
- Schöne Sache: Ein Leben ohne Brille - Markus Hein/pixelio.de
Viele Kurz-, Weit- oder Stabsichtige möchten gerne auf Brille oder Kontaktlinsen verzichten können und eine ansteigende Zahl unter ihnen entscheidet sich für die Methoden der Refraktiven Chirurgie. Meist bedeutet das, dass sie ihre Hornhaut lasern lassen, wodurch die Brechkraft so verändert wird, dass ein scharfes Sehen möglich ist. Nicht so häufig zur Anwendung kommt das Einsetzen künstlicher Linsen, aber auch der Einsatz diese Methode nimmt zu. Sie hat gegenüber den Lasermethoden den Vorteil, dass sie reversibel ist, doch wie jede Operation birgt sie auch gewisse Risiken.
Zusätzliche Linsen und Linsenaustausch
Wird zur Behandlung einer Kurz- oder Weitsichtigkeit eine künstliche Linse eingesetzt, handelt es sich in der Regel um eine sogenannte Phake Intraokularlinse, das heißt um eine Linse, die der Arzt zusätzlich zur körpereigenen Linse ins Auge einsetzt. Der Refraktive Linsenaustausch (RLA oder auch RLE = Refractive Lens Exchange) dagegen, bei dem die körpereigene Linse entfernt und durch eine künstliche ersetzt wird, wird in der Regel nur dann durchgeführt, wenn schon ein beginnender Grauer Star vorhanden ist oder die Flexibilität der natürlichen Linse bereits nachgelassen hat. Letzteres bedeutet, dass sich die eigene Linse nicht mehr an unterschiedliche Entfernungen anpassen kann, also bereits eine Altersweitsichtigkeit besteht. Ist dies dagegen noch nicht der Fall, wird, so Dr. Hans-Peter Buchmann, Geschäftsführer der Augenklinik Theresienhöhe in München, der Linsenaustausch normalerweise nicht in Betracht gezogen, da man auf die natürliche Anpassungsfähigkeit der eigenen Linse nicht ohne Not verzichten sollte.
Phake Intraokularlinsen
Bei den Phaken Intraokularlinsen unterscheidet man drei Arten:
- Vorderkammerlinsen, die an der Iris befestigt werden
- Kammerwinkelgestützte Vorderkammerlinsen
- Hinterkammerlinsen
Vorderkammerlinsen werden in der Augenvorderkammer, das heißt vor der Iris platziert, Hinterkammerlinsen zwischen Iris und körpereigener Linse. Meist sind die heutigen Modelle aus flexiblem Kunststoff, so dass sie der Arzt zusammengefaltet ins Auge schieben kann. Dazu ist nur noch ein Schnitt von zirka drei Millimetern nötig. Nicht flexible Vorderkammerlinsen, die in manchen Fällen auch noch eingesetzt werden, erfordern dagegen einen Schnitt von etwa sechs Millimetern, was eventuell zu einer Hornhautverkrümmung führen kann.
Seine Vor- und Nachteile hat jedoch jedes der Modelle. So sind etwa kammerwinkelgestützte Linsen, im Gegensatz zu irisfixierten und Hinterkammerlinsen, nur zur Behandlung von Kurzsichtigkeiten geeignet, für die konvexen Linsen, die Weitsichtige benötigen, reicht bei dieser Befestigungsart die Vorderkammertiefe nicht aus, ebenfalls können sie einen Astigmatismus nicht mitkorrigieren. Eine ausreichende Vorderkammertiefe ist jedoch auch bei den sogenannten Irisklauen-Linsen Voraussetzung, außerdem muss, unabhängig von der Befestigungsart, die Endothelzellschicht der Hornhaut, das heißt die innerste Hornhautschicht intakt sein. Bei der Hinterkammerlinse kann es wiederum, der Nähe zur körpereigenen Linse wegen, zu einer Trübung der Letzteren kommen, weswegen in jedem Einzelfall eine gründliche Untersuchung und Abwägung der Methoden notwendig ist, denn auch die anderen Behandlungsweisen bergen Risiken.
