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Kurze Einführung in den Hinduismus

Herkunft, Geschichte und Glaubensvorstellungen der Hindus

Hindu-Gottheit Ganesha  - Daniel Perry auf stock.xchng
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Christentum, Judentum oder Islam - darunter kann sich jeder was vorstellen. Was aber ist der Hinduismus? Wie entwickelte er sich? Was glauben Hindus?

Der Hinduismus gilt als die älteste der lebenden Religionen. Er ist ein Sammelsurium aus vielfältigen religiös-spirituellen Praktiken, Ritualen und Überlieferungen. Der Hinduismus ist einzigartig: nicht nur hinsichtlich seines unüberschaubaren, bunten Götterpantheons, seiner geheimnisvollen Gesänge, Rituale und exotischen Feste und seines schier unerschöpflichen Reichtums an spirituellen Lehren und Schriften, sondern auch bezüglich seines Ursprungs.

Viele Religionsstifter, viele Offenbarungen

Im Gegensatz zu den anderen großen Religionen der Gegenwart geht der Hinduismus nicht auf einen einzigen Religionsstifter, eine einzige Überlieferung oder heilige Schrift zurück. Tatsächlich gab es im Laufe seiner Geschichte mehrere herausragende Personen, die die Philosophie und Praxis des Hinduismus prägten. Manche davon gelten als geschichtlich gesichert, wie zum Beispiel Shankaracharya und Chaitanya. Andere wie Krishna oder Vyasa sind eher sagenumwobene halb-mythologische Gestalten. Und über Patanjali, den Autor der Yogasutras, ist nur wenig bekannt. Aufgrund der vielseitigen, diversen Philosophien und Praktiken innerhalb des Hinduismus wird er manchmal auch als eine Religionsfamilie anstelle einer einzigen Religion bezeichnet.

Hinduismus: Herkunft und Wortgeschichte

Der Ausdruck Hinduismus lässt sich auf den Fluss Indus (Sanskrit: Sindhu) zurückführen. Dies war der Name, den die damalige arische Bevölkerung des Industals dem dazugehörigen Flusse gegeben hatte. Allerdings waren Kultur und Religion des Hinduismus noch vielen anderen Einflüssen ausgesetzt. Da war vor allem die drawidische Urbevölkerung, auf die die einwandernden Arier gestoßen waren, aber auch Perser, Griechen, und, ab dem 8. Jahrhundert nach Christus, immer wieder muslimische Eroberer.

Somit ist der Begriff Hindu ursprünglich eine geographisch-kulturelle Bezeichnung, dessen genaue Definition aber weiterhin umstritten ist. So kann man den Hinduismus einerseits als älteste der zeitgenössischen Religionen bezeichnen, andererseits aber auch als in der heutigen Form relativ junge Religion, deren Wurzeln allerdings Jahrtausende weit zurückreichen.

Kurze Geschichte des Hinduismus

Die Wurzeln des Hinduismus liegen in der mindestens 3500 Jahre alten, wahrscheinlich aber deutlich älteren vedischen Periode. Ab etwa 500 vor Christus liegt die klassische Zeit des Hinduismus, in der viele bis heute bestehenden Glaubensvorstellungen, Schriften, Praktiken und Götterbilder entstanden. Ab dem 8. Jahrhundert nach Christus gab es einen zunehmenden islamischen Einfluss bis zu der beinahe völligen Beherrschung Indiens durch islamische Herrscher im 17. Jahrhundert. Seit dem 19. Jahrhundert begann die spirituell-soziale Erneuerungsbewegung des Neohinduismus, getragen insbesondere durch spirituelle Lehrer wie Ramakrishna Paramahamsa und, in jüngerer Zeit, von Mata Amritanandamayi Ma und Sri Sathya Sai Baba.

Die persönliche Beziehung zum Göttlichen

Der Hinduismus besitzt keine ausgeprägte religiöse Hierarchie und kein festes, dogmatisches Lehrgebäude. Tempel und Priester (Brahmanen) spielen keine zentrale Rolle - die persönliche Beziehung zu Gott ist auch ohne sie möglich. Es gibt zudem keine vorgegebene Gottesform. Jeder Gläubige kann selbst entscheiden, welchen Gottesaspekt er anbetet oder welche spirituellen Praktiken er ausüben will.

Die mystische Seite der Religion

Der Hinduismus hat eine deutliche mystische Ausrichtung. Spirituelle Praktiken wie Meditation, Yoga, Gebete und Mantren-Rezitation vor dem eigenen Hausaltar spielen eine große Rolle. Während Hindus im sozialen Leben wenig selbstbestimmt sind (Stichwort Kastenwesen, strenge Geschlechtertrennung, arrangierte Ehen) sind sie religiös sehr frei. In den westlichen Ländern mit seinen hierarchisch und dogmatisch aufgebauten christlichen Kirchen war es interessanterweise lange Zeit genau umgekehrt.

Martin Bohn, Martin Bohn

Martin Bohn - Als ausgebildeter Yogalehrer schreibe ich nebenher Artikel für verschiedene Yogazeitschriften in Deutsch und Englisch. Hauptberuflich ...

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