Kurze Geschichte der Ethologie

Das Verhalten der Tiere wird von einer zoologischen Disziplin erforscht, die sich Ethologie nennt.

Der Begriff Ethologie ist zum ersten Mail im 18. Jahrhundert nachweisbar. Er bezeichnete um 1760 die Lehre von den Lebensgewohnheiten der Tiere. Der Wortteil „Etho“ lässt sich auf das griechische „ethos“ zurückführen. Es bedeutet Gewohnheit oder Sitte. Das darf nicht verwechselt werden mit „e–thos“, was rechte Sitte heißt und sich in dem modernen Wort Ethik wiederfindet. (Das Altgriechische kennt das Epsilon als e und das Eta als e–). „Logie“ kommt von „logos“ (= Vernunft) und meint hier Lehre. Ethologie ist also die Lehre vom Verhalten der Tiere.

Frühe Schriften der Verhaltensforschung

Freiherr Ferdinand Adam von Pernau (1660 – 1731) veröffentlichte von 1702 bis 1716 mehrere Bücher. Darin beschrieb er das Verhalten von Vögeln im Sinne der modernen Ethologie. Der Hamburger Gymnasialprofessor für orientalische Sprachen Hermann Samuel Reimarus (1694 – 1768) verfasste eine Schrift über Instinkte, wie sie später von tierpsychologischen Forschern wieder aufgegriffen wurden.

Aber erst seit den evolutionstheoretischen Erkenntnissen von Charles Darwin (1809 – 1882) kann von einer Systematisierung der Ethologie die Rede sein. Seit Darwin nämlich begann das die Frage nach dem „Warum?“ eines Verhaltens interessant zu werden. Zugleich entbrannte der Streit, ob es erlernte oder angeborene Verhaltensweisen seien, die die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zeigten. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts reflexologische Auffassungen noch vorherrschten, ließen neu hinzukommende Erkenntnisse Zweifel aufkommen an der Ausschließlichkeit des Reflexdenkens.

Vom Ethogramm über die Instinktlehre zur vergleichenden Verhaltensforschung

Eine Vielzahl von beschreibenden Beobachtungen und Aufzeichnungen des Verhaltens von Tieren wurde erstellt. Solche sogenannten Ethogramme stammen zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor von Oskar Heinroth (1871 – 1945), Eugène Marias (1871 – 1936), Herbert Spencer Jennings (1868 – 1947) und Konrad Zacharias Lorenz (1903 – 1989). Zahlreiche Forschungsarbeiten wurden in der „Zeitschrift für Tierpsychologie“ veröffentlicht. Die erste Ausgabe erschien 1937. Dies kann als Geburtsstunde der modernen Ethologie gesehen werden.

Schon zwei Jahre später legte Konrad Lorenz auf der 41. Jahresversammlung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft vom 31. Juli bis zum 2. August 1939 einen Überblick und ein Programm für die zukünftige vergleichende Verhaltensforschung vor. 1950 erschien die erste größere und zusammenfassende Darstellung der Ethologie unter dem Titel Instinktlehre. Der Autor war der niederländische Lorenz-Schüler Nikolaas Tinbergen (1907 – 1988). Im Jahre 1967 erschien das bis heute wichtige Grundlagenwerk von Irenäus Eibl-Eibesfeldt „Grundriss der vergleichenden Verhaltensforschung“.

Ethologie wird zur Humanethologie

Die Ethologie im deutschsprachigen Raum wurde vor allem von K. Lorenz geprägt. Seine Schriften, die auch politische, gesellschaftswissenschaftliche und erkenntnistheoretische Bedeutung haben sind nicht unumstritten. Dennoch hat die Biologie des Verhaltens auch Auswirkungen auf die Sozialwissenschaften, wie beispielsweise die Pädagogik oder Erziehungswissenschaften.

Noch lebende Schüler von Konrad Lorenz wie Wolfgang Wickler und Irenäus Eibl-Eibesfeldt haben der Ethologie einen weiteren Zweig der biologischen Wissenschaften hinzugefügt: die Humanethologie. Sie erforscht die biologischen Grundlagen des menschlichen Verhaltens auf stammesgeschichtlicher Basis vor der Analyse soziologischer Handlungen.

Quellen:

  • Stresemann, Erwin (1962): Zweiter Beitrag zu einer Biographie des Freiherrn Ferdinand Adam von Pernau (1660–1731). Journal of Ornithology 103 (2), 250-254
  • Wickler, W. (1970): Antworten der Verhaltensforschung. München, 231 S.
Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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