LATEIN – Redewendungen in dieser Sprache kommen gut an

Latein für Fortgeschrittene! - Oliver Weber/pixelio.de
Latein für Fortgeschrittene! - Oliver Weber/pixelio.de
Es heißt, Latein wäre eine tote Sprache. Gewissermaßen ja. Doch ganz ohne geht es auch heute nicht. Auch wegen der vielen Redewendungen in dieser Sprache.

IN MEDIAS RES – was bedeutet zur Sache kommen – wird gern und oft verwendet. So auch hier. Latein ist eine tote Sprache, weil sie keine Muttersprachler mehr hat und damit keiner Veränderung und Entwicklung unterliegt, wird behauptet. Das ist nur zur Hälfte richtig. Latein war einstmals Weltsprache und ist bis heute Grundsprache aller romanisch sprechenden und denkenden Völker. Latein hat zugleich auch den germanischen Sprachen zum Erwachsensein verholfen.

In der internationalen Gebildetenschicht ist Latein bis heute lebendig geblieben. Man benutzt gern lateinische Sentenzen und Redewendungen, die sowohl treffsicher im Ausdruck sind als auch seelenvoll menschlich im Gehalt. Ein Besuch antiker Stätten und ihre Erkundung im einstigen römischen Reich ist ohne wenigstens minimalen Lateinkenntnissen eine stark eingeschränkte Angelegenheit und lässt den Besucher in vielem im Dunkeln. Nicht zuletzt stößt man im täglichen Leben immer wieder auf lateinische Ausdrücke.

Einst war Latein die Sprache der Gebildeten

Die erste Vorlesung in deutscher Sprache an einer deutschen Universität wurde im Jahre 1688 in Leipzig gehalten. Bis zu dieser Zeit und auch noch darüber hinaus war die Sprache der Wissenschaft Latein. Francis Bacon und Thomas Hobbes schrieben lateinisch; Leibniz' und Descartes' Werke sind zum Teil lateinisch verfasst. Wer bis auf den heutigen Tag am Latein festhält, ist die katholische Kirche. Ihre weltumspannende Organisation kommuniziert unbeirrt in dieser Sprache. Die Kurie bedient sich in ihren Bullen, Enzykliken, Dekreten und Breven der lateinischen Sprache.

Einst Weltsprache hat das Lateinische in der Verwaltung des römischen Reiches Einzug gehalten. Vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer, von Britannien bis Afrika erklangen zur Zeit der römischen Weltmachtstellung in dieser Sprache die Kommandos der Offiziere und die Bekanntmachungen der Verwaltung. Latein diente als Juristensprache, bis nach und nach nationale Gesetzbücher aufkamen. Latein war bis zum Westfälischen Frieden 1648 zwischenstaatliche Verkehrssprache. Latein war die Sprache der Gebildeten bis in die Neuzeit. Und auch heute streut man gern lateinische Sinnsprüche in das Gesagte ein.

Irgendwo stößt man immer auf lateinische Ausdrücke

Im täglichen Leben stößt man immer wieder auf lateinische Ausdrücke: in der Presse, in politischen Reden und Debatten, in den Medien, in Werbeslogans, in der Literatur, im Rechtswesen, in der Medizin. Da ist es von Vorteil, einige lateinische Worte und Ausdrücke zu kennen, um Zusammenhänge besser verstehen zu können. Journalisten, Redner und ehemalige Lateinschüler schmücken sich gern, indem sie ihre Rhetorikkünste mit ein paar lateinische Redewendungen aufwerten.

Denkt man an Latein, fallen einen die großen römischen Schriftsteller und Dichter ein, die vor, um und nach der Zeitenwende gelebt haben: Gaius Julius Caesar, Cicero, Vergil, Horaz, Ovid, Livius und Tacitus. Redewendungen, Zitate und Sprichwörter von einigen von ihnen sind bis heute aktuell. So das zu Anfang angeführte IN MEDIAS RES. Es stammt von Horaz (65 bis 8. v. Chr.). ALEA IACTA EST – Der Würfel ist gefallen, ist von Caesar. Diese Redewendung wird oft gebraucht im Zusammenhang mit Handlungen, die folgenschwere Entscheidungen nach sich ziehen, welche nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Ist man kulturhistorisch auf Spurensuche unterwegs, in Rom etwa, ist es sehr von Vorteil, wenn einen einige lateinische Ausdrücke geläufig sind. Beispielsweise was die Buchstaben: S.P.Q.R. bedeuten. Man findet sie auf jedem Kanaldeckel und auf jeder Mülltonne in Rom. Dieser Schriftzug war das Hoheitszeichen des antiken Roms und ist heute noch immer als Leitspruch im Wappen der Stadt anzutreffen. Es bedeutet: Senatus Populusque Romanus – Senat und Volk von Rom; der römische Staat.

Latein schnell und verständlich lernen

Es gibt im Netz viele Möglichkeiten, sich Grundzüge im Latein und der lateinischen Grammatik anzueignen. Teils gibt es auch kostenlose Lernangebote. Vorkenntnisse in der lateinischen Sprache müssen nicht vorhanden sein. Die Lernprogramme sind effizient und verständlich aufgebaut, das Lerntempo und -pensum bestimmt man selbst. Mit der Schrift und der Aussprache im Latein gibt es keine Schwierigkeiten, da das deutsche Alphabet aus dem Lateinischen stammt. Am Ende macht es schon Spaß, wenn bei der nächsten Bildungsreise einige Worte und Satzzusammenhänge in Latein verstanden werden.

Einige gebräuchliche Redewendungen

Redewendungen, Sentenzen und Zitate in Latein gibt es viele. Nach einer Zeit sinkenden Ansehens gewinnt das Latein wieder stark hinzu und rückt in den Vordergrund. So stößt man auch immer wieder auf lateinische Sinnsprüche. Wie diese etwa:

CARPE DIEM! – Nutze den Tag! (Sinnspruch von Horaz)

COGITO, ERGO SUM – Ich denke, also bin ich. (Bekannter Sinnspruch von Descartes, 1596-1650)

DUM SPIRO, SPERO – So lange ich atme, hoffe ich.

AMOR VINCIT OMNIA – Alles wird von (der) Liebe besiegt. (Sinnspruch von Vergil 70-19 v. Chr.)

ARS LONGA VITA BREVIS – Die Kunst ist lang, das Leben kurz. (Sprichwort von Hippokrates, berühmtester Arzt der Antike, um 400 v. Chr.)

ERRARE HUMANUM EST – Irren ist menschlich. (Abgeleitet aus einer Schrift des Kirchenlehrers Hieronymus, um 340 n. Chr.)

IN DUBIO PRO REO – Im Zweifel für den Angeklagten. (Altlateinisches Sprichwort aus dem Gewohnheitsrecht)

NIHIL NOVI SUB SOLE – Nichts Neues unter der Sonne. (Eine Wendung aus dem Alten Testament)

Bildnachweis: © Oliver Weber / pixelio.de

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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