
- Der beste Freund des Menschen - Melanie Bürkle
Ein Hund mit hochgezogenen Lefzen, seine Eckzähne zeigend und die Nase runzelnd – ein Bild, das vielen Menschen Angst einjagt. Doch ist der Hund überhaupt böse gestimmt? Lächelt er im Moment vielleicht nicht nur freundlich?
Hunde kopieren menschliches Verhalten
Seit über zwanzig Jahren forscht die Biologin Dr. Dorit Feddersen-Petersen an Hunden, Wölfen und Dingos. Dabei analysiert sie das Sozialverhalten der Tiere, ihre Gebärden und ihre Beziehung zum Menschen. Auf diese Weise kam die Fachtierärztin für Verhaltenskunde zu dem Ergebnis, dass Hunde menschliches Verhalten nachahmen. „Haushunde haben sich im Zusammenleben mit Menschen sehr verändert in ihrem Verhalten. Nun sind Hunde aufgefallen, die das Zähneentblößen in einem nicht aggressiven Sinnzusammenhang zeigen, das macht kein Wolf. Wölfe haben Spielgesichter, aber sie lächeln nicht, Hunde lächeln“, erklärt Dr. Feddersen-Petersen.
Dr. Feddersen-Petersen: Hunde können lachen
Das Lachen des Hundes ähnelt stark dem Lachen der Menschen. Der Mensch zeigt beim Lachen seine Zähne, ebenso macht es auch der Hund. Um dies herauszufinden analysierte die Hundeexpertin gemeinsam mit einer Kollegin die Mimik von Hunden und in einer groß angelegten Studie etliche Privatvideos von Hundehaltern. Die Wissenschaftlerinnen werteten hunderte von Fotos und Videos von Hundebesitzern aus, die ebenfalls der Überzeugung sind, dass ihr Vierbeiner lächeln kann. Dabei achtete Dr. Feddersen-Petersen hauptsächlich auf die Kieferhaltung und die Oberlippenbewegung der Hunde. Denn typisch für dieses Lächeln ist das hoch frequente, aufeinander folgende Zähnezeigen. „Das heißt, es wird mehrfach hintereinander das Zähnezeigen ausgeführt, die Zähne werden gezeigt, entspannter Ausdruck, sie werden gezeigt, entspannter Ausdruck. Das ist ganz kennzeichnend für das Lächeln“, erklärt die Expertin.
Zähnefletschen oder Lachen? Wo ist der Unterschied?
Das angebliche Lächeln eines fröhlichen Hundes sieht dem Zähnefletschen eines wütenden Hundes sehr ähnlich. So landeten auch etliche Bilder wütender Hunde auf dem Schreibtisch der Fachtierärztin. Doch Dr. Feddersen-Petersen kann den Unterschied zwischen Wut und Freude klar unterscheiden: „Beim Drohausdruck ist ein Drohfixieren dabei, es ist eine große Anspannung im Gesamtausdruck, auch mimisch festzustellen. Nehmen wir die Augen, diese weißen auf ein Drohfixieren hin. Das Gegenüber wird fixiert, es wird sozusagen festgenagelt und die Botschaft mit dem Zähneblecken ist: Keinen Schritt weiter!“ Beim Lachen findet dieses Fixieren hingegen nicht stand. Der Hundekörper zeigt sich entspannt. Zudem wedelt der Hund mit dem Schwanz.
Dalmatiner lachen am Häufigsten
Die Wissenschaftlerin stellte bei ihren Auswertungen zudem fest, dass einige Hunderassen häufiger lachen als andere. Besonders auffallend waren dabei die Dalmatiner. Den Analysen von Dr. Dorit Feddersen-Petersen zu Folge lächelt diese Rasse am häufigsten. Aber auch Großpudel scheinen den Videoaufzeichnungen ihrer Herrchen und Frauchen zufolge sonnige Gemüter zu sein. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad ihrer Untersuchung, bekommt die Hundeexpertin immer neue lachende Hunde zugesandt. Terrier, verschiedene Jagdhunderassen und ein belgischer Schäferhund beispielsweise. „Es wird eigentlich immer mehr. Ein deutscher Schäferhund war bisher noch nicht dabei“, ergänzt Dr. Feddersen-Petersen. Warum aber eine Rasse eher lächelt als die andere – diese Frage will die Hundeexpertin in den nächsten Monaten noch genauer bearbeiten.
Ihr Forschungsprojekt „Können Hunde lächeln?“ ist folglich noch nicht vollständig abgeschlossen und die Wissenschaftlerin wird sich auch in Zukunft mit Fotos und Videoaufnahmen von lachenden Haushunden beschäftigen um ihre bisherigen Ergebnisse zu stützen
