
- Bergschuhtest und Aussichtspunkt - Christine Teichmann
Man kennt sie aus Restaurants, Thermen und Hotelsaunen: die künstlichen Felsen, die einen vagen Anklang an Disneyland verbreiten und aus denen üblicherweise Wasser sprudelt. Dann gibt es die offensichtlich aus Beton gefertigten Kunststeinplatten, die Felseigenschaften wie Kanten, Risse und Kamine ausbilden, die mit zusätzlichen Griffen versehen, in Kletterhallen der wachsenden Sportklettergemeinschaft zu Trainingszwecken dienen. Beiden Arten fehlt eine wesentliche Eigenschaft, die es zu erzielen gilt, wenn wir den Kunden in die richtige Outdoor-Stimmung versetzen wollen, um im Sportshop die Regale mit Bergausrüstung leer zu kaufen: die Authentizität.
Fast kein Sportgeschäft ohne Kunstfelsen
Mittlerweile scheint kein größeres Sportfachgeschäft mehr ohne sie auszukommen: die Kunstfelslandschaft, die die Bergsportabteilung optisch aufwerten soll und zu Testzwecken herangezogen werden kann. Nur allzu oft erleben hochfliegende Planungen allerdings in der Geschäftspraxis des Alltags eine Bauchlandung. Wer vor dem 15m hohen Kletterfelsen, komplett mit Toprope Bereich und Klettersteig steht und mit Erstaunen lesen muss, dass die Benutzung nur Donnerstag abends gegen Bezahlung unter Aufsicht eines Bergführers gestattet ist, wird eher verärgert den angepriesenen Testbereich verlassen, als zu shoppen um dann donnerstags wiederzukehren.
Testfunktionen und Sicherheit
Die Realität zeigt leider auf, dass der Personaleinsatz für Testfunktionen im Bergsport zu hoch ist, wenn diese nicht selbsterklärend und sicher sind. Im Wesentlichen hat sich herausgestellt, dass leichtes felsiges Gelände mit optisch passendem Geländer für das Ausprobieren von Bergschuhen die am meisten genutzte Einrichtung in diesem Sinne ist. Darüber hinaus empfiehlt es sich, sehr genau zu überlegen, ob der Felsen nicht vor allem Stimmung erzeugen soll.
Wie sieht ein Felsen "echt" aus?
Damit er das tun kann, gilt es vor allem einen – leider sehr häufigen – Fehler zu vermeiden: üblicherweise werden die Schablonen für Kunstfelsen (gleich, ob sie dann in GFK oder Faserbeton ausgeführt werden) in etwa 1m² großen Teilstücken in Steinbrüchen abgenommen, um dann zu größeren Einheiten zusammengefügt zu werden. Damit dies möglich ist, werden möglichst richtungslose Felsstrukturen ausgesucht. Bei kleineren Kunstfelsen fällt das nicht weiter auf. Ist die Anlage jedoch größer – und um zu wirken, muss sie das sein – entsteht gerade dadurch der Eindruck des Künstlichen, Grottenbahnhaften. Ein echter Fels hat nämlich eine innere Geo-Logik, sprich: durchgehende Risse oder Platten, also eine Struktur, die über mehrere m² hinaus geht. Nur Nachbildungen, die eine Gesamtoptik im geologischen Sinne bedienen, werden die Authentizität bringen, die der Betreiber sich wünscht und beim Kunden die angenehmen Assoziationen wecken, die ihn in Bergstimmung versetzen.
Fertige Endlos-Platten als Alternative
Neben den individuell gestalteten Felslandschaften gibt es die günstigere Möglichkeit, fertige GFK-Platten in Felsoptik zu montieren, die in Endlos-Optik gefertigt sind und zu beliebiger Größe aneinandergefügt werden können. Üblicherweise weisen die Platten, welche gewachsene Felsen nachbilden, dasselbe Problem auf. Bei den Nachbildungen von Natursteinmauerwerk ist allerdings die Regelmäßigkeit der Struktur weniger störend und der Gesamteindruck ein weitaus besserer.
