Layman/Guillory: Chew - Bulle mit Biss 2: Reif für die Insel

Cover - Cross Cult
Cover - Cross Cult
John Layman und Rob Guillory können das Niveau vom Auftakt in "Chew - Bulle mit Biss 2: Reif für die Insel" nicht halten

Die Erwartungen nach dem Überraschungserfolg von Chew 1 – Bulle mit Biss: Leichenschmaus (Cross Cult) könnten nicht höher sein. Die Thriller-Satire wurde mit dem Eisner und Harvey Award ausgezeichnet, Kritiker und Publikum waren sich einig, dass hier eine originelle Comicserie vorliegt. Ob Autor John Layman und Zeichner Rob Guillory nun mit Chew - Bulle mit Biss 2: Reif für die Insel (Cross Cult) an den Erfolg anknüpfen können, ist fraglich, zumal das Niveau bereits in der letzen Episode des ersten Bandes stark nachgelassen hat.

Insel, Obst, Hühner und Vampire

Der Cibopath Tony Chu hat beim Essen Visionen von der Geschichte seiner Nahrung und arbeitet für die FDA, einer Abteilung für Sonderermittlungen der Lebensmittelaufsicht der USA. Auf eigene Faust reist Chu mit seinem Bruder, der Starkoch Chow, in die Südsee auf die Insel Yamapalü, um einer Spur der internationalen Hühnermafia nachzugehen.

Das passt Lin Sae Woo, eine Undercover-Agentin des Ministeriums für Landwirtschaft der USA (USDA) gar nicht. Zudem scheint ein Vampir auf der Insel Angst und Schrecken zu verbreiten. Chu will zudem das Geheimnis um eine unbekannte Gallusfrucht und den Kult um den Hahn Poyo lüften. Während Chu auf der Insel alle Hände voll zu tun hat, wird sein Chef immer wütender.

Licht und Schatten

John Layman kann das Niveau aus den ersten Episoden seines Auftaktbandes nicht immer aufrechterhalten. Zu oft driftet der Autor in das Gewässer abgedroschener Dialoge, die durch coole Sprüche gekennzeichnet sind, ab, und verfällt in typischen Hollywood-Humor. Die Gags zünden nicht immer und die Idee um den Cibopathen scheint sich zu erschöpfen. Jedenfalls blitzt die Originalität des Autors nur noch ganz selten durch.

Was man ihm zugute halten muss ist, dass er selbstreflexive Seitenhiebe austeilt, indem er beispielsweise durch eine Aussage von Tony Chu darauf aufmerksam macht, dass "so keiner spricht" wie es sein cooler Partner macht oder das Vampir-Genre verballhornt wird. Gut ist die Serie immer dann, wenn neue Ideen kommen; zum Beispiel gibt es einen stummen Koch, der nur durch seine zubereitete Mahlzeiten kommuniziert. Das zählt neben den überraschenden Prologen zu den wenigen Highlights des zweiten Bandes.

Karikatur

Rob Guillorys Illustrationen sind durch leichtfüßige Zeichnungen geprägt. Die Figuren sind bis zur völligen Übertreibung stark karikiert. So hat die USDA-Agentin beispielsweise Brüste, die jeweils die Größe eines Fußballes besitzen und Waden, die jeden Tour de France-Fahrer vor Neid erblassen lassen würde. Die Farben wirken mal bunt und dann wieder dezenter. Die Illustrationen passen insgesamt sehr gut zur überzogenen Story.

Der zweite Chew-Band ist durchwachsen und brigt neben Licht auch Schatten. Fans werden sich dennoch weiterhin an der Serie erfreuen. Als Extra gibt es ein Interview mit dem Sternekoch Michael Hoffmann, das jedoch deplatziert wirkt. Warum hat man anstelle eines Beteiligten - Autor, Zeichner, Verleger oder Redakteur - einen Außenstehenden herangenommen, der zudem nicht mal Comics liest? Band 3 "Eiskalt serviert" ist für den Dezember 2011 angekündigt.

Wertung: 3 von 5

John Layman & Rob Guillory: Chew - Bulle mit Biss 2: Reif für die Insel. Cross Cult, 2011. Hardcover, 128 Seiten. Euro 16,80.