Labyrinthfische

Aquaristische und biologische Pioniere

Makropodenmännchen unter Schaumnest - Gerhard Ott
Makropodenmännchen unter Schaumnest - Gerhard Ott
Labyrinthfische werden als eine Gruppe interessanter Fische fürs Süßwasseraquarium vorgestellt.

Unter den Labyrinthfischen gibt es viele bekannte Aquarienfische. Ihr Name hat nichts mit dem Orientierungsvermögen in Labyrinthen zu tun. Und sie leben auch nicht in Labyrinthen.

Labyrinthfische sind aquaristisch und biologisch Pioniere

Biologische Pioniere deshalb, weil sie im Laufe der Evolution Anpassungen entwickelt haben, um auch Lebensräume zu besiedeln, die für Fische eher lebensfeindlich erscheinen. Sie haben ein besonderes Organ im Kopf, welches ihnen ermöglicht, auch in sehr sauerstoffarmen Gewässern zu überleben. Dieses Organ wird aufgrund seiner äußeren Form Labyrinth genannt. Entwicklungsbiologisch hat es allerdings nichts mit dem Labyrinth des Innenohres, wie es bei allen Wirbeltieren zu finden ist, zu tun. Es dient auch nicht als Gleichgewichtsorgan. Die Labyrinthfische atmen damit Luft. Die meisten anderen Fische haben bekanntlich Kiemen als Atmungsorgane, mit denen sie den lebensnotwendigen Sauerstoff direkt aus dem Wasser aufnehmen. Labyrinthfische müssen an die Wasseroberfläche, um Luft zu schnappen. Im Labyrinthorgan wird der Luft dann – ähnlich wie in einer Lunge – der Sauerstoff entzogen.

Großflosser kamen aus dem fernen Indochina

Diese Fähigkeit macht Labyrinthfische eben auch in der Aquaristik zu Pionieren. 1869 transportierte ein französisches Kriegsschiff auf Veranlassung des Konsuls Simon im südöstlichen China die ersten lebenden Exemplare eines Labyrinthfisches nach Europa. Nur 22 von 100 überlebten die lange Seereise. Damals war der Fischimport technisch noch nicht so hoch entwickelt wie heute. 17 der exotischen Fische erhielt der Fischzüchter Pierre Carbonnier in Paris. Es handelt sich um den Labyrinthfisch mit dem wissenschaftlichen Namen Macropodus opercularis. Direkt übersetzt heißt das so viel wie "Großflosser mit einem besonderen Kiemendeckel", was sich auf den Augenfleck darauf bezog. Nur aufgrund der Besonderheit unter seinem „Kiemendeckel", eben dem Labyrinth als Atmungsorgan, konnte er die lange Reise und die damaligen Aquarienverhältnisse überleben.

Labyrinthfische sind eine vielgestaltige Fischgruppe

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Labyrinthfische erstreckt sich auf tropische und subtropische Zonen Asiens und Afrikas. Dort können sie in kleinsten Pfützen, Tümpeln, aber auch Bächen vorkommen. Zu den bekanntesten Labyrinthfischen zählen siamesische Kampffische (Betta splendens), Fadenfische (z.B. Trichogaster trichopterus) und Paradiesfische (Macropodus opercularis). Es gibt Labyrinthfische, die sich gut an verschiedene Lebensbedingungen anpassen können, andere wieder sind ausgesprochene Spezialisten und kommen nur in bestimmten Lebensräumen wie Torfsümpfen vor. Viele Labyrinthfische bauen Schaumnester für ihren Nachwuchs, andere sind Maulbrüter. Das Sozialverhalten vieler Labyrinthfische ist Gegenstand vieler Aquarienbeobachtungen und wissenschaftlicher Studien. Noch heute werden in entlegenen Gegenden Asiens neue Arten entdeckt. Die Erforschung der Labyrinthfische ergibt immer wieder Neues.

Labyrinthfische im Aquarium

Die Anpassungsfähigkeit einige Labyrinthfischarten darf nicht dahin gehend missverstanden werden, sie in der Obhut des Menschen im Aquarium pflegerisch zu vernachlässigen. Labyrinthfische brauchen ihnen zusagende Lebensbedingungen auch im Aquarium, um ihre volle Schönheit entfalten zu können. Makropoden oder Fadenfischen, die in manchen Händlerbecken ein trauriges Dasein fristen, ist nicht anzusehen, welche Juwelen unter den Aquarienfischen die Labyrinthfische darstellen. Informationen aus der Fachliteratur zeigen dem interessierten Aquarianer, wie er Labyrinthfische sachgerecht pflegen kann.

Organisationen für Labyrinthfische

Die Internationale Gemeinschaft für Labyrinthfische ist eine Vereinigung von Hobbyisten und Züchtern. Zweck der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische ist die intensive und spezielle Beschäftigung mit Labyrinthfischen und verwandten Gruppen sowie Förderung gemeinsamer Bestrebungen auf dem Gebiet der Labyrinthfische. Ziel der Gemeinschaft ist es, durch gemeinsame Tagungen, Einteilung der Gemeinschaft in Fachbereiche und durch Fachmitteilungen, die aquaristischen und wissenschaftlichen Kenntnisse zu vervollständigen. Die Gemeinschaft ist insbesondere auch bestrebt, durch Nachzuchten der vorhandenen Arten von Labyrinthfischen deren Erhaltung auf Dauer zu sichern und diese weiterzuverbreiten, um Naturentnahmen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Tierschutz-Ziel der IGL ist es, Fische artgerecht zu pflegen und zu züchten. Artenschutz und dazugehöriger Biotopschutz sind weitere Ziele. Diese werden direkt durch eigene Initiativen oder indirekt durch die Förderung von Projekten anderer Organisationen zu erreichen versucht.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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