Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache Nian

Warum der Film in China spielt und dort gemacht wurde

Plakat Lauras Stern - © 2009 Warner Bros. Ent.
Plakat Lauras Stern - © 2009 Warner Bros. Ent.
China ist ein Zukunftsmarkt für Zeichentrickfilme und die Zeichentrickfilmproduktion.

Am 24. September 2009 startete der Zeichentrickfilm für Kinder „Lauras Stern und der geheimnisvolle Drache von Nian“, die Fortsetzung von „Lauras Stern“, den in Deutschland über 1,3 Mio. Zuschauer im Kino sahen. Zeit einen Blick hinter die besonderen Produktionsumstände bei Teil 2 zu werfen, in dem Laura ihre Mutter, eine Cellistin, zu einem Konzert nach China begleitet. Dort trifft sie auf das Mädchen Ling Ling, mit dem sie sich anfreundet und mit dem sie ihr bisher größtes Abenteuer besteht.

Warum Laura mit ihrem Stern nach China kommt

„Als wir uns mit Lauras Schöpfer Klaus Baumgart darüber unterhielten, wie Lauras zweites Abenteuer aussehen könnte, wollten wir sie in einen anderen Kulturkreis schicken“, erzählt Produzent, Regisseur und Co-Autor Thilo Graf Rothkirch von der Berliner Firma Cartoon-Film. Auf China fiel die Wahl in erster Linie aus einem Grund: die Chinesen mögen den Stil von „Lauras Stern“. Bei einer Sondervorführung des Films in China im Rahmen einer Berlin-Präsentation war das Publikum von der asiatischen Anmutung der Zeichnungen hellauf begeistert. Als der Film dann auch noch den Hauptpreis beim Kinderfilmfest im chinesischen Ningbo erhielt – die Jury waren die Kinder selbst – stand fest, dass Laura nach China reisen wird.

Hinzu kamen gute Kontakte zur chinesischen Animationsfirma 3D Animagics, die von dem Korea-stämmigen 3D-Pionier Jung Chi Gwang und seiner Frau Zhou Hui betrieben wird. Diese Gelegenheit soll nicht nur China als Absatzmarkt für Cartoon-Film und die Marke „Laura“ öffnen, sondern auch die Zusammenarbeit mit China vor Ort intensivieren. Für Koproduzent 3D Animagics stellt der Film die einmalige Chance dar, den Markt für chinesische Animation für das Kino wesentlich mit zu gestalten, ist „Laura und der geheimnisvolle Drache Nian“ doch der erste chinesische Zeichentrickfilm für Kinder, der für eine Kinoaufführung gemacht wurde. Augenblicklich prägen japanische und koreanische Animationsfilme den chinesischen Markt. Animation für das Kino spielt im chinesischen Fünf-Jahres-Plan nur eine kleine Rolle. Lediglich der hohe Bedarf an Fernsehproduktionen, die jedoch schnell und günstig produziert werden, spielt hier eine gewichtige Rolle.

Lauras Stern ist eine deutsche Marke

Da der Hauptmarkt für Cartoon-Film-Produktionen Deutschland und Europa ist, schielte man bei „Laura und der geheimnisvolle Drache Nian“ nicht nachdrücklich darauf, den Film auch in China groß in die Kinos zu bringen, sondern konzentrierte sich bei der Entwicklung des Drehbuchs darauf, dass die Geschichte für ein deutsches Publikum interessant ist. „Die Arbeit der chinesischen Co-Autoren bestand hauptsächlich darin, dafür zu sorgen, dass die Geschichte für einen chinesischen Zuschauer authentisch und plausibel ist“, erzählt Graf Rothkirch, was insbesondere für die Psychologie von Ling Ling gilt, aber auch für den Charakter des Drachen, die in China im Gegensatz zu Europa grundsätzlich positiv besetzt sind.

Die Grundidee für die Geschichte, wie letztendlich auch das fertige Buch, stammt von den vier deutschen Autoren Thilo Graf Rothkirch, Piet De Rycker, der auch als Co-Regisseur fungierte, Rolf Giesen sowie Alexander Lindner.

