Larousse und das Universalwörterbuch von 1863

Ein Wörterbuch macht Wissen für jeden erreichbar

Pierre Larousse bot mit seinem "Grand dictionnaire universel" der breiten Masse der Franzosen ein lexikografisches Werk, das die Wissensverbreitung demokratisierte.

Im 19. Jahrhundert kam es in Frankreich zu einer Flut von Wörterbuchveröffentlichungen. Neben dem Littré, der besonders das gebildete Publikum ansprach, verlegte Pierre Larousse in seinem eigenen Verlag ein 15-bändiges Werk, das dem Durchschnittsfranzosen als unendlicher Wissensschatz diente.

Pierre Larousse: Kindheit und Studium

Pierre Larousse wird am 23. Oktober 1817 in Toucy, einem Dorf im Département Yonne, geboren. Sein Vater arbeitet als Schmied und seine Mutter war Gastwirtin. Schon in seiner Kindheit entwickelt er die Liebe zu den Büchern und verbringt seine jungen Jahre mit Lesen, der Schule und dem Leben auf dem Land. Sein Wissensdurst ermöglicht es ihm schließlich auf die Ecole Normale primaire de Versailles in der Nähe von Paris zu gehen, einer Universität für angehende Lehrer. Nach seinem Studium kehrt er mit 21 Jahren nach Toucy zurück, wo er zunächst als Lehrer und später als Direktor seiner eigenen früheren Schule arbeitet. Nach zwei Jahren sind ihm die Lehrmethoden an der Schule aber zuwider und er kehrt nach Paris zurück.

Vom Autodidakt zum Verleger

Mit 23 Jahren lebt Pierre Larousse wieder in Paris, einer immer pulsierenden Metropole, die dem wissbegierigen jungen Mann allerhand zu bieten hat. Mit seinem wenigen Ersparten zieht Pierre Larousse in das Quartier Latin und verfolgt alle kostenlosen Kurse, die in Paris angeboten werden. So geht er in die Sorbonne, das Conservatoire des arts et métiers, das Collège de France oder auch ins Naturkundemuseum und sammelt unzählige Notizen an, die er abends in den geheizten Bibliotheken durchgeht. Er erhält jedoch nie einen Abschluss oder Zertifikate, die ihm die Teilnahme an den Kursen bestätigen könnten.

1851 lernt er dann seinen Landsmann Augustin Boyer kennen, der nur wenige Kilometer von Toucy geboren wurde. Selbst Lehrer, will dieser sich nun im Handel versuchen und die beiden beschließen, ein Jahr später den Verlag "Librairie Larousse et Boyer" zu gründen. Von nun an folgen unzählbare Veröffentlichungen von Pierre Larousse in seinem eigenen Verlag.

Ein Wörterbuch für den Durchschnittsfranzosen

Bereits 1856 verfasst Pierre Larousse ein erstes Wörterbuch, das "Nouveau Dictionnaire de la langue française", das einen großen Erfolg hat. Doch Larousse hat etwas anderes, größeres im Sinn: er möchte ein Werk veröffentlichen, in dem man alles alphabetisch geordnet finden kann, was der menschliche Geist zu wissen vermag und das sich nicht an eine Elite wendet, sondern jeden über alles unterrichten kann. Mit dem Jahr 1863 beginnt schließlich die Veröffentlichung dieses Lebenstraums unter dem Titel "Grand dictionnaire universel du XIXe siècle" (zu deutsch: Großes Universalwörterbuch des 19. Jahrhunderts), als der erste Band von insgesamt fünfzehn auf dem Buchmarkt erscheint. Bis 1876 werden alle anderen Bände gedruckt, Pierre Larousse verstarb bereits 1875 an einem Hirnschlag.

Das gesamte Wissen in 15 Bänden

Wie es Larousse beabsichtigte, richtet sich sein "Grand dictionnaire" an ein großes, weniger gebildetes Publikum. Es umfasst einen riesigen Wortschatz und enthält eine großen Zitatekorpus der Autoren der letzten Jahrhunderte, bevorzugt aber jene des 19. Jahrhunderts. Damit will Larousse den Ist-Zustand des Französischen im 19. Jahrhundert wiedergeben, und nicht eine Norm vorschreiben, die 200 Jahre vorher galt. Es wird ebenso der Fremd- wie der Fachwortschatz dargestellt und auf alle sprachlichen Register eingegangen. Ein Artikel ist so aufgebaut, dass man die gesamte Herkunft des Wortes erfährt, sowie dessen Gebrauch in verschiedenen Situationen, die Konnotation des Wortes und welche Autoren es in welchem Zusammenhang gebraucht haben.

Bis heute veröffentlicht der Verlag Larousse zu allen Themengebieten Wörterbücher in den verschiedensten Formaten.