpturen, Gemälde und Installationen finden in dem historischen Gemäuer einen würdigen Rahmen und bieten kontrastreichen Augenschmaus. Auf insgesamt 800 Quadratmetern sind die Kunstwerke auf das Rathaus im Schloß und das Amtsgericht mit Verwaltungsgebäude verteilt und schaffen eine gelungene Verbindung zwischen alter und neuer Kultur.
Drei geschwungene Bohlen aus Birkenholz tragen Passagiere aus Metall - die nahezu drei Meter lange Skulptur von Wolfgang Schenk kommt im Stadtsaal gut zur Geltung und findet ein würdiges Pendant in der liegenden Figur aus Stein und Metall von Dierk Berthel. An den Wänden streiten Gemälde und Fotografien um die Aufmerksamkeit des Betrachters.
Gemälde und Skulpturen im historischen Wertinger Schloß
Auf dem kurzen Weg vom Schloß zum Amtsgerich liegen bunt verpackte, bemalte Strohballen - ein Wettbewerbsbeitrag von Brigitte Heinze aus Stadtbergen. Das Amtsgericht ist Teil des Schloßkomplexes, umgeben von einem gemauerten Schloßgraben. Teile stammen bereits aus dem 14. Jahrhundert und liefern die romantische Kulisse für moderne Kunst. Im Erdgeschoß sitzen Antragsteller inmitten der Exponate. Direkt neben der Tür zur Kfz-Zulassungsstelle hängt das farbenfrohe Gemälde "Kletterschiff wilde Hilde" von Angelika Böhm-Silberhorn, einer Malerin aus Utting. Neben der Wartebank steht eine Brücke aus Bronze und Stahl der Meringer Künstlerin Helga Coning.
Amtsbesuch kombiniert mit Kunstgenuss in Wertingen
Will der Amsstubenbesucher seine Wartezeit mit dem Studium weiterer Objekte nutzen, geht er über eine knarzende Wendeltreppe weiter in die hellen Ausstellungsräume in den oberen Stockwerken. Der Blick durch die Sprossenfenster auf blühende Obstbäume wirkt wie eine Erweiterung der Galerie, ein leuchtender Kontrast zu den fast graphisch wirkenden Fotografien in Schwarz-weiß-Abstufungen des Münchner Fotografen Mario Klinger.
Ein weiterer Fotograf, Pit Kinzer aus Markt Rettenbach, konnte mit seinen bewegten Bildern, aufgenommen in Shanghai, die Jury überzeugen. Geschickt montiert er seine Aufnahmen zu dynamischen Geschichten und belegt damit den zweiten Platz im Kunstwettbewerb "Überbrücken".
Buttenwiesen stiftet dritten Kunstpreis
Hinter einem Vorhang noch eine Überraschung: In einem abgedunkelten Raum schafft die Installation eines Lichtmobiles aus Neonschnur, Perspex und Acrylglas eine neue Dimension des Erfahrens. Der in Schweinfurt lebende Selcuk Dizlek konnte mit seinem Werk den dritten Preis abräumen, gestiftet von der Gemeinde Buttenwiesen. Der Bürgermeister Norbert Beutmüller wies in seiner Lobrede darauf hin, dass Dizlek mit der beeindruckenden Komposition im Raum somit der erste Preisträger der Nachbargemeinde Buttenwiesen ist.
Wertingen bringt Kunst in den ländlichen Raum
Über die Preisträger und Aussteller entschied eine Jury, der neben regionalen Künstlern auch der kunstbegeisterte Wertinger Bürgermeister Willy Lehmeier angehört, ebenso wie Dr. Thomas Eisen von den Städtischen Museen Augsburg. Regelmäßig bewerben sich zwischen 120 und 200 Künstler in dem bayernweiten Wettbewerb, der 2010 zum 16. Mal in der Ausstellung "Kunst im Schloß" gipfelt. Bereits seit 1985 organisiert die schwäbische Stadt die Ausstellung im Zweijahrestakt, finanzielle Zuschüsse von Land oder Bund gibt es dafür nicht. Etwaige Zweifel über die Sinnhaftigkeit des Engagements für die Kunst räumt der Buttenwiesener Bürgermeister Beutmüller beiseite: "Das Wohl einer Gemeinde hängt sicher nicht vom Erwerb eines Kunstobjektes ab. Würden wir das nicht tun, würde aber ein Stück Leben verloren gehen", so sein Argument bei der Ausstellungseröffnung.
KunstimSchloß: Besucher und Kaufinteressierte willkommen
Alle Ausstellungsstücke stehen auch zum Verkauf. Wie Günther Weiser von der Stadtverwaltung Wertingen versichert, geht der Erlös vollständig an die jeweiligen Künstler; im Gegensatz zu einer Galerie erhebt die Stadt keinen Obolus.
"Kunst im Schloß" hat bis 16. Mai 2010 seine Pforten geöffnet. Der Besucher hat zu den Öffnungszeiten des Amtes freien Eintritt, Montag bis Freitag von 8:00 bis 12:00 Uhr, Montag bis Donnerstag 14:00 bis 17:00 Uhr. Zusätzlich ist die Ausstellung Sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr offen. Wertingen liegt im Landkreis Dillingen, ca. 30 km westlich von Augsburg.
