
- Arbeitspferd - Sylvia K. Brehm
Unabhängig vom Wetter wird auf Klaus Strübers Hof Hollergraben im Naturpark Holsteinische Schweiz gemäht, gewendet und geschwadet. Denn beim Kurs „Heu machen“ geht es nicht darum, gutes Heu trocken einzufahren, sondern die traditionellen Geräte kennen zu lernen. Pferdearbeit in der Landwirtschaft kann Rohöl sparen und der Futterbau ist dabei etwas ganz besonderes, wenn er mit Pferden gemacht wird, Obwohl es heute auch moderne Technik für diese Zwecke gibt, beschreibt Biobauer und Pferdefan Klaus Strüber in seinen Pferdearbeitskursen ausschließlich die älteren Geräte. Sie sind preiswert zu bekommen und damit vor allem für Einsteiger und kleinere Betriebe interessant. Zum Lehrgangsinhalt gehört auch die Wartung und Pflege der Geräte, Wiesenpflege und Weidemanagement. Anfänger erhalten Hilfestellung beim Fahren, Profis können natürlich selbst lenken und das Wissen erweitern.
Schon im Winter Vorbereitungen für Heuwerbung treffen
Eine gute Heuwerbung will auch gut vorbereitet sein. Die beste Zeit, die Geräte durchzusehen, zu warten und zu reparieren, ist der Winter. Jetzt ist noch ausreichend Zeit Ersatzteile aufzutreiben und gegebenenfalls nötige Neuanschaffungen zu tätigen. Auch die Heuflächen müssen vorbereitet, also im Frühjahr geschleppt und gewalzt werden. Sofern sich Hindernisse, wie zum Beispiel Brunnendeckel, auf der Fläche befinden, sollten diese jetzt markiert werden, denn steht das Gras erst hoch, sieht man sie nicht mehr oder zu spät. Unmittelbar vor dem Schnitt ist es auch in der Pferdearbeit ganz wichtig, die Flächen auf Rehkitze abzusuchen, auf nasse Stellen oder Steine zu kontrollieren. Dass nur Pferde zum Einsatz kommen, die entsprechend eingearbeitet, zugsicher und nervenstark sind, sollte selbstverständlich sein. Heumaschinen sind groß und machen Lärm, unerfahrene Pferde neigen da schnell zum durchgehen. Unabdingbare Voraussetzung sind zudem gut passende Geschirre, bei denen für das Rückwärtsschieben und Aufhalten der Maschinen ein Hintergeschirr nötig ist. Und auch an Fliegenschutz in Form von Sprays und/oder Netzen sollte unbedingt gedacht sein. Rechtzeitig vor dem Mähen ist zu klären, ob genügend Helfer da sind.
Mähen mit Pferden hat ökologische Vorteile
Eine Fläche ist zuerst einmal ganz am Rand herum zu mähen, am Startpunkt sind die Pferde zu wenden, so dass sie links und rechts neben dem soeben gemähten Gras laufen. Hautnah erfahren die Teilnehmer, welche Schwierigkeiten beim Mähen dieser ersten sechs bis acht Spuren - dem so genannten Vorgewende - auftreten können, wie das Stopfen des Fingermähbalkens vermieden und wie die Maschine korrekt gewendet wird. Die restliche Fläche wird in „Beeten“ gemäht, was für Pferde und Fuhrmann wesentlich einfacher ist. Wie oft ein Messer nachgeschärft oder ersetzt werden muss, was beim Wenden und beim Schwaden zu beachten ist und wie wichtig die Beobachtung von Windrichtung, Mondstand, Wolkenbildern, Luftdruck und Wetterdiensten ist, um den richtigen Schnittzeitpunkt zu finden, sind weitere wichtige Erkenntnisse dieses Kurses.
Strüber klärt auch darüber auf, dass das schonende Mähen mit Pferden ökologische Vorteile hat, denn immerhin lässt der Grasmäher im Durchschnitt neun bis zehn von zehn Fröschen auf einer Wiese leben (der moderne Kreiselmäher nur einen) und das Gras wird sauber abgeschnitten, wodurch der nächste Aufwuchs, bedingt durch die geringere Verletzung der Gräser gegenüber dem Kreiselmäher, um bis zu 20 Prozent höher ist.
Pressen, Salzen, Reutern
Die nächste Herausforderung ist das Einfahren des fertigen Heus. Loses Heu von Hand auf den Wagen laden, geht am besten mit fünf Leuten. Vom Hektar sind bis zu zwanzig Wagen zu erwarten und der Stundenaufwand beläuft sich auf etwa dreißig Arbeitsstunden für einen Hektar. Mit der traktorgezogenen Hochdruckpresse benötigt man dagegen circa zwei Stunden pro Hektar und mit der Rundballenpresse noch weniger. Kurz beleuchtet Strüber auch die modernen, für den Pferdezug entwickelten Geräte, wie Hochdruckballenpresse, Ladewagen und Rundballentransporteur.
Er gibt zu bedenken, dass das Heu, wenn es noch nicht ganz trocken ist, nicht gepresst werden darf. Die Gefahr eines Brandes infolge feuchter, sich erhitzender Ballen ist sehr groß. Wenn Regen droht, bevor das Heu trocken ist, empfiehlt Strüber, es mit leichten Gaben von Viehsalz lose einzulagern. Auch die älteren, seltenen Niederdruckpressen könnten gut in Verbindung mit Salz eingesetzt werden. Eine andere Möglichkeit der Heutrocknung ist das Reutern, also das Aufhängen des Heus auf Dreibock- oder Schwedenreutern.
Pferde nicht überfordern
Ganz wichtig bei der modernern Pferdearbeit ist es, die Pferde nicht zu überfordern, betont Klaus Strüber. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich der Boden infolge jahrelanger Maschinenarbeit verändert und Humus abgebaut habe, sei es sinnvoll, mit einer Zugwaage zu messen, wieviel die Pferde ziehen müssen.
Aber nicht nur Heu machen mit Pferden kann man auf dem Hof Hollergraben bei Klaus Strüber lernen. Er bietet diverse Kurse zum Thema Arbeit mit Pferden im landwirtschaftlichen Bereich an. Diese Kurse richten sich jedoch nicht nur an Landwirte, sondern an alle Menschen, die gebannt vom Anblick arbeitender Pferde auf dem Land sind.
