Die Kanadische Botschaft wurde am 29. April 2005 in Berlin eröffnet. Die Bedeutung Deutschlands für Kanada als G-8 Partner und wichtiges Mitglied in der Europäischen Union, soll durch die aufwendige künstlerische und architektonische Leistung des Gebäudes unterstrichen werden. Mittels eines nationalen Wettbewerbs im Zuge des Botschaftsbaus wurden fünf Künstler ausgewählt, ihre Werke als "integrated art" in der Repräsentanz in Berlin zu zeigen. Alle verbinden die Identität und die Internationalität Kanadas mit der Architektur des Hauses. Die sogenannte "Kunst am Bau", die dauerhaft in das Gebäude eingelassen ist, zeigt eine Besonderheit der Botschaft auf. Alle Künstler spielen mit der kanadischen Landschaft und verarbeiten Naturmaterialien, die eigens für die Botschaft importiert wurden.
Kanadischer Empfang in der Botschaft
Betritt man die Kanadische Botschaft in Berlin, so hat man gleich "kanadischen Boden" unter den Füßen. In den schwarzen Granitboden im Empfangsbereich eingearbeitet sieht man vielfarbige Granit- und Quarzitsteine. Die franco-kanadische Künstlerin Barbara Steinman wollte mit ihrer Arbeit "River - Rivière- Fluss" einen für Kanada typischen Flusslauf symbolisieren, die zugleich die erste Verbindung zum Heimatland der Botschafter darstellt. Weiter ziehen sich schimmernde Linien in Form von Längen und Breitengraden über den 86 Quadratmeter großen Eingangsbereich, in Richtung der runden Timber Hall.
Weiter geht es, vorbei an der Glaswand auf dem Weg zur geschwungenen Haupttreppe, hinter der sich ein riesiger Wasserfall verbirgt. Durch das gelaserte Muster der Glaswand, entsteht der Eindruck von Wolken und geografischen Elementen. Barbara Astman, die Künstlerin des Werks "Canadian Weather Patterns", ließ dazu Muster mit Sandstrahl in die gekrümmten Glasscheiben lasern. Die Bilder dazu basieren auf Satellitenaufnahmen von der Erde, die auch die von Wolken verdeckten Kontinente zeigen.
Timber Hall
Das zentrale Element, die 15 Meter hohe Timber Hall, wird oft für Konferenzen genutzt. Bruce Kuwabara, der leitende Architekt, bezeichnet sie auch als "Herz der Botschaft". Innen ist sie ausgekleidet mit 900 parallel angeordneten Paneelen aus Douglasie aus British Columbia, von außen ist sie ein kupferverkleideter Zylinder. Das runde gläserne Dach gibt den Blick in den Himmel frei. Adrian Göllner gestaltete den kreisrunden Boden mit ca. 10 Metern Durchmesser und die Deckenfassung der berühmten Timber Hall. Aus Holz und Aluminium arbeitete er in den kreisrunden Boden die Sterne des nördlichen Himmels ein, den Kleinen und den Großen Wagen, und benannte sein Werk "North". Besonders hervortretend sind der Polarstern und der Nordstern in diesem Werk. Hebt man den Kopf, blickt man nun auf einen Metallring mit Glasprismen unterhalb der Glasdecke. Abhängig von der Sonneneinstrahlung wechseln diese im Laufe des Tages ihre Farbe.
Kanada Saal
Auf gleicher Etage befindet sich der Kanada Saal, der in etwa 200 Personen für größere Veranstaltungen Platz bietet. Ein Raumteiler, der unsichtbar an der Decke befestigt ist, kann die Fläche in kleinere separate Einheiten unterteilen. Die Glasfront des Saal bietet direkten Blick auf das Treiben in der Ebertstraße, sowie auf das gegenüberliegende Lenné-Dreieck.
Marshall McLuhan Salon
Allen Kommunikations- und Medienwissenschaftlern bekannt, ist der kanadischen Philosophen und Medienkritiker Marshall McLuhan, nach dem der weitläufige Informationsraum mit multimedialer Technik benannt wurde. Wahrscheinlich bekam der 1980 verstorbene Theoretiker durch seine berühmteste Aussage "The medium is the message" die Ehre des Namensgebers für diesen Raum. Besucher können sich hier an vier interaktiven Bildschirmen Informationen über Kanada und dessen Einwohner einholen.
Ungewohnte Ausblicke
Der Dining Room auf der zehnten Etage bietet ungewöhnliche Ausblicke auf den Reichstag, das Brandenburger Tor und den Tiergarten. Noch eine Etage weiter oben findet sich das begrünte Dach der Botschaft. Die Architektin Cornelia Hahn-Oberlander wollte neben der größtmöglichen Nutzung des Hausdachs künstlerische Aspekte nicht außer Acht lassen. Nach Berliner Bauvorschriften müssen die Dächer der Neubauten zur Verbesserung der Regenwasserverdunstung und Wärmeregulierung begrünt werden. Neben der Bepflanzung wurde daher zusätzlich ein künstliches Flussbett aus blauen Glasplatten eingelassen, das wiederum den Bezug zur kanadischen Flusslandschaft herstellt.
Auf dem Weg nach Draußen
Im Innenhof der Botschaft arbeitete Robin Collyer auf die Unterseiten von 14 Meter langen Metalllammellen die fotografische Herbstlandschaft "Canopy" ein. So bekommt man mitten in der Stadt den Eindruck eines Blätterdachs an der Hausfassade. Zwischen Ebertstraße und Leipziger Platz, in der öffentlichen Nordwest-Passage, hängt ein sechs Meter langes Kanu aus Bronze, in das John McEwen sorgfältig eine Karte der wichtigsten Wasserwege eingravierte. Sein Werk "The river as thread, the canoe as needle" leitet ebenso wieder zur Kanada-Thematik über. Während Passanten in Berlin tagtäglich durch diese Passage spazieren, steht sie ebenso für die historische Northwest Passage Kanadas und gleichzeitig für die Vergangenheit Berlins, der ehemals geteilten Stadt, in der nun wieder Ost und West verbunden sind.