Vorteile und mögliche Risiken künstlicher Linsen
Zu diesen Risiken gehört, dass es in seltenen Fällen zu einer Schädigung der Endothelzellschicht der Hornhaut kommen kann, ebenso kann die Fixation der Linsen im Einzelfall Probleme bereiten und auch eine Erhöhung des Augeninnendrucks ist möglich. Bei jeder Operation ist zudem eine geringe Infektions- und Blutungsgefahr gegeben. Minimiert, wenn auch niemals ausgeschlossen werden, können solche Folgen durch die Wahl eines guten Operateurs, der außerdem durch eine gründliche Untersuchung die individuell am besten geeignete Methode ermittelt.
Hans-Peter Buchmann schätzt, dass die Risiken durch Linsenoperationen heutzutage nicht mehr höher sind als jene beim Lasern, es sind eben andere. Der große Vorteil der phaken künstlichen Linsen im Vergleich zu den Lasermethoden liegt darin, dass die Operation reversibel ist, das heißt, bei unerwarteten Problemen kann die Linse wieder entfernt werden. Zwar bleibt das Auge ein operiertes Auge, denn gewisse Spuren, die der Eingriff hinterlassen hat − bei Befestigung der Linse an der Regenbogenhaut etwa Spuren an dieser − bleiben zurück, der Betroffene sieht jedoch wieder wie vorher. Auch bleibt das natürliche Gewebe des Auges, im Gegensatz zur Veränderung der Hornhaut beim Lasern, unverändert.
Korrektur hoher Fehlsichtigkeiten
Letzteres ist auch deshalb wichtig, weil der Operateur so auch hohe Fehlsichtigkeiten gut korrigieren kann. Bevor die Ärzte zur Behandlung Fehlsichtiger auch Linsen einsetzten, konnten sie ausgerechnet den stark Kurz- oder Weitsichtigen nur in unzureichender Weise helfen, denn um eine Normalsichtigkeit zu erreichen, muss bei den Lasermethoden Hornhaut abgetragen werden und zwar umso mehr, je höher die Fehlsichtigkeit ist, so dass ab einer bestimmten Dioptrienzahl die Hornhautdicke in der Regel nicht mehr ausreicht, um genügend „wegzulasern“.
Zwar haben die Ärzte in den Anfangszeiten auch sehr hohe Fehlsichtigkeiten behandelt, so Hans-Peter Buchmann, jedoch konnte dann nur ein vergleichsweise kleiner Bereich der Hornhaut gelasert werden. Grundsätzlich sollte der Durchmesser der gelaserten Zone jedoch so groß sein, dass er auch nachts, wenn die Pupille sehr groß ist, nicht kleiner ist als diese, weil es sonst zu Blendungserscheinungen kommt. So konnten die Betroffenen zwar bei Tageslicht gut sehen, bei Dunkelheit aber waren sie so stark geblendet, dass das Autofahren nicht mehr möglich war. Als grober Richtwert wurde deshalb relativ früh festgelegt, dass nur noch Werte bis zirka -10 beziehungsweise +3 gelasert werden. Je nachdem, wie Mediziner und Betroffene zur Sinnhaftigkeit eines solchen Vorgehens standen, reduzierten manche Ärzte eine darüber hinaus gehende Fehlsichtigkeit um diese Werte, so dass beispielsweise aus -15 Dioptrien zirka -5 wurden.
Ohnehin waren stark Fehlsichtige größeren Schwierigkeiten ausgesetzt, denn Nebenwirkungen wie beispielsweise eine verminderte Kontrastwahrnehmung traten bei ihnen eher auf, auch bestand die Gefahr, dass die Hornhaut durch größere Abträge zu dünn wird und eine sogenannte Keratektasie entsteht, was heißt, dass das Gewebe „ausleiert“ und im schlimmsten Fall eine Transplantation nötig wird.
Eine mögliche Erleichterung für Betroffene
Eine Möglichkeit, auch bei dieser Gruppe gute Ergebnisse zu erzielen, gibt es erst seit der Wiederaufnahme der Linsenoperationen in den 1990er-Jahren. Möglich machten das neue Entwicklungen bei den Methoden ebenso wie beim Material, denn einige wenige Ärzte hatten die Refraktive Linsenchirurgie einige Jahrzehnte zuvor schon erprobt, wegen unverantwortbarer Komplikationen aber wieder eingestellt. Heute können Linsenoperationen, gewissen Risiken zum Trotz, gerade für besonders stark Fehlsichtige eine große Erleichterung sein.
Hinweis: Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – beispielsweise durch einen Arzt − ersetzen können.
Quellen: cms.augeninfo.de, augeninfo.de/krc, augenklinik-theresienhöhe.de
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