„Humor macht gesund“ nannten die Forscher vom Institut für Psychologie an der Universität Leipzig ihr Projekt, das Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrerinnen und Lehrer für die gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener Humorstile sensibilisieren sollte. Mit insgesamt 16 Klassen an sieben Schulen arbeiteten sie zusammen. Sie führten eine Befragung mit Fragebögen durch, aber auch begleitende Workshops mit den Schülern und Lehrern.
Es gibt unterschiedliche Humorarten bei Lehrenden
Vorläufige Ergebnisse des Forschungsprojektes veröffentlichten sie anschließend in einer kurzen Zusammenfassung im Internet. Dabei unterschieden sie zwischen negativen und positiven Humorstilen. Während negative Stile andere und sich selbst abwerteten, erläuterten sie positive als auf andere Menschen bezogen und sich selbst aufwertend. Lehrende, so stellten sie fest, neigten, je länger sie im Beruf waren, eher zu sozial fragwürdigem Humor, Männer ließen häufiger sich selbst abwertenden Humor erkennen als Frauen. Zudem beschäftigten sie sich mit den Folgen des Lehrerhumors und stellten deutliche Zusammenhänge zwischen den Humorstilen der Lehrenden und dem Wohlbefinden der Schüler und Schülerinnen fest. Handelte es sich um einen sozialen, also freundlichen und wertschätzenden Humor, hatte dies meist positive Konsequenzen für die Schüler und Schülerinnen, war er jedoch selbstabwertend, erkannten die Forscher mehr Grübelei und Gereiztheit bei den Jugendlichen. Erstaunlicherweise galt diese nicht für aggressiven Humor. Auch hier konstatierten sie bei den Schülern weniger Gereiztheit und zudem weniger Schlafprobleme.
Humorstile der Jugendlichen
Jugendliche mit einer positiv humorvollen Sichtweise auf das Leben wandten Humor als Bewältigungsinstrument an und betrachteten unterschiedliche Situationen gelassener und damit gesünder. Zum einen stellten die Forscher fest, dass sich ein positiver Humor auch positiv auf das Klassenklima auswirkte, zum anderen konnten sie beobachten, dass er zumindest im kreativen Bereich die Lernleistung steigerte und das Wohlbefinden generell erhöhte. Mit anderen Worten, Mobbingprozesse waren seltener zu beobachten.
Und was folgt daraus?
Humor, so fasst Tabea Scheel, eine der Projektverantwortlichen, die wesentlichen Ergebnisse des Projektes zusammen, sei ein wesentlicher Bestandteil menschlicher Interaktion. Er beeinflusse unser Wohlbefinden, könne unser Lernen verbessern und selbst im Stress positiv stärken. Zudem würden positive Humorstile eindeutig überwiegen. Interessant, so hebt sie erneut hervor, sei es, dass ein aggressiver Humorstil der Lehrer zu weniger Mobbing bei Schülern beitrage. Die junge Forscherin führt dies darauf zurück, dass dieser Stil potentielle Täter wahrscheinlich abschrecke und Schüler ihre Lehrer als stark erlebten, als Menschen, die die "Lage" im Griff hätten.
Die Grundhaltung des Erziehers nach Bollnow
Schon der Pädagoge und Philosoph Otto Friedrich Bollnow wusste um die Bedeutung des Humors in der Erziehung. Neben der Heiterkeit und der Güte erschien auch ihm bereits Humor in der Erziehung unverzichtbar. Allerdings drückte er dies in seiner Sprache für heutige Leser eher betulich aus. So schrieb er von der „Gabe der leichten Hand“ und empfahl, der humorvolle Erzieher möge die „kleinen Kümmernisse des Kindes mit einer gewissen Leichtigkeit und Überlegenheit wahrnehmen“. Aber, so ergänzte er, damit sich eine positive Wirkung einstellen könne, solle der erzieherische Humor grundsätzlich von „… der Warmherzigkeit des Mitgefühls“ getragen werden. Während die Untersuchungen des Leipziger Psychologenteams einerseits als empirische Bestätigung dieser Überlegungen Bollnows gelesen werden können, offenbart die Erkenntnis vom aggressiven Lehrerhumor und seiner präventiven Bedeutung gegen Mobbingprozesse unter Schülern eventuell ein neues, vielleicht dem Zeitgeist geschuldetes Phänomen. Genau dieser Frage wollen die Leipziger Psychologen weiter nachgehen.
