
- Nils Owe Krack und Uta Stammer - Ohnsorg Theater
Am 9. Oktober 2011 öffnete sich im Ohnsorg Theater der Vorhang für die "Ladykillers". Vielen aus der 50er Jahre-Verfilmung mit Alec Guiness bekannt. Frank Grupe hat nun die Bühnenfassung inszeniert.
Traumhaftes Bühnenbild - mal wieder
Katrin Reimers zeichnet für ein excellentes Bühnenbild verantwortlich und nutzt die noch so neue Bühne des Biberhauses voll und ganz aus. Speiselift, Dachluke, und große Treppe - alles da, was es zu diesem Stück braucht. Was Bühnenbilder betrifft, da macht man dem Ohnsorg Theater eben nicht so leicht etwas vor.
Die Handlung ist hinlänglich bekannt. Alte Dame will Zimmer vermieten, ein vermeintlicher Professor nimmt es. Allerdings plant er mit seinen drei Kumpanen einen Raubüberfall. Zwecks Tarnung geben sie vor Hobbymusiker zu sein.
Bearbeitung von Axel Schneider nicht gelungen
Das Stück wurde nach William Rose von Maria Calaeita und Elke Körver geschrieben. Der Hamburger Intendant Axel Schneider hat das Ergebnis nun mit seiner Bearbeitung verschlimmbessert und jegliche Spannung aus dem Stück herausgenommen. Die Musik gleich zu Beginn ist viel zu Laut. Die ersten Damen und Herren müssen ihre Hörgeräte regulieren. Dafür sind die Schauspieler stellenweise zu leise und erreichen die Zuschauer im Rang nicht. Markus Gillich als Wachtmeister Thomas hat nur sehr kleine Auftritte, das ist auch ganz gut so, denn besonders sehenswert sind diese nicht. Sicherlich, im ersten Akt gibt es einen Gesangsauftritt, den er zwar sehr gut meistert, der aber komplett unnötig ist und mit dem Stück absolut nichts zu tun hat.
Eine dominante ältere Dame
Doch Markus Gillich ist nicht der einzige, der enttäuscht. Das gesamte Ensemble spielt deutlich unter seinen schauspielerischen Möglichkeiten. Uta Stammer als Margarete Willekow ist eine äußerst toughe kleine Dame, die sich zwar laut Text sehr freut nun endlich ihr Zimmer zu vermieten, und dann noch an Musiker, ihre Freude darüber kann sie allerdings sehr gut verbergen. Ihren geliebtem Papagei Mr. Gordon verhängt sie auch am Tage den Käfig, eine Erklärung gibt es dafür ebenfalls nicht. Den Charme einer liebenswerten alten und gleichsam nervtötenden Dame schafft sie nicht aufzubringen.
Schwach gezeichnete Charaktere
Kommen wir zu den legendären vier Verbrechern. Regisseur Frank Grupe arbeitet die an sich so unterschiedlichen Charaktere dieser Gang nicht deutlich aus. Es reicht eben nicht, wenn Robert Eder alias Herr Lendken, dem einzig wahren Bösewicht, hin und wieder sein Messer zückt. Da könnte man schon weit aus mehr draus machen. Nils Owe Krack als Professor Markus erreicht die Verschlagenheit und Souveränität eines Alec Guinnes ebenfalls nicht im Geringsten. Bis zur Pause konmmt der Theaterabend dann auch recht müde und schleppend daher. Das ändert sich etwas im zweiten Teil. Denn dann wird es albern.
Alberner zweiter Teil
Margarete Willekow entdeckt, wen sie da eigentlich beherbergt und verlangt, dass das Quartett seine Beute zur Polizei zurückbringt. Diese hängen aber am Geld, wie das sprichwörtliche Schwein am Leben, und denken natürlich gar nicht daran, viel eher an einen Mord. Warum es niemand über das Herz bringt, die alte Dame zu töten wird, wie so vieles in dieser Inszenierung, nicht deutlich ausgearbeitet. Vor den Mordplänen wird aber noch mit den Freundinnen der alten Dame getanzt bis sie endlich müde werden und sich auf den Heimweg machen. Kurz bevor man denkt, gleich ist es geschafft, kommen diese aber zurück und halten nach etwaigen Verbrechern Ausschau. Es kommt zu einer Art Versteckspiel, welches zwar albern ist, aber wenigstens etwas Schwung in den tristen Abend bringt.
"Ladykillers" wird noch bis zum 18. November 2011 im Ohnsorg Theater gespielt.
