Kunsttherapie hilft psychisch kranken Menschen

Ausstellungseröffnung in der Bücherei - Andrea Weber
Ausstellungseröffnung in der Bücherei - Andrea Weber
Ausstellung zeigt Bilder der Bewohner vom Haus Gartenberg, einer Einrichtung für psychisch kranke Menschen in Geretsried

Wer derzeit die Stadtbücherei in Geretsried besucht, der sollte nicht nur im Lesestoff schmökern, sondern sich auch den Bilder widmen, die noch bis in den März die Bibliothekswände schmücken werden. Es sind Kunstwerke, die charakteristisch nicht unterschiedlicher sein können – farbenfrohe, musterartige, kindliche, kleinteilige, großflächige. Eines haben diese Bilder aber alle gemeinsam: Sie berühren und ziehen den Blick auf sich. Vielleicht gerade deshalb, weil sie sich so gar nicht in künstlerische Stilzwänge einordnen lassen. Es sind einfach nur Bilder, oder anders gesagt, es sind die persönlichen Geschichten von 21 Bewohnern aus dem Haus Gartenberg, der sozialtherapeutischen Einrichtung für psychisch kranke Menschen in Geretsried.

Gemalte Bibelszenen zu Weihnachten und Ostern

Eines dieser Bilder heißt „Heilig“ und zeigt eine Nonne. Mit nur wenigen Kohle-Strichen hat Gerhard Häusler dem Gesicht einen verklärten Ausdruck gegeben. „Sie weiß wo der Geist ist“, sagt er. Häusler ist sehr gläubig. Früher hat er ein paar Semester Kunst studiert, dann in verschiedenen Jobs gearbeitet. Seit sieben Jahren ist Häusler im Haus Geretsried in Betreuung.

Optisch total anders sind die Bilder von Christa Hartmann und doch inhaltlich so konform mit Häuslers Malerei. Auch sie drückt in ihren farbenfrohen Aquarellen ihren starken Gottesglauben aus. Sie malt Bibelszenen aus der freien Fantasie. Sie malt Engel und den Weihnachtsmann, Osterhasen und Marienkäfer. Sie malt eine kindliche und glückliche Welt, ihre eigene Welt, die die ehemalige Kinderpflegerin scheinbar in sich trägt.

Eine ganz andere Welt fasziniert Wilhelm Gauser. Es ist die des Motorsports. Eines seiner Buntstiftbilder zeigt einen roten Formel Eins-Ferrari. Exakt hat er die unverkennbare Karosserie nach gezeichnet und sie akkurat rot ausgemalt. „Wie filigran die Rennfahrer diese hohen PS-Zahlen beim Fahren beherrschen, das gefällt mir am Autorennen“ erklärt Gauser und ist dabei ein wenig kindlich nervös. Sein Vater war ein Automechaniker, sagt der Hobbykünstler, er hat einst Jura studiert, bis sich schlagartig sein Leben veränderte.

Mit Kunstausstellungen ein Stück Normalität im Leben von psychisch kranken Menschen

Einmal im Jahr stellen die Bewohner vom Haus Gartenberg ihre Werke aus, die im Rahmen der Kunsttherapie unter der Leitung von Daniela Müller-Jensen entstanden sind. Hans Goldbrunner, Leiter der Einrichtung erklärt: „Wir wollen mit so einer Aktion die Mitmenschen für die Lebensumstände unserer Bewohner sensibilisieren.“ Er und sein Betreuungsteam haben sich zur Aufgabe gemacht, eine Normalität in das Leben von psychisch kranken Menschen zu bringen und eine Akzeptanz für sie in der Gesellschaft zu erreichen. Mit dieser Ausstellung, die während der Vernissage am Dienstagnachmittag gut besucht war, ist es ihnen wieder ein Stück weit gelungen.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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