Kunststadt Duisburg: Malerei des Informel im Museum Küppersmühle

Museum Küppersmühle: Treppenhaus des Anbaus - Vera Kriebel, 2010
Museum Küppersmühle: Treppenhaus des Anbaus - Vera Kriebel, 2010
Deutsche Gegenwartskunst in Duisburg: Das Museum Küppersmühle (MKM) am Duisburger Innenhafen bietet eine herausragende Sammlung von Gemälden und Skulpturen.

Duisburg hat sich - fast unbemerkt von Medien und dem gemeinen Kunstliebhaber - zu einer echten Kunststadt mit den Schwerpunkten moderne und aktuelle Kunst gemausert.

Kunstmuseen in Duisburg: Exzellenz in moderner Kunst

Drei Museen bieten exzellente Sammlungen und Ausstellungen in außergewöhnlicher Architektur und mit bemerkenswerten Konzepten: das Wilhelm Lehmbruck Museum (hauptsächlich klassische Moderne/erste Hälfte des 20. Jahrhunderts), das Museum Küppersmühle und das Museum DKM (aktuelle Avantgarde/Asien).

Das Museum Küppersmühle: Deutsche Vertreter des Informel / abstrakter Expressionismus

Der Schwerpunkt des Museum Küppersmühle (MKM) am Duisburger Innenhafen liegt in der Malerei der bekanntesten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Wie das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt basiert das MKM auf den Sammlungen Ströher, einer der umfangreichsten Sammlungen deutscher informeller Kunst nach 1945 (Schwerpunkt Malerei) und seit 2005 auf der von Hans Grothe (Malerei 70er - 90er Jahre).

Das MKM beherbergt die wichtigsten deutschen Nachkriegs-Künstler mit internationaler Strahlkraft: u.a. Josef Albers, Stephan Balkenhol, Georg Baselitz, Willi Baumeister, Joseph Beuys, Peter Brüning, Karl Fred Dahmen, Hanne Darboven, Günther Förg, K.O. Götz, Gotthard Graubner, Candida Höfer, Gerhard Hoehme, Rebecca Horn, Jörg Immendorff, Anselm Kiefer, Imi Knoebel, Norbert Kricke, Markus Lüpertz, Blinky Palermo, A.R. Penck, Otto Piene, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Bernard Schultze, Emil Schumacher, Fred Thieler, Hann Trier, Rosemarie Trockel, Wols.

Fast unbemerkt in der breiten Öffentlichkeit ist das MKM so zu einem der bedeutendsten Museen für den deutschen Informel aufgestiegen. Es ist bedauerlich, dass die Duisburger Museen kaum Aufmerksamkeit für ihre ausgezeichneten Präsentationen erregen können, obwohl sie an Klasse hinter viel beachteten Ausstellungen wie Le grand geste! im Düsseldorfer Kunstpalast beileibe nicht zurückstehen müssen.

Das MKM zeigt jährlich drei bis vier unterschiedlich ausgerichtete Wechselausstellungen internationaler Kunst, so Retrospektiven oder thematische Gruppenausstellungen, 2010 zum Beispiel Walter Stöhrer.

Architektur des Museum Küppersmühle

Die 1860 errichtete Küppersmühle am Duisburger Innenhafen war bis in die 1970er Jahre hinein Getreide-Speicher, seit 1999 ist die Küppersmühle Kunstmuseum.

Der Haupteingang des MKM liegt auf der Südseite der alten Küppersmühle: Das Haupthaus mit den Ausstellungsräumen wurde aufwendig restauriert, ein moderner Anbauturm aus der Feder der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron dient als Treppenhaus. Dieses ist ein schlichter Betonbau, aber nicht betongrau, sondern in einem warmen Erdton, Ton in Ton mit dem alten Ziegelgemäuer (siehe Foto unten).

Wirklich auffallend ist der Anbau im Inneren: Das Treppenhaus wirkt wie gewachsen, organisch, verschachtelt-labyrinthisch und ist ebenfalls komplett aus warmem rötlichen, tonfarbenen Beton, der zudem nicht nur warm anzuschauen ist, sondern sich auch weich anfühlt.

