Der kreisrunde Haarausfall ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Haare stellenweise ausgehen, so dass sich runde kahle Stellen bilden. Im Extremfall können alle Kopfhaare oder sogar alle Kopf- und Körperhaare ausgehen.

Betroffene erleben Schock und Trauer, und sie stehen - neben dem Versuch, den Haarausfall zu therapieren - vor zwei großen Problemstellungen: Sie wollen mit der psychischen Belastung fertig werden und ihr erschüttertes Selbstwertgefühl wiedergewinnen, und sie wollen praktische Lösungen finden, wie sie mit kahlen Stellen oder gar kahlem Kopf künftig auftreten.

Kreisrunder Haarausfall: Seelische Belastung durch Alopecia areata

Ob nun der totale Verlust der Haare oder aber der tägliche Kampf, die kahlen Stellen zu kaschieren - die psychischen Folgen des Haarausfalls sind ein wesentlicher Aspekt der Krankheit, der die Betroffenen oft am stärksten quält. Psychotherapeutische Betreuung kann dabei sinnvoll sein, sehr hilfreich ist auch der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, um Erfahrungen und Informationen mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Besonders wichtig für Betroffene ist es, individuelle Überlastung oder Stressfaktoren zu erkennen und möglichst zu reduzieren - oft leichter gesagt als getan! Weniger Stress sowie ein verständnisvolles, harmonisches Umfeld können zur Heilung viel beitragen.

Die Suche nach Ursachen für den Haarausfall kann bisweilen schmerzhafte Erkenntnisse mit sich bringen: Wie viel moralische Unterstützung ist vom Partner wirklich zu erwarten, und von Freunden und der Familie? Ist der Job der richtige oder zerrt er zu sehr an den Nerven? Eine ehrliche Analyse ist hilfreich, sollte aber wiederum auch nicht in Selbstzerfleischung ausarten. Stress und psychische Belastungen können zwar der Auslöser vom kreisrundem Haarausfall zu sein, es können aber auch andere Gründe vorliegen.

Alles, was innere Spannungen abbaut und glücklich macht, hilft dabei, mit den Folgen von kreisrundem Haarausfall zurecht zu kommen. Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden: Für den einen sind es Entspannungstechniken wie Yoga, andere treiben Sport oder gehen einem Hobby nach, gärtnern oder gehen mit dem Hund Gassi.

Ein neues Spiegelbild: Sich selbst anzunehmen fällt nicht immer leicht

Wer sich auf längere haarlose Zeiten einrichten muss, sollte versuchen, sein Selbstbewusstsein zu stärken und sich mit dem neuen Spiegelbild anzufreunden. Die Realität anzunehmen ist ein wichtiger Schritt, um sich mit der neuen Situation auszusöhnen und sie positiv zu gestalten. Man sollte sich fragen: Was bedeuten Schönheitsideale? Was symbolisieren Haare für mich? Wie wichtig ist die Frisur als Ausdruck der Persönlichkeit? Bin ich ohne Haare wirklich ein anderer Mensch als mit?

Frauen leiden besonders, weil Haare mit Schönheit und Weiblichkeit assoziiert werden; und auch Männern versetzt der Haarausfall einen Schlag, denn volles Haar wird gern mit Vitalität, Gesundheit und Jugend gleichgesetzt.

Zum Glück sind die meisten Menschen, die an kreisrundem Haarausfall erkranken, ansonsten gesund; der Haarausfall hat nichts mit Vitaminmangel, schlechter Ernährung oder anderen Krankheiten zu tun, sondern ist "nur" eine Verirrung des Immunsystems. Dieser Gedanke kann ein wenig trösten.

Tücher, Haarteil, Perücke: Welche Möglichkeiten gibt es bei kreisrundem Haarausfall?

Je nachdem, wie stark der Haarausfall ist, kann es schwierig sein, ihn zu kaschieren. Bei wenigen kleinen Stellen und längerem Haar können für Frauen Haarspangen, Zöpfe oder Tücher eine Lösung sein. Auch Mützen und Kappen sind nützliche Begleiter.

