Kunstmesse tief im Westen: Contemporary Art Ruhr (C.A.R.), Essen

C.A.R., 3. Juni 2011, Kokerei Zollverein, Kokerei, Mischanlage - Vera Kriebel, 3.6.2011
C.A.R., 3. Juni 2011, Kokerei Zollverein, Kokerei, Mischanlage - Vera Kriebel, 3.6.2011
Zweimal im Jahr trifft sich bei der C.A.R. die Kunstmarktszene auf Zollverein mit internationaler aktueller Kunst im ungewöhnlichen Industriekulturambiente.

Das Ruhrgebiet ist lange Zeit Stiefkind der "hohen" Kultur und Kunst gewesen. Kein Wunder daher, dass auch der Kunstmarkt im Vergleich zu anderen Großstadtregionen eher unterentwickelt ist.

Vom Aschenputtel zur Schönheit, vom Koks zur Kunstmesse

Die Essener Kunstmesse Contemporary Art Ruhr (C.A.R.) versucht dies zu ändern - wie übrigens ihr kleineres, unkonventionelleres und bereits seit 1995 bestehendes Pendant in Herne, der Kuboshow.

Da passt es gut, dass die zweimal jährlich stattfindende Kunstmesse auf dem ehemals hässlichen Industriegelände des Weltkulturerbes Zeche Zollverein stattfindet, die den Wandel der gesamten Region vom Aschenputtel zum schönen Kulturstandort greifbar machen. Auf Zollverein sollen Design und Kunst im red dot Designmuseum, Ateliers und Manufakturen heimisch werden.

Im Sommer in den Kokerei-Trichtern: Schwerpunkt Medienkunst

Jedes Jahr findet die C.A.R.-Kunstmesse Anfang Juni auf dem Gelände der Kokerei Zollverein, Ende Oktober auf Zeche Zollverein statt, über das ganze Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend.

Schwerpunkt der Sommer-C.A.R. ist die Medienkunst, die bei der Herbstausgabe nur eine marginale Rolle spielt. Grundsätzlich wird aber alles an Malerei, Mischtechnik-Objekten, Skulpturen gezeigt, was aktuell ist, über die ganze Breite und Strömungen.

Im Sommer nutzt sie dabei die ehemaligen Kohlenbunker und die Mischanlage der Kokerei, Beton-Trichter auf mehren Ebenen - ein einmaliges Ambiente (siehe Fotos unten). 2011 kam als zentraler Ort noch das ehemalige Salzlager, in dem sich heute auch der Palace of Projects der Kabakows befindet, hinzu.

Kunstmesse C.A.R. im Herbst "auf Zeche"

Im Herbst findet sie in den Gebäuden der Zeche Zollverein statt: Zentral sind dabei die eher "normalen" Hallen 5 und 6 sowie der erste Stock der Halle 12, die wenig mehr als den Charme einer Lagerhalle versprühen.

2010 ergänzten zwei Ebenen des weißen Kubus, des SANAA-Gebäudes mit seiner einmaligen Architektur die Ausstellungsfläche - eine einmalige Architektur, die die Galeristen allerdings bei Sonnenschein wegen der großen Fenster auch unter unerträglicher Hitze klagen ließ. Das 2006 errichtete Gebäude wird 2011energetisch saniert und ist deswegen komplett leer gezogen. 2011 wurde das Kesselhaus des red dot Designmuseum zum vierten CAR-Standort.

CAR-Kunstmesse: Aktionen, Events, Rahmenprogramm

Außerdem werden Skulpturen, Installationen und Projektionen im Außenbereich von Zollverein präsentiert.

Zum Networking gibt es rund um die eigentliche Kunstmesse ein großes Rahmenprogramm: neben den obligatorischen Parties die C.A.R.-V.I.P.-Lounge, Workshops, Sonderausstellungen, Events & Performances, Symposien, Vorträge, C.A.R.-Gallery, ein Wettbewerb für Fotografie und digitale Kunst.

Die Essener C.A.R. arbeitet intensiv mit der in Essen beheimateten Folkwang-Universität der Künste zusammen, daher nehmen die Studentenprojekte breiten Raum ein.

Größte Kunstmesse im Ruhrgebiet: Galerien und Kunst international

Das Präsentationskonzept der CAR-Kunstmesse ist "minimalistisch, offen und puristisch" (so die Veranstalter): Statt der üblichen aufwendigen Nischen reichen in Essen einfache weiße Trennwände für die Präsentationsflächen (noch puristischer ist es allerdings auf der bodenständigen Herner Kuboshow, wo im Übrigen viele der bei der CAR-Messe anwesenden Künstler (Galeristen sind dort nicht zugelassen) ebenfalls ausstellen).

Viele Galeristen kommen von außerhalb des Ruhrgebiets zur CAR. Das Ruhrgebiet ist durchaus attraktiv unter Kunstmarkt-Gesichtspunkten, weil es hier kein Galerie- und Kunstmessen-Überangebot wie in Berlin gibt. Insgesamt ist die CAR aber international: Unter anderem sind österreichische, ungarische, niederländische, britische, niederländische, Pariser Galerien vertreten. Die CAR kooperiert mit der Los Angeles Art Association (LAAA).

Die C.A.R. macht wie die vielen Angebote der freien Kunstszene und die neuen (und alten) Museen für moderne Kunst (so die Duisburger Lehmbruckmuseum, Küppersmühle und DKM, das Essener Folkwang-Museum und das Dortmunder Ostwallmuseum) machen deutlich, dass sich das Ruhrgebiet der zeitgenössischen Kunst geöffnet hat.

Infos zu CAR auf Zollverein in Essen

  • Adresse: contemporary art ruhr (C.A.R.). Herbst: Welterbe Zollverein XII, Gelsenkirchener Strasse 181, 45309 Essen. Sommer: Kokerei Zollverein, Arendahls Wiese Tor 3, 45141 Essen.
  • Anfahrt: Am besten mit der Bahn nach "Essen-Zollverein Nord" oder mit der Straßenbahn 107 vom Essener Hauptbahnhof aus bis "Zollverein".
  • Parken bei der Herbst-CAR am besten auf A2, im Sommer auf dem Parkplatz an "Arendahls Wiese" (siehe Zollverein-Lageplan).
  • Ausstellungshallen: Verschieden von Messe zu Messe. Herbst-CAR: Halle 5 und 6 gegenüber vom red dot-Designmuseum, Halle 12 direkt am Parkplatz A2 (im Erdgeschoss essbar-kochbar). Sommer-CAR: Kokerei, Mischanlage. Am besten den Zollverein-Plan downloaden.
  • Öffnungszeiten und Programm: Freitag Eröffnungsparty ab 19 Uhr. Samstag 12 Uhr bis 20 Uhr, Party ab 20 Uhr, Sonntag 11 Uhr bis 19 Uhr (mit Preisverleihung).
  • Eintrittspreise: 12,-, ermäßigt 10,- (Stand 2011)
  • Website: Mager, aber mit Teilnehmerliste der aktuellen oder bevorstehenden CAR-Kunstmesse. Kein Archiv.
  • Katalog: 12,- (Stand 2011), enthält jedoch nur wenige Infos zu den Galerien und dem Rahmenprogramm).
  • CAR-Ausgaben: Herbst 2010, Oktober 2011.
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