  • Beton: Einen wundervollen Beitrag zum Thema "Beton" gibt es von Planet Wissen, bei dem vor allem der betonbegeisterte Professor Hillemeier auch den letzten Betonskeptiker zu überzeugen weiß.

Das MKM im Duisburger Innenhafen

Während das Gebäude äußerlich mit einer originellen Mischung aus altem Backsteinbau und modernem Betontreppenhaus besticht, sind die eigentlichen Ausstellungsräume eher unaufdringlich, so dass die Kunstwerke im Vordergrund stehen, nicht das Museum. Die schmalen Fensterscharten bieten mit dem Ausblick auf den Innenhafen einen Kontrast zur Ausstellung, lenken aber die Aufmerksamkeit nicht ab.

Im Erdgeschoss, dem Bereich für Sonderausstellungen wird mit verschiedenen Raumaufteilungen, Raum-Entrées, Raumbegehungen gearbeitet, es gibt den verschachtelten Raum im Raum, den großen offenen Saal, den Durchgangsraum ...

Duisburger Innenhafen: kleine HafenCity

Spektakulär sollte die Küppersmühlen-Architektur ab 2011 mit einem modernen Erweiterungsbau werden (Foto zum Bau-Skelett), der wie der Treppenturm-Anbau vom Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfen wurde. Zweifel, ob dies nicht des Außergewöhnlichen zuviel und die neue Küppersmühle kein Hingucker, sondern eher ein optischer Störfaktor an der Süd-Promenade des Duisburger Innenhafens werden könnte, haben durchaus ihre Berechtigung.

Und 2011 schreibt Duisburg wieder einmal Negativ-Schlagzeilen, weil die Kosten aus dem Ruder laufen und entweder Pfusch am Bau oder bereits planerische Mängel die überhängende Erweiterung verhindern. Die Duisburger gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft, die als Bürge eingesprungen war, steht deswegen vor dem Ruin. Das Stahlskelett jedoch ist seit 2010 aufgeständert und rostet unbeeindruckt vor sich hin (Fotos unten).

Herzog & de Meuron konstruierten übrigens auch für die Olympischen Sommerspiele 2008 das Nationalstadion in Peking - künstlerisch beraten durch Ai Weiwei, der im Duisburger Museum DKM und in der DKM-Galerie im Garten der Erinnerung vertreten ist. Wer sich das erste Foto unten anschaut, wird unschwer die Ähnlichkeit mit der Hamburger Elbphilharmonie entdecken, deren Architekten ganz zufällig Herzog & de Meuron heißen.

Museumskonzept des MKM: Werkgruppenpräsentation und Wandersäle

Das MKM besticht durch die Qualität der ausgestellten Kunstwerke. Die 1.500 Werke der Sammlung werden wechselweise gezeigt. In den 15 Räumen des ersten und zweiten Stocks werden relativ wenige Gemälde und nur vereinzelt Skulpturen ausgestellt. Dies hat den Vorteil, dass der Besucher nicht durch die reine Anzahl erschlagen wird und die Sammlung sowie zentrale Positionen der deutschen informellen Kunst auch wirklich wahrnehmen kann.

Dazu trägt das ausgezeichnete Präsentationskonzept bei, das von dem in den letzten Jahrzehnten üblichen thematischen abweicht und einzelne Räume ganz einem einzigen Künstler zur Verfügung stellt. Diese Werkgruppen ermöglichen es dem Besucher, den Künstler intensiver kennenzulernen, Charakteristisches zum Beispiel in seinem Stil oder seinen Themen zu verstehen und zum Teil auch Entwicklungen im Werk der Künstler nachzuvollziehen. Viele Kunstwerke sind dabei Sammler-Leihgaben und nicht dauerhaft zu sehen. In unregelmäßigen Zeiträumen ändert sich daher die Auswahl, mit der die Küppersmühle die Entwicklung deutscher Nachkriegskunst anhand beispielhafter Künstler nachzuzeichnen versucht.

