Schloss Landestrost, das zu den Bauten der Weserrenaissance gerechnet wird, entstand zwischen 1573 und 84 in Neustadt am Rübenberge bei Hannover. Schloss und die Stadt waren eine Festung. Diese ließ Herzog Erich II. zu Braunschweig-Calenberg anlegen und gab 1574 der Stadt Neustadt den Namen Landestrost. Nach seinem Tode 1584 wurde dies rückgängig gemacht und der Name Landestrost lebt nur in Schloss und Festung weiter.

Die Bauten

Neustadt eignete sich dank seiner Lage im Flachland besonders gut zur Anlage einer neuitalienischen Festung im Fürstentum Calenberg. Landestrost gehörte zu den besonders gut befestigten Anlagen ihrer Zeit.

Das Renaissanceschloss wurde in die Festung integriert. Schloss und Stadt waren mit Wällen und Gräben sowie mehreren Bastionen umgeben. Der von Mauern gestützte Wall war 1.800 Meter lang. Die Mauern erreichten eine Höhe von 9 Metern und waren bis zu 2,3 Meter stark. Vorbilder waren Befestigungen in Italien und den Niederlanden, die Herzog Erich II. während seiner Dienste im spanisch-niederländischen Krieg kennen lernte.

Ursprünglich sollte eine vierflügelige Schlossanlage entstehen. Aber nur der Nord- und der Ostflügel wurden neu gebaut. Als Südflügel wurde ein Bau der schon bestehenden Burg genutzt. Die Bruchsteine stammen von den etwa 25 Kilometer südlich gelegenen Höhen des Stemmer Berges und des Gehrdener Berges. Der Sandstein wurde im Deister gebrochen. Die roten Backsteine stammen aus einer Ziegelei aus dem nahen Wunstorf.

Die Fassade aus Ziegelmauerwerk ist im Stil der Renaissance gehalten. Friese und Gesimsen aus Sandstein gliedern sie. Reich verziert sind die Portale aus Sandstein. Treppentürme dienen dem Zugang zu den einzelnen Geschossen. Die Gewölbekeller sind mit den Kasematten der Festungsanlage verbunden.

Im Bereich des Schlosses sind von der Festungsanlage nur noch die Südbastion und eine etwa 100 Meter lange Kasematte erhalten. Reste der Erichsbastion im Norden der Stadt wurden teilweise ausgegraben.

Zur Geschichte von Schloss und Festung

Das befestigte Schloss entstand in dem flachen Land auf einer natürlichen Erhebung, dem Rouvenberg, nahe der Leine. Es wurde auf den Grundmauern der 1493 als „castrum Rouenberg“ erstmals erwähnten Burg errichtet. Ein Brand 1563 zerstörte diese Burg weitgehend.

Der Bau des späteren des befestigten Schlosses diente der Repräsentation seines Erbauers Herzog Erich II. Dazu konnten hier Handelswege und die Schifffahrt auf der Leine kontrolliert werden. Doch diese Residenz im Norden seines Herrschaftsgebietes nutzte er kaum. Denn er war als Soldat in ganz Europa unterwegs. Und seit 1555 war Hann. Münden seine Residenz.

Der Herzog starb noch vor Vollendung des Schlosses 1584 in Italien. Er hinterließ keine legitimen Erben. Sein Herzogtum wurde dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zugeschlagen. Sein Neffe Herzog Julius ließ die kostspieligen Bauarbeiten abschließen.

Während des Dreißigjährigen Krieges waren das Schloss und Stadt von 1626 bis 1635 von den Truppen Tillys besetzt. Dann eroberte Herzog Georg von Calenberg die Festung. Die war bis 1636 Residenz für die Herzöge von Lüneburg.

Ab 1636 war das Schloss der Sitz des Amtmannes des Amtes Neustadt am Rübenberge. Der legte auf dem Festungsplateau einen Obst- und Gemüsegarten an. Daher heißt das Gelände bis heute „Amtsgarten".

Im 20. Jahrhundert wurden grundlegende Renovierungsarbeiten am Schloss durchgeführt. Sehr viele Bauteile aus Holz mussten erneuert werden. Bei den Arbeiten wurden auch die Fundamente der Vorgängerburg unter dem Schloss frei gelegt. Der Brunnen im Hof wurde gefunden und restauriert. Ab 1973 wurde das Festungsplateau mit dem historischem Wegenetz zu einem öffentlichen Park umgestaltet.

Schloss Landestrost heute

Der Eigentümer der Schlossanlage ist die „Stiftung Kulturregion Hannover". In den Kellergewölben betreibt die Sektkellerei Duprès-Kollmeyer seit 1888 die Flaschengärung.

Im Anbau von 1958 sind heute die Stadtbibliothek und das Amtsgericht untergebracht. Einen Flügel nutzt das Archiv der Region Hannover und präsentiert eine Ausstellung zur Geschichte des Schlosses, der Festung und der Stadt Neustadt.

Das Torfmuseum im Schloss beschäftigt sich mit den Moorlandschaften westlich von Neustadt am Steinhuder Meer und dem dort betriebenen großflächigem Abbau von Torf.

Mehr über Schloss Landestrost

  • Veronica Albrink: „Große Pracht führen über Vermögen …“. Die Bauten und die Finanzen Erichs des Jüngeren von Braunschweig-Calenberg (1546-1584); in: Der Weserraum zwischen 1500 und 1650. Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur in der frühen Neuzeit, hrsg. vom Institut für Architektur-, Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland beim Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, Marburg 1993, ISBN 3-89445-138-6

Quellen

  1. Gymnasium Neustadt am Rübenberge
  2. Kulturregion Hannover: Schloss Landestrost
  3. Stadt Neustadt am Rübenberge
  4. Sektkellerei Duprès-Kollmeyer