
- Noch solo: das Fortuna-Portal - Harald Rossa
In der historischen Mitte der Stadt Potsdam wurde in den vergangenen Jahren Platz geschaffen. Platz für ein neues Gebäude für den Landtag von Brandenburg. Platz an historischer Stelle. Hier stand das Potsdamer Stadtschloss, in dem viele Könige Preußens gern residierten. Die Kubatur dieses Stadtschlosses nimmt der Landtagsneubau auf. Und seine Fassade wird nach dem Vorbild des Schlosses gestaltet.
Am 16. Februar 2011 wurde hier feierlich mit dem Landtagspräsidenten Gunter Fritsch der Grundstein für den Neubau gesetzt. Ministerpräsident Matthias Platzeck und Finanzminister Helmuth Markov, Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs und der Vorstandschef des Bauunternehmens BAM Deutschland, Alexander Naujoks, sprachen bei der Grundsteinlegung. Der Spender Hasso Plattner und der Architekt Peter Kulka kamen auf die Baustelle. Dazu erschien das halbe Kabinett des Landes Brandenburg: die Ministerin für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Anita Tack, Arbeitsminister Günter Baaske, Justizminister Volkmar Schöneburg, der Chef der Staatskanzlei, Staatssekretär Albrecht Gerber, Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski und Justizstaatssekretärin Sabine Stachwitz hatten sich ebenfalls zu der Feierstunde angesagt.
Ein Jahr zuvor begannen die Arbeiten mit dem ersten Spatenstich am 25. März 2010.
Die lange Geschichte des Neubaus für den Landtag
Der Neubau für den Landtag Brandenburg drohte eine unendliche Geschichte zu werden. Die Geschichte dieses Parlaments umfasst inzwischen mehr als 20 Jahre. Zunächst tagte es 1990 in der Heinrich-Mann-Allee 107. Dann zog es 1991 in die ehemalige Kriegsschule auf dem Brauhausberg. Die eigentlich dringende Sanierung des ehrwürdigen Baus unterblieb. Ein Neubau für ein gemeinsames Parlament für Berlin und Brandenburg sollte auf einem Grundstück in der Speicherstadt an der Havel entstehen. Doch die Fusion der Länder kam nicht zustande.
Eine Phase mit heftigen Diskussionen, unterschiedlichsten Vorstellungen und Anträgen und Beschlussfassungen folgte. Am Ende fasste der Landtag am 20. Mai 2005 einen Grundsatzbeschluss für einen Neubau auf dem Alten Markt in Potsdam.
Dem folgte eine Phase weiterer heftiger Auseinandersetzungen. Forderungen nach einem kompletten Wiederaufbau des Stadtschlosses gab es ebenso wie die Forderung nach einem funktionalen Neubau für den Landtag. Schließlich wurde durch eine Millionenspende des SAP-Gründers Hasso Plattner die Wiederherstellung der historischen Fassade möglich. Als zweiter Großspender ermöglichte der TV-Moderator Günther Jauch den Aufbau des Fortuna-Portals des Schlosses.
Das neue Bauwerk
Nach langem Ringen wurde ein Kompromiss gefunden. Dem Landtag konnten mit Rücksicht auf die historische Fassade nicht alle Raumwünsche erfüllt werden. Die Stadt Potsdam erhält dafür einen Bau, der das ehemalige Stadtschloss würdig vertreten kann - und damit nach Meinung der Befürworter dieses Baus in dieser Form ihre historische Mitte zurück. Denn es gibt auch weiterhin deutliche Kritik an diesem Vorhaben, die sich auch bei der Grundsteinlegung artikulierte.
Es entsteht ein modernes Bauwerk mit 19.000 Quadratmetern Nutzfläche in einem historischen Gewand. Dies schuf um 1745 Wenzeslaus von Knobelsdorff für Friedrich II. Die Neuschöpfung erfolgt material- und werkgerecht nach dem Vorbild. Vorhandene Teile der historischen Fassaden werden wiederverwendet. Ein Muster der Schlossfassade ist bereits beim Marstall zur Ansicht aufgebaut.
Das Schloss für den Landtag von Brandenburg wird von der BAM Deutschland AG in öffentlich-privater Partnerschaft errichtet. Das Land mietet das Gebäude über 30 Jahre. Vor der Grundsteinlegung wurde schon mal darauf aufmerksam gemacht, dass der einst gesetzte Kostenrahmen von 120 Millionen Euro wohl nicht zu halten ist. Finanzminister Helmuth Markov erwartet bereits Mehrkosten von rund 15 Millionen Euro.
