Winfried Kretschmann heißt der Mann, der wohl als erster Grüner Ministerpräsident in einem deutschen Bundesland werden wird. Für Stefan Mappus bedeutet das, dass er der erste Ministerpräsident von Baden-Württemberg ist, der abgewählt wurde. Beides zeichnete sich schon in den ersten Hochrechnungen ab: Grün-Rot lag von Anfang an vorne, das baden-württembergische Wahlsystem bevorzugt jedoch bei der Sitzverteilung die größte Partei, weswegen Grüne und Rote noch eine Weile bangen mussten, denn wenn es für sie ganz dumm gelaufen wäre, hätte es für Schwarz-Gelb dank einiger Überhangmandate für die CDU dennoch reichen können. Ganz dumm lief es für die beiden Parteien am Sonntag, 27. März 2011, aber nicht und so steht im Südweststaat nun ein Regierungswechsel an.

Grün vor Rot

66,2 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten sich an der Wahl und sie sorgten für das folgende vorläufige amtliche Ergebnis: 39 Prozent für die CDU, 24,2 Prozent für die Grünen, 23,1 Prozent für die SPD, 5,3 Prozent für die FDP, 2,8 Prozent für die Linke und 5,6 Prozent für die übrigen Parteien. Um drei Prozent liegt Grün-Rot also vor Schwarz-Gelb, ausschlaggebend dafür, wer die Regierung stellt, ist jedoch die Sitzverteilung. Wegen des baden-württembergischen Wahlsystems, das in der Regel zu Überhangmandaten für die CDU führt, mussten die Grünen und die SPD noch ein wenig bangen, ob es nicht doch noch für Schwarz-Gelb reicht. Letztlich reichte es aber nicht: Die CDU bekommt im neuen Landtag 60 Sitze, die SPD 7, die Grünen erhalten 36 und die SPD 35 Sitze. Da die Grünen knapp vor der SPD liegen, spricht also alles dafür, dass Winfried Kretschmann Ministerpräsident werden wird.

Wertkonservativer Grüner ersetzt wertkonservativen Schwarzen

Der am 17. Mai 1948 in Spaichingen geborene und in Sigmaringen wohnhafte Winfried Kretschmann, eigentlich Gymnasiallehrer von Beruf und während seines Studiums Mitglied der Hochschulgruppe des Kommunistischen Bundes Westdeutschland, gehörte 1979 zu den Mitbegründern der Grünen in Baden-Württemberg, ist also ein Urgrüner. Konservative Schwaben können sich dennoch einigermaßen beruhigen: Gelten schon die Ländlesgrünen im Allgemeinen als relativ bodenständig, so trifft das auf Winfried Kretschmann im Besonderen erst recht zu, ihm eilt der Ruf voraus, ein Wertkonservativer zu sein und praktizierender Katholik ist er auch. Nun startet der 62-jährige eine neue Karriere, während die Karriere des 18 Jahre jüngeren Stefan Mappus, der schon mit 17 in die CDU eintrat, erst einmal zu Ende ist. Dabei hatte er das Amt des Ministerpräsidenten erst im Februar 2010 von Günter Oettinger übernommen.

Die Atomkatastrophe in Japan entscheidet die Wahl

Zum Verhängnis wurde Mappus die Atomkraft, denn es war Japan und nicht Stuttgart 21, das die Wahl entschied. Trotz der Aufregung um den Bahnhof im vergangenen Sommer und Herbst, hatten sich die braven Schwaben mittlerweile großteils in das Bahnhofsschicksal gefügt und, nach einem Einbruch bei den Umfragen im vergangenen Jahr, sah es für Schwarz-Gelb wieder ganz gut aus. Dann aber führten das Erdbeben und der Tsunami in Japan zur Atomkatastrophe von Fukushima und viele Bürger, die bislang nicht grün wählten, kamen nun offenbar zu dem Entschluss, dass der von Schwarz-Gelb rückgängig gemachte Atomkonsens ein Fehler war. Die Beschwichtigungsversuche halfen nichts mehr, das Moratorium galt schon als taktische Wahlkampfentscheidung, noch bevor Rainer Brüderles Aussage öffentlich wurde und so profitierten die Grünen als jene Partei, die sich schon immer gegen die Kernkraft wandte. Dafür spricht auch, dass die Partei bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis erzielte.

Schlechtestes Ergebnis für die SPD

Nun steht Winfried Kretschmann also vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten, denn für Schwarz-Gelb gibt es keine Mehrheit mehr, Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot wollen nicht so recht zusammenpassen, Grün und Rot dagegen, machten im Wahlkampf stets deutlich, dass sie es gerne miteinander versuchen würden. Erstmals jedoch wird, so wie es aussieht, in einer solchen Regierungskonstellation, die SPD nur Juniorpartner sein. Während die CDU mehr als fünf Prozent verlor und die FDP ihr Ergebnis halbierte, kam es für die SPD zwar nicht ganz so schlimm, aber gegenüber 2006 verlor sie noch einmal 2,1 Prozent und erzielte das schlechteste Wahlergebnis bei einer Landtagswahl im Südweststaat. Grund, dennoch in die Fernsehkameras zu strahlen, hatte Spitzenkandidat Nils Schmid lediglich, weil die SPD dennoch mitregieren darf, weil Schwarz-Gelb abgelöst wurde und weil die Linke nicht ins Parlament einzieht.

Neben den Linken scheiterten 14 weitere Parteien an der Fünf-Prozent-Klausel, von den 19 angetretenen Gruppierungen ziehen also wieder nur die vier bislang bereits im Parlament vertretenen Parteien in den 15. Landtag ein. Zumindest in dieser Hinsicht bleibt also alles beim Alten.