
- Kutschenkorso um Burg-Gemünden - Sylvia K. Brehm
Zum dritten Mal haben Friedhelm Stöhr und seine Freunde zum Kutschentreffen nach Burg-Gemünden im hessischen Vogelsbergkreis eingeladen und wieder eine große Resonanz erzielt. 25 Zwei- und ein Einspänner starteten am Sportplatz unterhalb der Burg zu einer knapp zweistündigen Ausfahrt, die von Burg-Gemünden über Nieder-Gemünden Richtung Elpenrod und durch die Feldgemarkung wieder zurück zum Ausgangspunkt führte. Zaungäste und Zuschauer am Straßenrand applaudierten den vorbei ziehenden Kutschen, fotografierten und filmten. Bei der Einfahrt auf den Sportplatz wurden die Gespanne von den zahlreichen Besuchern mit Applaus begrüßt und einzeln vorgestellt.
Kaltblutpferde in ihrer ganzen Vielfalt
Vorwiegend Kaltblutpferde und hier in erster Linie die beliebten Rheinisch-Deutschen, aber auch Noriker, Schwarzwälder, Schleswiger, Belgier und Ardenner, sowie Warmblüter, Haflinger, Norweger und Welsh-Ponys waren angespannt. Nach einer kurzen Pause, in der sich Gelegenheit bot, dem einheimischen Sattler Wenzel Heinl bei der Anfertigung eines Kummets über die Schulter zu schauen, oder sich über landwirtschaftliche Geräte zu informieren, begann ein abwechslungsreiches, von Reinald Lückger (Münzenberg) fachkundig moderiertes Schauprogramm. Hierbei wurde für alle etwas geboten, vom Pas de Deux in iberischer Reitweise, über ein Tandemgespann, eine Friesenquadrille, Schaubilder mit historischem Hintergrund, bis hin zur von Hubert Dechert (Heblos) gefahrenen Ungarischen Post und Peter Niebauer (Mömbris) als Römer im Kampfwagen. Nicht fehlen durfte die Präsentation alter und neuer landwirtschaftlicher Geräte für den Pferdezug. Technik von gestern und heute kam dabei im direkten Vergleich zur Vorstellung. Da gab es einen alten Holzpflug, eine Sähmaschine, ein Mähwerk und auch einen modernen, in Amerika entwickelten, Hisko-Vorderwagen mit Gabelheuwender. Volker Schmelz (Freiensteinau) gab einen Einblick in die Forstarbeit mit Pferden. Unerschütterlich und voller Vertrauen folgten ihm seine beiden Stuten Penny und Annabell sogar durchs Feuer und liesen sich auch von einer direkt über ihrer Kruppe knatternden Motorsäge nicht aus der Ruhe bringen.
Beim Hindernisfahren zeigten sich die Kaltblüter von ihrer sportlichen Seite
Nach dem Schauprogramm bewiesen die Kutscher in einem Hindernisfahrwettbewerb ihr sportliches Können. 17 Zweispänner waren gegeneinander angetreten. Sie mussten im Verlaufe des Parcours nicht nur Hütchenhindernisse fehlerfrei passieren, sondern auch ein „Kleeblatt“ umrunden, eine Brücke überqueren und ein festes Geländehindernis durchfahren. Der als erstes, direkt nach einer heftigen Gewitterschauer startende Stefan Schwarz (Bad Endbach) legte mit seinen Norikern Franz und Sepp eine gute Zeit vor und rangierte am Ende mit einer Gesamtzeit von 2,40 Minuten gemeinsam mit Sabrina Schneider auf dem dritten Platz. Die 19jährige Wehrheimerin, die seit ihrem 13. Lebensjahr Kutsche fährt, und das auch vierspännig, zeigte mit ihren Rheinisch-Deutschen Kaltblütern Pepsi und Helmut eine sehr souverän gefahrene, schön anzuschauende Runde. Den ersten Platz sicherte sich Jürgen Martin (Reuters), der mit seinen wendigen Haflingern Hallodi und Nero nur 2,31 Minuten benötigte. Auf Platz zwei rangierte mit 2,36 Minuten der für seine schnellen Runden bekannte Lennestädter Uwe Hilleke mit seinen Rheinisch-Deutschen Stuten Alena und Helga.
Das von der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ) Landesverband Hessen unterstützte Kutschentreffen ist aus einer privaten Initiative von Friedhelm Stöhr und seinen Freunden hervorgegangen und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Sogar aus Westfalen und Bayern waren Teilnehmer angereist. Und auch die Zuschauer nahmen die Veranstaltung, zumal bei freiem Eintritt, wieder sehr gut an und liesen sich selbst von den zwischendurch niedergehenden, sehr heftigen Gewitterschauern nicht den Spaß verderben.
