Landkreis Main-Spessart gründet "Lokales Bündnis für Familien"

Kreisjugendpfleger B.  Metz / Landrat T. Schiebel - Heike Huber
Kreisjugendpfleger B. Metz / Landrat T. Schiebel - Heike Huber
Mehr Familienfreundlichkeit will der Landkreis Main-Spessart auf den Weg bringen. Dabei stehen ihm schon jetzt starke Bündnispartner zur Seite.

Mit der Unterzeichnung der Deklaration wurde am Mittwoch, den 28. September 2011 der Grundstein für ein weiteres "Lokales Bündnis für Familien" gelegt. Damit gibt es bundesweit insgesamt 660 Lokale Bündnisse, 90 davon auf Landkreisebene.

Erste Initiative durch den "Arbeitskreis Familie"

Der im Landratsamt ansässige "Arbeitskreis Familie" hatte das Konzept des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aufgegriffen, nachdem der Bedarf an mehr Familienfreundlichkeit sich immer deutlicher abgezeichnet hatte. War es früher praktisch eine Selbstverständlichkeit, irgendwann eine Familie zu gründen, so ist der Trend junger Menschen hin zu einem Leben ohne Kinder nicht mehr zu übersehen. Frauen sind heute deutlich stärker in den beruflichen Alltag integriert und beruflicher Erfolg ist ein Paradigma geworden, das Lebenskonzepte stark beeinflusst.

Vorstellung von Aufbau und Zielen Lokaler Bündnisse

Mit Stefan Fuchs, Mitarbeiter der Bundesserviceagentur für Lokale Bündnisse in Berlin, war ein Fachmann vor Ort, um die künftigen Bündnisgründer mit Informationen zu Strukturen, Zielen und Arbeitsweise Lokaler Bündnisse zu versorgen. Konkrete Beispiele aus der Arbeit anderer Bündnisse gaben Motivation und einen Ausblick auf mögliche Erfolge, die eine gute Vernetzung hervorbringen kann. Auch bot er Unterstützung durch die Bundesserviceagentur zu jeder Zeit an.

Markus Seibel, Regionalmanager der Initiative Bayerischer Untermain, brachte Praxisbeispiele, wie sich die Initiative über 15 Jahre von dem Ziel der Wirtschaftsförderung bis zum Einbezug des Themas Familienfreundlichkeit verändert habe. Als Beispiele der Arbeit nannte er die Erstellung eines Familienwegweisers, einer gedruckten Sammlung aller relevanten Adressen und die Ausschreibung eines Unternehmerwettbewerbs, der familienfreundliche Arbeitsbedingungen und Initiativen seitens der Wirtschaft honoriere.

Grußworte zeigten Interesse seitens Verbänden, Institutionen und der Wirtschaft

Mit rund 60 Teilnehmern war die Veranstaltung im Sitzungssaal des Landratsamts gut besucht. Deutlich erkennbar war der Wunsch nach einer starken Vernetzung auch in den Grußworten, die aus den unterschiedlichen Bereichen zur Bündnisgründung gesprochen wurden.

Warema bietet Ferienbetreuung für Kinder der Mitarbeiter

Dr. Thomas Klein von dem Marktheidenfelder Unternehmen Warema berichtete von internen Initiativen zur Ferienbetreuung der Kinder von Mitarbeitern, die rege angenommen worden waren und sogar Anerkennung in einer Preisverleihung fanden. Dabei sei es für ihn verwunderlich gewesen, für ein solches Engagement prämiert zu werden, das beispielsweise in skandinavischen Ländern selbstverständlich sei. "Sicher", so Klein, "habe sich schon viel getan", doch um Familienfreundlichkeit voranzubringen ist noch viel mehr zu leisten. Auch käme man nicht umhin, sich die Familienfreundlichkeit etwas kosten zu lassen, wenn sie nachhaltig betrieben werden soll.

