Landwirtschaft in Australien ist klimatisch bedingt schwierig

Durch das Klima und die Beschaffenheit des Kontinents selbst existieren in der australischen Landwirtschaft Normalformen und Sonderformen. Ein Überblick.

Die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, nutzten über Jahrtausende hinweg das Land als Jäger und Sammler in totaler Anpassung an die naturgeografischen Extreme. Seit dem Beginn der europäischen Besiedlung ist die landwirtschaftliche Inwertsetzung des Kontinents geprägt von Erschließungserfolgen und Rückschlägen. Die ersten Siedler zeigten sich schon bald ernüchtert von der Härte der naturgeographischen Extreme, mit denen der neue Kontinent ausgestattet war. Diese und die Weite des Raumes erschwerten eine Erschließung und Inwertsetzung des Landes unglaublich.

Eine erste große Hilfe für die Erschließung des Landes sollte der Goldboom werden, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzte und einen gewaltigen Einwandererstrom auslöste.

Der Goldrausch erfasste innerhalb weniger Jahrzehnte den gesamten Kontinent. Immer wieder wurden Bergbaustandorte aufgegeben, weil neue, ergiebigere entdeckt worden waren. Am Ende des 19. Jahrhunderts erreichte der Goldrausch in der sog. „Golden Mile“ im Südwesten Australiens seinen Höhepunkt, danach kam es jedoch zum Rückzug aus fast allen Goldfeldern, weil Gold nur noch bergmännisch in Schachtanlagen zu gewinnen war.

Die Landwirtschaft und der Bergbau spielten nicht nur in der geschichtlichen Entwicklung Australiens eine zentrale Rolle, beide gehören auch heute noch zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Obwohl auf die Agrarwirtschaft weniger als fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen, erzielt dieser Sektor immerhin gut ein Drittel der gesamten Exporteinnahmen. Australien gehört weltweit zu den wichtigsten Exportländern für Weizen, Fleisch und Wolle. Allein bei Wolle erzeugen australische Betriebe über 25 Prozent des Jahresvolumens der Weltproduktion. Während die Rohstoffproduktion eine zentrale Rolle für den australischen Export einnimmt, ist dieser Bereich auf dem einheimischen Markt in den vergangenen Jahren sehr viel weniger stark gewachsen.

Rinderzucht

In allen australischen Bundesstaaten und Bundesgebieten werden Rinder gezüchtet. Der führende Produzent ist jedoch Queensland, das in den neunziger Jahren etwa 40 Prozent des damaligen nationalen Gesamtbestands von 26.710.000 Rindern auf sich vereinte. In Australien wird sowohl Schlacht- als auch Milchviehwirtschaft betrieben. Die Aufzucht von Milchvieh beschränkt sich vorwiegend auf die niederschlagsreichen Küstenregionen und den Südosten des Landes, insbesondere Victoria. Die landwirtschaftlichen Betriebe wenden in der Regel hochmoderne Technologien an.

Schafzucht

Als das Merinoschaf aus Südamerika nach Australien kam, gewannen die Wollerzeugung und Wollverarbeitung immer mehr an Bedeutung, und Australien entwickelte sich zu einem der größten Wollproduzenten der Welt. Die Schafzucht in Australien hat ihre Anfänge zu Beginn des 19. Jahrhunderts genommen, als man auf der Suche nach einem geeigneten Exportgut war, um die in der Abhängigkeit vom Mutterland empfangenen Güter auszugleichen und mittelfristig wirtschaftlich unabhängig vom Mutterland zu werden. In den 1820er Jahren gewann hier die viehwirtschaftliche des Landes Nutzung an Bedeutung. Um auf dem Wollmarkt in London erfolgreich zu sein, führte man Merinoschafe aus Deutschland und England ein, eine Schafrasse, die in Anpassung an die australischen Lebensbedingungen eine ausgezeichnete Wollqualität lieferte. Einzelne Farmer, die mit kleineren Schafherden nach Australien eingewandert waren, trugen anfangs die Schafzucht ins Land. Weiter im Landesinnern, in den Vegetationszonen der Woodlands fanden sich optimale Weidebedingungen.

Dieses Grasland konnte ohne Kultivierungsmaßnahmen sofort genutzt werden. Als einzige erforderliche Maßnahme galt es hier, alte vertrocknete Grasflächen abzubrennen. Der Anteil englischer Importe an australischer Wolle stieg kontinuierlich an. Heute ist Australien der größte Wollproduzent der Welt.

Feldanbau und Weinanbau

Obwohl nur auf etwa 10 Prozent der gesamten australischen Landfläche Kultur- und Futterpflanzen angebaut werden, sind diese Bewirtschaftungsgegenden von überaus großer Bedeutung für die Wirtschaft. Auf etwa 45 Prozent der kultivierten Nutzflächen wird Weizen angebaut, auf weiteren 20 Prozent andere Getreidearten und Futterpflanzen. Der Anbau von Weizen wurde auf hochgradig maschinellen Betrieb umgestellt und findet in allen australischen Staaten statt, konzentriert sich aber vor allem auf die südöstlichen und südwestlichen Regionen. Die Jahresproduktion verhielt sich in den letzten Jahren aufgrund der Umorientierung auf neue, Gewinn bringendere Feldfrüchte rückläufig. Etwa 70 Prozent der Weizenernte werden exportiert. Hafer, Roggen, Gerste, Mais, Ölsamen, Tabak und Futterpflanzen werden ebenfalls in großem Umfang angebaut. In der Bewässerungszone am Murrumbidgee in New South Wales, in Queensland und im Northern Territory werden Reis und Baumwolle kultiviert. Der Anbau von Zuckerrohr beschränkt sich auf die fruchtbare Küstenregion in Queensland und den Distrikt um den Fluss Richmond in New South Wales. Neben den üblichen Kultur- und Nutzpflanzen werden zahlreiche Obstsorten, darunter Äpfel, Bananen, Trauben, Orangen, Birnen, Ananas und Papayafrüchte gezüchtet. Die bedeutendsten Weinbauregionen befinden sich im Barossa Valley in South Australia, im Hunter Valley in New South Wales und im Nordosten, Süden und Westen von Victoria.

Hermann Griesel, Hermann Griesel

Hermann Griesel - Studium der Geographie, der Soziologie und des Verkehrswesens Abschluss als Diplom- Geograph 2004. Fachliche Interessen und ...

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