MKM: Museumspädagogik und Kunstvermittlung

In anderen Bereichen der Kunstvermittlung gibt es derzeit beim MKM jedoch Lücken. Es fehlen zum Beispiel Kinder-Programme und Kunst-Events, die eine breitere Masse als Insider oder Oberstudienrätinnen anziehen. Dass der Eintritt frei ist für Schüler, ist zwar ruhrgebietstypisch und löblich, hilft aber nicht, den Graben zwischen breiter Bevölkerung und Kunst zu füllen.

So gibt es bedauerlicherweise für die Besucher abseits von Aufteilungsplan, Katalog oder Führung auch kaum Informationen. Da moderne Kunst immer noch Akzeptanzprobleme in der breiten Bevölkerung hat, wären Infoblätter zum besseren Verständnis ein guter Weg. Das gilt gerade für ein Museum im Ruhrgebiet, dessen eher bildungsferne Bevölkerung sich nicht gerade dadurch auszeichnet, jenseits des röhrenden Hirsches oder der Vorgarten-Lore besonders kunstinteressiert oder gar avantgardefreundlich zu sein.

Kunstvermittlung für Kinder, Schüler, Jugendliche

Anregung könnte man sich beim Museum für Moderne Kunst in Frankfurt holen: Dort hat man eine sehr pragmatische Lösung gefunden und legt in den Ausstellungsräumen schlichte Laserausdrucke mit Erläuterungen (ohne großen Schnickschnack wie Fotos) zum Mitnehmen aus.

Der Blick sollte vor allem gen Osten zum neuen Kulturzentrum Dortmunder U mit dem Museum am Ostwall und den HMKV-Medienkunst-Ausstellungen gehen - was sie dort an Kunstdidaktik bieten, ist vorbildhaft nicht nur im Revier.

RUHR.2010: RuhrKunstMuseen

Wie das Duisburger LehmbruckMuseum und das Folkwang-Museum ist das Museum Küppersmühle Mitglied der RuhrKunstMuseen, einem Netzwerk von Kunstmuseen des Ruhrgebiets.

Infos zum Museum Küppersmühle - Ungewöhnliche Öffnungszeiten

  • Adresse: Museum Küppersmühle, Philosophenweg 55, Innenhafen Duisburg
  • Anfahrt: nur 1 km von Hbf/Fußgängerzone entfernt - ein gemütlicher Bummel durch die Innenstadt zum Innenhafen (vom Bahnhof aus "rechts", östlich halten). ÖPNV: Einstieg Busbahnhof am Hbf (Ausgang City, dann rechts am Bahnhofsgebäude ca. 100 m entlang), Bus 934 alle 15 min tagsüber in der Woche, ca. 8 min Fahrt, Ausstieg Haltestelle Hansegracht. Mit der Straßenbahn vom Hbf, Ausstieg Schwanentorbrücke, wo auch der Hafenrundfahrt-Anleger der Weißen Flotte ist. Dann ist allerdings noch einiges zu laufen (aber schön am Innenhafenkai entlang).
  • Ungewöhnliche Öffnungszeiten: Mittwoch 14:00 - 18:00h; Do, Fr, Sa, So, Feiertage 11:00 - 18:00h (Mo, Di geschlossen).
  • Eintrittspreise: Sammlung: 6 €, Wechselausstellungen: 4 €, gesamtes Haus: 8 €, ermäßigt: 4 €, Gruppen ab 10 Personen: 4 €, Kinder (unter 18 Jahren) und Schüler haben im MKM freien Eintritt.
  • Führungen sonntags 11 und 15 Uhr. Für Schüler Sonderführungen und pädagogische Betreuung (Voranmeldung notwendig).
  • Sonderausstellungen (Auswahl): Ulrich Erben - Lust und Kalkül. Malerei aus fünf Jahrzehnten, 2011/12. Abraham David Christian: THE WAY - DER WEG (Video), 2010. WALTER STÖHRER - KRAFTFELDER, 2010.
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Vera Kriebel - Themen: u.a. Wirtschaft, Technik, Literatur, Reisen, IuK, Politik, Kultur, Geistes- und Sozialwissenschaften Texte, Recherchen, ...

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