Die Rolle der Musik und die Mitwirkung von Pianist Lang Lang

Unterstützt wird die Geschichte in besonders starkem Maße von ihrer Musik, die von drei Komponisten geschrieben wurde: Frank Federsels schrieb die Klaviermelodien, die in den Traumsequenzen erklingen, der Belgier Guy Cuyvers untermalte die Sequenzen auf Lauras Reisen und in ihrer Realität und Henning Lohner schrieb die Musik für das Konzert in der Oper. Eingespielt wurden die Klavierstücke von dem chinesischen Pianisten Lang Lang. „Lang Lang wird den Zuschauer verzaubern – er bringt Weltklasse in den Filmscore“, so Rothkirch. Die Pipa, das lautenähnliche Instrument, das Ling Lings Mutter bei dem Konzert spielt, wird von Zhou Hui gespielt. All diese Anstrengungen und gemeinsamen Erfahrungen aus den vorhergegangenen Produktionen führen Thilo Graf Rothkirch zu der Überzeugung, mit „Laura und dem geheimnisvollen Drachen Nian“ seinen bisher besten und dichtesten Film geschaffen zu haben.

Zukunftsmarkt China

Auch wenn Graf Rothkirch in Bezug auf China nicht so stark marktorientiert denkt, reizt es ihn schon stark, Ling Ling und Nian dort als Figuren aufzubauen, die als chinesisch wahrgenommen werden. „Denn“, so Graf Rothkirch, „in China beherrschen mit Ausnahme der Olympia-Maskottchen US-amerikanische und japanische Figuren den Markt.“ Aber, so schränkt er gleich wieder ein: „Erst wenn man populäre Figuren etabliert hat, kann man überhaupt an einen Markt denken.“

Die Arbeit der Animation teilten sich Cartoon-Film und 3D Animatics während hingegen nur 5 bis 10 Prozent der Herstellungskosten aus China stammen. In Berlin wurden alle Hauptcharaktere modelliert und im Computer integrationsfähig gemacht, was sich „riggen“ nennt. „3D Animagics arbeitet auf dem gleichen Niveau wie wir“, sagt Graf Rothkirch zu der Qualität der Zusammenarbeit. „Sie liefern gute Qualität und bleiben im Budget- und Zeitrahmen.“ So ist es nicht verwunderlich, dass die positiven Erfahrungen der Zusammenarbeit in „Laura und die Traummonster“, dem dritten Teil des Franchise, erneut in einer 50/50-Zusammenarbeit eine Fortsetzung erfahren werden.

Steigende Kosten, steigende Qualität, aber sinkende Zuschauerzahlen

Ein weitere neuer Partner für Cartoon-Film ist die indische Firma Corner Shop, die Arbeiten auf dem Niveau von 3D Animagics zuliefert und mit der Cartoon-Film ebenfalls in Zukunft weiter zusammen arbeiten wird. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Filme im Kino nicht mehr von so vielen Menschen gesehen werden, die wir einst gewohnt waren“, erinnert Thilo Graf Rothkirch. „Von uns wird eine immer höhere Qualität verlangt, die zugleich immer günstiger hergestellt werden soll, um dem Zuschauerschwund und der Piraterie zu begegnen.“ Dies spielt auch in Verbindung mit der angestrebten Produktion von Filmen in Stereo-3D eine große Rolle, deren Produktion etwa 10 bis 15 Prozent teurer ist. Mit Partnerfirmen in Indien und China kann man die Produktionskosten bei einer gleichzeitigen Qualitätssteigerung senken. Dank schneller Internetverbindungen ist es auch kein Problem mehr über tausende von Kilometer hinweg zusammen zu arbeiten und Material hin und her zu schicken.

Der 3. Teil von Lauras Stern, „Laura und die Traummonster“ wird schon im kommenden Jahr in die Kinos kommen. Dies funktioniert deshalb so schnell, weil die Figuren bereits im Computer existieren und nur noch zum Leben erweckt werden müssen.

In China wird „Laura und der geheimnisvolle Drache Nian“ erst zum chinesischen Neujahrsfest im Februar in die Kinos kommen, wenn die Familien zusammen sind und gemeinsam etwas unternehmen. Erst dann wird man sehen, ob Laura auch chinesische Kinder begeistern und einen riesigen neuen Markt für sich erschließen kann.

Thomas Steiger, Sabine Felber

Thomas Steiger - Seit Mitte der 80er Jahre schreibe ich über Film und Fernsehen. Erst Filmbesprechungen, dann über die Hintergründe der ...

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