
- Gemüseverkauf - Top Agrar Online
Landwirte, Ärzte, Gemüsehändler, Restaurantbesitzer und Verbraucher sind nach dem Nachweis von Escherichia-coli-(EHEC)-Bakterien auf drei spanischen Salatgurken durch das Hamburger Hygiene-Institut in Deutschland stark verunsichert. Bisher sind zahlreiche Menschen, besonders in Norddeutschland nach dem Verzehr von bisher nicht identifizierten Lebensmitteln erkrankt oder gestorben. Weil sie nicht auch krank werden wollen, halten sich Verbraucher beim Einkauf nach Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) von Gemüse, besonders Salatgurken, Blattsalat und Tomaten, zurück. Landwirte in Niedersachsen sehen sich gezwungen, ihr Gemüse auf den Feldern umzupflügen. Wie die Erzeugergenossenschaft Landgard, Nordrhein-Westfalen, meldete, ging der Verkauf von Salat bisher um 70 Prozent zurück. Gurken und Tomaten wurden, so die Firmeninformation, um etwa 25 Prozent weniger verkauft. Landwirte in Spanien lassen ihrer Wut über die falschen EHEC-Warnungen freien Lauf. und schütteten Gurken und Gemüse vor die deutsche Botschaft in Madrid.
Ende Mai 2011 wurden, gleichzeitig im Kreis Gütersloh, in Nordrhein-Westfalen, bei der Haltung von Geflügel, Vogelgrippeviren festgestellt. Besorgte Verbraucher fragen sich, was sie noch essen dürfen und was ihnen Verbraucherorganisationen und Politiker raten. Die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner ist, auch um einer Epidemie vorzubeugen, gegen eine Haltung von Geflügel in Kleintiergruppen. Sie befürwortet aber bis 2035 einen Bestandsschutz.
Erzeugerorganisationen prüfen Produkte und suchen Ursachen
Die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO) teilt mit, dass alle EHEC-Proben der Produkte der drei in Norddeutschland ansässigen Erzeugerorganisationen, keine Krankheitserreger enthielten. Der Präsident des DBV Gerd Sonnleitner, befürchtet riesige Einnahmeverluste der heimischen Obst und Gemüsebauern. Auch auf der Insel Reichenau wurden große Bestände von Gemüse vernichtet. Sonnleitner beklagte, dass in der Debatte um die Ursachenforschung, Obst und Gemüse pauschal mit dem Krankheitserreger EHEC in Verbindung gebracht werden. Er betont, dass die Familien der Landwirte, ebenso wie alle Verbraucher besorgt über den Verlauf der EHEC-Infektion sind. Er hält eine fundierte Grundlagenforschung, die dabei hilft die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, für verpflichtend. Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, warnt die Verbraucher vor einem hysterischen Verhalten beim Einkaufen. Er hält den Verzicht auf bestimmte Gemüsesorten und häufiges Händewaschen, zur Krankheitsvorsorge für völlig ausreichend. Hilfreich kann ein Einkaufberater für Obst und Gemüse sein. Auch ein Qualitätsvergleich zwischen konventionell und biologisch angebautem Gemüse kann nicht schaden.
Geflügelgrippe: Bestände wurden notgeschlachtet
Im Kreis Gütersloh, in Nordrhein-Westfalen, wurde im Mai 2011 auf Geflügelhöfen Vogelgrippeviren festgestellt. Darum wurden, auf einem Hof in Rheda-Wiedenbrück, 6.000 Puten und in Rietberg, 3.600 Legehennen, notgeschlachtet. In Riedberg sind Tiere von zwei weiteren Betrieben infiziert. Ende Mai 2011 wurde in Gütersloh, für die die Städte Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Verl und die Gemeinde Langenberg und Schloss Holte-Stukenbrock bis zum 31. Mai 2011 ein Verbringungsverbot für Geflügel angeordnet.
Wurden die Verbraucher zu spät informiert?
Zwischen den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ist, so berichteten die Westfälischen Nachrichen, ein Streit um die Ursache der Erreger entbrannt. Der niedersächsischen Agrarminister Gert Lindemann (CDU) hat Hinweise, die belegen, dass die Geflügelkrankheit bereits seit drei Wochen in Ostwestfalen schwelt. Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) wies die Vorwürfe zurück. Das Verbraucherministerium sei rechtzeitig über den Geflügelpestfall informiert worden. Daraufhin wurden umgehend erste Maßnahmen ergriffen.
Aigner will Bestandsschutz bis 2035 für Kleingruppenhaltung
Die Richter vom Karlsruher Verfassungsgericht beanstandeten im Herbst 2010 die Regelungen zur Kleingruppenhaltung. Als erste Reaktion darauf macht die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner mit dem angekündigten Verbot der Kleingruppenhaltung von Legehennen ernst. Nach einem Entwurf zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, soll künftig die Kleingruppenhaltung von Geflügel nicht mehr zulässig sein und Neuanlagen werden nicht mehr genehmigt. Für alle bestehenden Anlagen soll ein Bestandsschutz bis zum 31. Dezember 2035 gelten, weil es viele Geflügelhalter gibt, die im Vertrauen auf bestehende Vorschriften investierten. Für „ausgestaltete“ Käfige soll es nach EU-Recht bei der Übergangsfrist bis Ende 2020 bleiben.
Die Opposition hält, im Sinn des Tierschutzes, die Frist für zu lang
24 Jahre weiteres Leid in der Massentierhaltung hält der agrarpolitischen Sprecher von Bündnis90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff, für zu lang. Es könne nicht angehen, dass weiteres Tierleid so lange in Kauf genommen werde, bis jeder einzelne Betrieb seine Investitionen abgeschrieben habe, erklärte der Politiker. Der Vorsitzende des Bundestagsernährungsausschusses, Hans-Michael Goldmann, FDP, bezeichnete die Neuregelung als nicht nachvollziehbar. Staatssekretär Dr. Robert Kloos vom Bundeslandwirtschaftsministerium verteidigt den Entwurf, zwar, er räumt aber ein, dass die Bundesregierung in Sachen Tierschutz erheblich unter Druck stehe. Aus diesem Grund könne die Politik die Augen nicht vor der gesellschaftlichen Diskussion um mehr Tierschutz in der Landwirtschaft verschließen. Kloos.sieht einen gesetzgeberischen Handlungsbedarf.
Quelle: Top Agrar Online
