Kunst und Polizei im Duisburger Innenhafen: Bogomir Ecker - Aliud

Landesamt für ZPD und Aliud - Vera Kriebel
Landesamt für ZPD und Aliud - Vera Kriebel
Seit 2002 residiert das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen am Schwanentor und erhielt mit Aliud ein preisgekröntes Kunstwerk.

Duisburg ist weit mehr als die Geschichte des Endes der Loveparade. Duisburg ist vor allem einmal Hafen. Und der verbindet inzwischen als größter Binnenhafen Europas Handel und Industrie mit Wohnen, Freizeit, Arbeit sowie Kultur. So bietet der szenige Duisburger Innenhafen weit mehr als IN-Gastro oder Freizeitvergnügungen. Er ist auch Duisburgs neues Zentrum für Kunst und Kultur. Westlich des Schwanentors gibt es da ein an einem gelben Stahlträger hängendes ebenfalls gelbes Konstrukt. Die Deutungen zu diesem gelben Kunstwerk am Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen (LZPD NRW) sind gespalten. Viele gucken skeptisch, wenn man sie auf das gelbe Etwas anspricht.

Meinungen zu Eckers Kunst am Bau

Der Kapitän eines Fahrgastschiffs enthält sich weise eines Urteils, weist lediglich darauf hin und wagt zu sagen: "Tja, das ist Kunst." Die Deutungen von Passanten sind uneinheitlich: "eine zerstückelte gelbe Flöte"; "Mich erinnert das irgendwie an Antriebs- oder Getriebewellen von Schiffen. Immerhin ist das hier ja ein Hafen. Das würde doch passen." oder "Das könnte auf einen Flaschenzug bei einem Speichergebäude hinweisen - das Gebäude sieht ja ähnlich wie Hafengebäude aus."

Tatsächlich heißt das Kunstwerk "Aliud" (Latein: ein anderes oder das andere) und wurde durch den Künstler Bogomir Ecker entworfen.

Zum Objektkünstler Bogomir Ecker

Der Bildhauer, Objektkünstler, Fotograf und Installationskünstler Bogomir Ecker wurde 1950 in Maribor geboren und kam mit sechs Jahren als Sohn jugoslawischer Emigranten nach Duisburg, weswegen er (nicht nur im Kulturhauptstadtjahr) auch gerne als "Ruhrgebietskünstler" verkauft wird. Nach der Lehre zum Schriftsetzer studierte er an der Kunstakademie Karlsruhe, später an der Kunstakademie Düsseldorf. 1993 bis 2002 war er Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.

Seit 2002 ist er Professor für interdisziplinäre Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Bekannt wurde er durch Skulpturen und Installationen als Kunst im öffentlichen Raum. Er bearbeitet in seinen Arbeiten die sinnliche Wahrnehmung (vor allem Hören und Sehen), und zwar meist in Verbindung mit Technik, häufig technischen "Spielereien".

Ecker war 1987 auf der documenta 8 in Kassel vertreten. Beispiele für die Werke Eckers sind "Ohrturm" (1991, Duisburg) oder die "Tropfsteinmaschine" (1996, Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle). Einen Überblick über Eckers bisheriges Werk, seine Skulpturen und Installationen gab 2007 die Ausstellung "Bogomir Ecker - Man ist nie allein" in der Hamburger Kunsthalle.

mfi-Preis für Kunst und Bau an Aliud von Bogomir Ecker

Die 22 Meter hohe Skulptur Aliud schwebt frei über dem Eingangshof des ZPD-Gebäudes und ist am besten von der Hafenseite aus zu sehen. Für die 2001 im Duisburger Innenhafen installierte Skulptur "Aliud" erhielt Bogomir Ecker 2002 den "mfi-Preis für Kunst am Bau" im Essener Museum Folkwang, ein bundesweit ausgeschriebener Kunst und Bau-Preis der Firma mfi Management für Immobilien AG, Essen. Die mfi management für immobilien AG entwickelt und betreibt international innerstädtische Einkaufs-Arkaden und andere Gebäude.