Doch je mehr Haare fehlen, desto schwieriger sind solche provisorischen Lösungen. Das Zurechtfrisieren am Morgen kann eine Stressbelastung für sich werden. Die Angst, der Haarausfall könne von anderen entdeckt werden, kann zur Qual ausarten. Wer sich zumindest einigen nahestehenden Menschen am Arbeitsplatz anvertraut, leidet möglicherweise weniger unter dem Druck, sein Leiden verbergen zu müssen.

Wenn Selbstwertgefühl oder auch der Arbeitsplatz einen Haarersatz erfordern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Perücke hilft denen, die besonders viele oder alle Haare verloren haben. Modelle aus Echthaar halten bei guter Pflege länger als Kunsthaar und sehen meist authentischer aus.

Neben Perücken, die man aufsetzen und wieder abnehmen kann, gibt es auch solche, die maßgefertigt werden und mit einem Spezialkleber direkt an der Kopfhaut haften. Mit ihnen kann man Sport machen und muss nie fürchten, dass die Perücke sich selbstständig macht. Diese Variante kommt jedoch nur infrage, wenn man keine PUVA- oder topische Immuntherapie macht, bei der die Kopfhaut regelmäßig eingepinselt wird.

Neben dem Tragen einer Perücke gibt es auch andere Möglichkeiten, wenn noch genug Eigenhaar vorhanden ist. Zum Beispiel das Einweben eines Haarteils aus Echthaar, das dem eigenen Haar genau angeglichen wird. Das Haarteil kann mit einem direkt am Kopf geflochtenen Webrand aus dem Eigenhaar vernäht werden. So sitzt das Haarteil wochenlang fest auf dem Kopf, das neue Haar verbindet sich mit dem noch vorhandenen eigenen Haar zu einer individuell wählbaren Frisur. Wie eine verklebte Perücke bleibt es bei Sport und anderen Aktivitäten an Ort und Stelle. Alle paar Wochen ist ein Besuch beim Spezialfriseur fällig.

Wenn beim vollständigen Verlust der Kopfhaare auch Wimpern und Augenbrauen betroffen sind, kann Permanent Make-up eine Hilfe sein; hierbei werden Augenbrauen und Lidstrich fein tätowiert. Diese Maßnahme sollte man zuvor mit seinem Hautarzt besprechen, der gegebenenfalls jemanden empfiehlt.

Mut zur Glatze: Jenny Latz fand Freiheit und ein neues Selbstbewusstsein

Die beschriebenen Varianten des Haarersatzes eignen sich für Männer und Frauen. Wenn alle oder fast alle Haare ausfallen, entschließen sich Männer jedoch eher als Frauen dazu, zu ihrer Glatze zu stehen bzw. sich eine scheren zu lassen. Lieber Kojaks Sex Appeal als Stress mit dem Toupet, sagt sich mancher.

Für Frauen ist dieser Schritt etwas schwieriger, da das konventionelle Schönheitsideal Frauen eher mit langen, vollen Haaren als mit Glatze sieht. Wer sich nach langem Hin und Her mit Tüchern und Perücken schließlich dazu durchringt, sich so zu zeigen, wie sie ist, erntet neben erstaunten Blicken aber auch viel Respekt und Bewunderung. Wer kompromisslos zu sich steht, fühlt sich frei - dennoch sicher nicht der Weg für jede Frau.

Hilfreich für jeden von Haarausfall Betroffenen sind Gespräche mit Gleichgesinnten und Selbsthilfegruppen, aber auch mit Freunden und Familie. Wer sich traut, stellt fest, dass die anderen einen vielleicht ganz anders und weniger streng sehen, als man selbst sich beurteilt.

Lesenswert sind die Bücher von Jenny Latz, die als junges Mädchen alle Haare verlor und selbstbewusst zu ihrer Glatze steht. Eine tröstende und Mut machende Lektüre!

Mehr lesen:

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.