Malerei, Bildhauerei, Schauspiel, Eurthmie, Kunsttherapie, Architektur, Pädagogik und BWL. Ja, auch Betriebswirtschaftslehre, all das können die Studenten in der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft lernen. Wie groß das Interesse der BWL-Studenten an der Kunst weiterhin sein wird, und ob und wie es sich in der späteren Beufspraxis auswirkt, bleibt abzuwarten. Ein interessanter Ansatz ist es allemal.

Blickwechsel 2011

Alljährlich veranstaltet die Alanus Hochschule Tage der Offenen Tür – im Jahr 2011 unter dem Titel "Blickwechsel". In den Vorjahren hieß der Slogan "Blickfeld". Das neue Motto steht für mehr Dialog, für Offenheit und Kommunikation mit anderen. Getreu der Erkenntnis, dass sich jede Situation und jedes Material zur Kunsterzeugung eignet, machten vier Alanus-Studenten das Pendel-Taxi zwischen den in einigen Kilometern Entfernung gelegenen Gebäudekomplexen der Hochschule zur Dauerperformance. Orange Kleintransporter mit dem Logo der Künstlergruppe Beispielhaft.com versehen, die Fahrer in ehrfurcht einflösenden Phantasieuniformen, versehen mit cooler Sonnenbrille. Für die Fahrgäste ein Transporterlebnis der besonderen Art..

Fast 40 Jahre Alanus-Hoschule

Als die Alanus Hochschule 1973 ihren Betrieb aufnahm, gab es 30 Studierende. Heute sind es 700, zu denen noch etwa die gleiche Anzahl an kurzzeitigen Kursteilnehmern hinzu kommt. Als Hochschule in freier Trägerschaft ist sie außer auf die Studiengebühren der Studenten auch auf Zuschüsse und Sponsoring angewiesen. Hauptfinanzier ist seit Jahren die Software-Stiftung in Darmstadt, die bundesweit Waldorf Pädagogik fördert. Neben der Alanus Hochschule gehöt auch die Privat-Universität in Witten-Herdecke zu den geförderten "Großprojekten". Ob hier Konkurrenz wirklich das Bildungsgeschäft belebt, wird sich zeigen. Fest steht, die Alanus-Hochschule, seit einigen Jahren staatlich anerkannt, bietet nicht nur eine fundierte künstlerische Ausbildung, sondern setzt auch im Bereich Wirtschaft neue Akzente. So wird nicht nur betriebswirtschaftliches Fachwissen vermittelt, sondern es wird auch kreative Handlungskompetenz sowie Kultur- und Wertebewusstsein vermittelt. Der Slogan lautet "Wirtschaft neu denken".

Kunst von der Pike auf lernen

Die ersten beiden Semester lernen bei Gesine Kikol die sinnvolle Anwendung von Pinsel, Farbe und Leinwand. Was die "absoluten Beginners" an den Wänden ihres Unterrichtsraumes zeigten, das konnte sich sehen lassen. Nicht weniger spannend die Ergebnisse des Aktzeichenkurses. In einem Kurs von John Gerard fertigten die Studenten Künstlerbücher – und sei es in Form von drei Meter langen Schriftrollen, wie dem Objekt von Jutta Knebel, die den "Engel der Langsamkeit" von Jutta Richter bildnerisch umsetzte.

In den Anfangsjahren der Alanushochschule fühlte sich (jedenfalls der Autor) beim Betrachten der Bilder aus Alfter eher gelangweilt. Pastelfarben beherrschten die Leinwand und selbst die wurden so dezent verwandt, dass man den Eindruck gewinnen konnte, die Künstler wollten die Farbe schonen oder den Betrachter einschläfern. Damit ist ganz offensichtlich Schluss.

Kräftige Farben und phantasievolle Bildhauerei

Farben dürfen auch in Alfter zum Ausdruck kommen, werden kräftig verwandt. Neu ist, dass die Malerei – ähnlich wie in den großen Universitäten – den einzelnen Professoren in Klassen zugeordnet ist. So malen die StudentInnen bei Andreas Orosz längt keine pastelfarbenen Kreise mehr, sondern fotorealistisch und das in kräftigen Farben. Und auch die Bildhauerei formt nicht nur an Arp erinnernde rundliche Formen aus weichem Holz, sondern es kommt auch Blei und Kunstoff zum Einsatz. So wie in der Installation von Alexandra Rix, die aus Styropor, Elektronik und allerlei spielerischen Kleinigkeiten, einen sich selbst öffenden und wieder schließenden Phantasieschrank schuf, in dem allerlei Zeitkritisches angesprochen wird. Tina Schneider sammelte Unmengen an Kuscheltieren, mit denen niemand mehr kuscheln mochte. Im Umgang mit diesen ehemaligen Gefährten erwachsen gewordener Kinder, erwies sich die Künstlerin als eher "grob und erbarmungslos". Tina Schneider trennte ihnen die Köpfe ab, rieß das Füllmaterial heraus, nähte die nun kopflosen Teddybären und anderen Kuscheltiere zu einem riesigen unförmigen aber noch immer kuscheligen Wesen zusammen. Im Juni 2011 war ihre Arbeit in der Alten Schreinerei in Bad Honnef zu sehen.

Jan Moritz Stahl ließ sich von Träumen leiten und fertigte ein Boot aus Blei mit einem daruner befindlichen Becken als Springbrunnen verbunden. Im Boot ein Videobildschirm, der den Künstler zeigt. Nein, dass hat mit der pastefarbenen Wohlfühlwelt der frühren Alanus-Jahre nichts mehr zu tun. Sie ist – bei aller Orientierung an der Lehre Steiners – in der realen Welt angekommen - dazu gehört auch, dass eine Bildhauerklasse im Juni für mehrere Tage die ehemalige NS-Kaderschule in Vogelsang bespielte, nach dem ihre Architekturkollegen für diesen Ort Entwürfe für ein internationales Jugendbegegnungszentrum geschaffen hatten.