Kuriose olympische Disziplinen

Mit Tauziehen und Rugby zur Goldmedaille

Über 11.000 Vertreter der populärsten Sportarten kämpfen in Peking um Gold, Silber und Bronze. Das Programm wird ständig aktualisiert. Auch Tauziehen war schon olympisch.

Wer an die Olympischen Sommerspiele denkt, dem kommen in der Regel durchtrainierte Sportlerinnen und Sportler in den Sinn, die in Disziplinen wie 100 Meter Freistil-Schwimmen, Marathon, Stabhochsprung oder Tennis um Gold, Silber und Bronze kämpfen.

Bei den 29. Olympischen Sommerspielen der Neuzeit in der chinesischen Hauptstadt Peking sind 28 verschiedene Sportarten olympisch. Zu ihnen zählen im Einzelnen: Badminton, Baseball, Basketball, Bogenschießen, Boxen, Fechten, Fußball, Gewichtheben, Handball, Hockey, Judo, Kanusport, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf, Radsport, Reitsport, Ringen, Rudern, Schießen, Schwimmsport, Segeln, Softball, Teakwondo, Tennis, Triathlon, Turnen und Volleyball. Um das Programm künftig zu straffen, werden für die Olympischen Spiele 2012 in London Baseball und Softball aus dem Programm genommen. Auch die koreanische Kampfsportart Teakwondo ist ein Wackelkandidat.

Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit

Ein Los, das schon in der Vergangenheit mehrere Sportarten traf, wie ein Blick in die Geschichte der Olympischen Sommerspiele verdeutlicht. Dabei fällt auf, dass früher Disziplinen auf dem Programm standen, die heute wohl niemand mehr als olympisch einstufen würde. Dabei starteten die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen mit den heute noch populären Sportarten Fechten Gewichtheben, Leichtathletik, Radfahren, Ringen, Schießen, Schwimmen, Tennis und Turnen. Auch Ruderwettbewerbe waren vorgesehen. Diese wurden allerdings aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse kurzfristig abgesagt.

Eines hatten alle Disziplinen gemeinsam: Bei den Spielen in Athen traten ausschließlich Männer zu den einzelnen Wettkämpfen an. Frauen durften erst bei den zweiten Olympischen Spielen der Neuzeit starten. Und dies bei weitem nicht in allen Disziplinen, obwohl sich vier Jahre später in Paris Sportarten im Programm befanden, die heute niemand mehr bei Olympia vermuten würde. Es gab Medaillen im Golf, beim Ballonfahren und für die heute exotisch wirkenden Sportarten Pelota und Jeu de Paume.

Tauziehen war olympisch

Damen waren jedoch nur in den Disziplinen Golf und Tennis zugelassen. Auch in den folgenden Jahren experimentierten die Verantwortlichen bei der Gestaltung des sportlichen Programms munter weiter. 1912 in Stockholm wurde sogar beim Tauziehen um Gold, Silber und Bronze gekämpft. Bei den Olympischen Spielen 1920 in Antwerpen durften sich wiederum Vertreter der Sportarten Rugby und Polo messen. Doch auch wenn manche Sportarten wieder aus dem Programm gestrichen werden, lehrt die Geschichte eins. Hier ist nichts in Stein gemeißelt, denn so manche Disziplin, die zwischenzeitlich weichen musste, fand später den Weg ins olympische Programm zurück. Dies gilt zum Beispiel für Gewichtheben, das für einige Zeit aus dem Programm flog. Auch Polo und Rugby konnten bereits Comebacks feiern, ehe sie abermals von der Liste gestrichen wurde. Handball, Fußball, Tennis und Bogenschießen konnten sich nach zwischenzeitlichem Ausschluss ebenso wie Gewichtheben wieder fest etablieren.