Stadt Karlstadt plant mehr Öffentlichkeitsarbeit

Mit dem Karlstadter Bürgermeister Dr. Paul Kruck trat ein Redner ans Pult, der bereits einige Schritte seit der Bündnisgründung in seiner Stadt gegangen ist. Karlstadt hatte vor einem knappen Jahr das Konzept auf kommunaler Ebene in Angriff genommen. Mit dem Wandel der vorschulischen Einrichtungen von Kindergärten zu Kindertagesstätten für Kinder ab dem ersten Lebensjahr, einer Mittagsbetreuung an allen Schulen und einem Betreuungsangebot während aller Schulferien habe Karlstadt schon eine Menge zu bieten. Woran noch zu arbeiten wäre sei die Öffentlichkeitsarbeit und eine noch stärkere Vernetzung aller Beteiligten.

Bosch-Rexroth zum Zusammenhang von Fachkräftemangel und Familienfreundlichkeit

Der Vertreter des größten Arbeitgebers im Landkreis Main-Spessart, Michael Prechtl von Bosch-Rexroth aus Lohr, betonte, dass das Unternehmen mit vollem Herzen hinter dem Lokalen Bündnis stehe. Täglich erhalte er Anfragen, in denen sich der Bedarf an Familienfreundlichkeit widerspiegele. Ein krankes Kind zu Hause, ein pflegebedürftiger Angehöriger und zunehmend auch die Bereitschaft von Väter, in Elternzeit zu gehen wurden als Beispiele aufgeführt. Durch kulturelle Veränderungen und den demographischen Wandel sei eine neue Situation eingetreten und Unternehmen müssten die Notwendigkeit der Familienfreundlichkeit für sich erkennen. Denn im Zusammenhang mit zunehmendem Fachkräftemangel sei es auch aus wirtschaftlicher Sicht für Unternehmen wichtig, familienfreundliche Strukturen mit aufzubauen, damit Mitarbeiter gerne in der Region des Firmensitzes leben.

Einzelhandel ist stark mit Familien vernetzt

Burkhard Heimbach vom Kreiseinzelhandelsverband sprach von der Bedeutung des Einzelhandels für die Familien und zugleich der Wichtigkeit der Familien für den Einzelhandel. Sowohl als Kunde als auch als Mitarbeiter sind sie in die Strukturen des Handels eingebunden. Dabei gelte das Augenmerk des Einzelhandels zum einen der Kundenfreundlichkeit, die sich an der Einrichtung von Spielecken, Wickelräumen und der Barrierefreiheit festmache, sowie der Nahversorgung. Es dürfe nicht soweit kommen, dass der Einzelhandel aus kleineren Ortschaften oder Stadtteilen völlig verdrängt werde. Gut erreichbare und vielfältige Einkaufsmöglichkeiten gehören als Standortfaktor in jedem Fall zur Familienfreundlichkeit dazu.

Stadt Arnstein fokussiert familienfreundliches Lebensumfeld

Harald Linxen, Bündnispartner aus Arnstein, lieferte einen kurzen Erfahrungsbericht des Lokalen Bündnisses für Familien in Arnstein. Vernetzung, Informationsangebote und ein familienfreundliches Lebensumfeld stünden dort seit genau einem Jahr durch das Bündnis explizit auf der Agenda.

Caritas hat lange Tradition in der Arbeit für Familienfreundlichkeit

Mit Andreas Riegel, dem Geschäftsführer des Kreis-Caritasverbands Main-Spessart, ergriff ein Vertreter der Bündnispartner aus dem christlichen Bereich das Wort. Seit vielen Jahrzehnten sei Familienfreundlichkeit in Form von Familienseelsorgern, Beratungseinrichtungen und im großen Stil vor allem in der Betreuung von Kindern aktiv umgesetzt worden.

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten thematisiert Ernährung und Bewegung

Katharina Graf als Vertreterin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wandte sich an die Interessierten mit den familienrelevanten Themen Ernährung und Bewegung. Als Ansprechpartner, Förderer und Umsetzer von Projekten sei das Amt gerne als Bündnispartner mit im Boot.

Heike Huber, Foto: A. Feitsch Fotographie

Heike Huber - Heike Huber Autorin, Texterin und Inhaberin einer Agentur für Texterstellung und Texthandel.

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