Leben und arbeiten in Portugal

Eroberer der Meere in der Krise - pixelio / (c) Handtke
Eroberer der Meere in der Krise - pixelio / (c) Handtke
Das Urlaubsland Portugal bietet mehr als die Algarve: Fado, Portwein, tolle Landschaften, aber auch Mystik und Stolz der alten Seefahrer prägen das Leben.

Portugal ist ein Land der Gegensätze. Während eines Urlaubes sieht sowieso immer alles anders aus. Die meisten Reisenden verbringen wohl in Portugal ihre Urlaubszeit an der Algarve oder in Lissabon. Doch wie ist das Leben und Arbeiten auf Dauer in dem Land der Gegensätze?

Portugal ist nicht gleich Portugal

Das Wetter, die Mentalität, das Essen, die Musik und die Stimmung unterscheiden sich innerhalb des Landes sehr stark. Die Portugiesen selbst pflegen in dem nachfolgenden Zitat das auszudrücken, was in allem spürbar ist: „In Porto wird gearbeitet, in Coimbra studiert, in Fatima gebetet, in Lissabon gelebt und an der Algarve das Geld ausgegeben.“

Wer zum arbeiten nach Lissabon geht, den erwartet eine kosmopolitische Stadt mit einem besonderen Flair von Leben und Lebensqualität. Nachdem sich in den vergangenen zehn Jahren viele namhafte internationale Unternehmen vom portugiesischen Markt zurückgezogen haben, konzentriert sich heutzutage das wirtschaftliche Geschehen noch mehr im Lissaboner Raum. Gerade die ehemals im Norden ansässige ausländische Textil- und Schuhindustrie hat ihre Standorte in andere Länder verlagert. Lissabon war seit je her die Metropole der Zentralen der internationalen Unternehmen und Porto meist der Produktionsstandort. Die Lebensqualität in Porto drückt genau das aus. Alles ist mehr ländlich und ursprünglich.

Lebenskünstler und Schwermütigkeit

Das Einkommen der meisten portugiesischen Familien reicht hinten und vorne nicht. So kommt es zum Beispiel vor, dass es Ärzte gibt, die neben ihrem gefüllten Job im Krankenhaus, nach Feierabend noch in ihrer Privatpraxis arbeiten. Die Familien leben noch immer sehr oft in Großfamilien auf relativ kleinem Raum zusammen; doch nicht unbedingt aus Familiensinn, sondern aus Kostengründen.

Das Selbstbewusstsein und die Mentalität der Portugiesen sind stark beeinflusst von der Geschichte des Landes. Die Erinnerung an die ehemalige Seefahrer- und Kolonialmachtstellung, an Namen wie Vasco da Gama oder Heinrich dem Seefahrer schweben auch heute noch wie eine Glocke über Land und Leuten. Denn immerhin stieg Portugal im 15. und 16. Jahrhundert zur führenden Seefahrernation der Welt auf. Portugiesische Kapitäne entdeckten Brasilien, fuhren als erste auf dem Seeweg nach Indien und umrundeten die ganze Welt. Und sie verloren mehrfach alles. An die Spanier, an die Engländer. Die Begrenztheit des Landes und die heutige, schwere wirtschaftliche Situation einerseits und die Erinnerung an die Heldentaten aus alten Zeiten andererseits, stellen unweigerlich ein Spannungsfeld dar. Dies ist in unterschiedlichen Schattierungen auch im beruflichen Alltag – gerade in Bezug auf Mitarbeiterführung und Persönlichkeitsentwicklung - spürbar. Das Spannungsfeld ist sozusagen Teil der Kultur.

Die portugiesische Mentalität ist schon immer von einer gewissen Schwermütigkeit und Sehnsucht geprägt. Saudade. Das „persönliche Wort“ der Portugiesen, was es nur in Portugal gibt. Gerade wer in Porto lebt, weiß sehr wohl davon. So erstrahlen beispielsweise in den Sommermonaten die beeindruckenden, im Stadtzentrum vor allem auf Granit gebauten Häuser in einem romantischen Flair. Doch in den ohnehin eher dunklen Wintermonaten und in den Übergangsjahreszeiten, die oft von viel Regen begleitet werden, verändert sich die anziehende Idylle in eine Schwere und Düsterheit.

Diese Stimmung verdeutlicht sich auch im Fado. Wer als Ausländer gut gelaunt in ein Fado Lokal geht, dem kann es durchaus passieren, dass er dieses nach dem Abend traurig und mit einem Gefühl der Sehnsucht und Schwere verlässt. Vor allem wenn es sich um den Fado aus Lissabon handelt. Denn hier ist all die Sehnsucht der unerfüllten Liebe, der Sehnsucht nach alten und nostalgischen Zeiten vereint. Die zweite Richtung des Fados kommt aus Coimbra, ist zwar auch schwermütig aber durchaus fröhlicher. Sie handelt von den Studenten, die nach Beendigung ihrer schönen Lehr- und Studienzeit die Universität in Coimbra verlassen um ins Leben hinaus zu gehen.

Man muss sich zu helfen wissen !

Die alten, prachtvoll erscheinenden Gebäude haben ebenso wie die meisten Wohnungen zum großen Teil keine Heizungen. Auch wenn die Modernisierung langsam Einzug hält, gibt es noch immer Restaurants, in denen man in den kalten Jahreszeiten Gäste in Mänteln antrifft. Sobald die ersten Sonnenstrahlen am Wochenende auftauchen fahren viele portugiesische Familien, nach einem gemeinsamen Almoca, an den Strand. Nicht ungewöhnlich, mag man denken. Doch wer genauer hinschaut, wird etwas Irritierendes erkennen: Die Familien parken das Auto, zum Beispiel am Strand von Miramar, süd-östlich von Porto, und bleiben darin sitzen. Vater liest Zeitung, Mutter macht Handarbeiten, Kinder spielen – dies ist eins der Szenarien, die ein aufmerksamer Beobachter sehen kann. Im Auto ist es wärmer als in deren Wohnungen.

Sabine Mrazek, Sabine Mrazek

Sabine Mrazek - Ich bin Geschäftsführerin von sabeconsult Coaching und seit 15 Jahren, mit Herz und Seele, als Ganzheitlicher Business Coach ...

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