Der mfi-Preis wird an herausragende Kunstprojekte vergeben und würdigt damit die gelungene Zusammenführung von Kunst und Bauwerk. Die eingereichten Projekte müssen sich in den Kategorien "Ästhetik", "Innovation" und "Beziehung von Kunst und Bau" gleichermaßen bewähren. Zugelassen sind Kunstwerke in oder an öffentlichen Gebäuden, Bürohäusern, Einkaufszentren, Gewerbeparks oder Gebäuden der öffentlichen Hand. Der "mfi Preis" ist mit 50.000 Euro dotiert.

Interpretationen zu Aliud

Die Jury begründete Wahl von Aliud damit, dass er "In einer subtilen Auseinandersetzung mit der Architektur die Formen des Baukörpers intelligent, gefühlvoll und ironisch" aufnehme (mfi). Laut Innenhafen-Portal will die Skulptur "in außergewöhnlicher Weise eine Assoziation zwischen dem bewegten Wasser im Hafenbecken und dem starren Antennenturm des Gebäudes herstellen" (Polizei NRW). Sie ist aus gelb lackiertem Aluminium gefertigt und besteht aus elf Modulen, die wie eine Perlenkette aufeinander gereiht sind. Der Künstler bringt die Skulptur in Zusammenhang mit Maschinenteilen oder Robotern (mfi). Die Landesinitiative Stadtbaukultur sieht in Aliud versteckt technoide Aspekte, die "die Vorgänge vom Inneren des Gebäudes nach Außen" transformieren. "Schon von Weitem ist die marionettenhafte, leuchtend gelbe Figur erkennbar, die für den Stadtraum ein neues Merkzeichen darstellt.

Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW im Duisburger Innenhafen

Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW war ein ambitioniertes Neubauprojekt. Das Erscheinungsbild des 2002 bezogenen neuen Gebäudes der ZPD ist ein mehrgliedriger Baukörper, der sich nach Süden zum Hafenbecken öffnet und zur Autobahn dahinter eine geschlossene Front bildet. der äußeren Form nach lehnt sich an die alten Speichergebäude des Hafens an, wollte aber ganz bewusst neue, zukunftsweisende Akzente setzen. Ökologie wurde dabei groß geschrieben.

Zum Einsatz kamen moderne Baukomponenten, zum Beispiel in der technologisch neuartig entworfenen Außenfassade. Die der Sonne zugewandten Außenflächen wurden mit neuartigen wärmespeichernden Wandpaneelen mit einer Glasoberfläche verkleidet, die je nach Lichteinfall hellgrau, blau oder grün schimmert. Gekühlt wird das Haus mit einem Wasserkreislaufsystem, das das Hafenwasser nutzt. Pflanzgärten im Gebäude sorgen für ein angenehmes Raumklima. Zum Energiekonzept gehören unter anderem eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Eingangshalle, ein Rapsöl-Blockheizkraftwerk und Spitzenlastkessel, Quelllüftung und Bauteilkühlung in den Büroräumen. Auf dem Dach wird Regenwasser für die Toilettenspülung gesammelt.

Kulturhauptstadt Ruhrgebiet: Bogomir Ecker bei der Emscherkunst

Eckers Duisburger Skulptur "Aliud" ähnelt verdächtig einem (neueren) Kunstwerk, das im Ausstellungsraum 2 der Emscherkunst.2010, einem Projekt von RUHR.2010, zu finden ist: Reemrenreh (kaum Gesang) ist ein gemeinsames Projekt von Bogomir Ecker und Bülent Kullukcu. Ecker ist Schöpfer der Skulptur, Kullukcu komponiert zur Skulptur die besondere (Wasser)Musik.

Reemrenreh (kaum Gesang) im Herner Meer

Die 20 Meter hohe Skulptur steht im Wasser, direkt am Yachthafen Herne vor dem Molenkopf des so genannten "Herner Meeres": Sie wird, "den sagenhaften Kolossen von Memnon gleich, durch Öffnungen entlang ihres Hohlkörpers durch Wind zum Singen gebracht." Nachts wird sie durch eine Straßenlaterne, die ebenfalls im Wasser steht, beleuchtet. "Wie in einem kindlichen Geduldsspiel aufeinander gestapelt, die Gravitation herausfordernd, droht die Skulptur beim nächsten Windstoß in sich zusammenzufallen." (Emscherkunst.de)

Weitere Infos zu Bogomir Ecker und dem Duisburger Innenhafen.

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