Asien hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer interessanten Region für deutsche wie internationale Unternehmen entwickelt. Und mit der Gründung asiatischer Tochtergesellschaften entstanden eine Reihe von Arbeitsmöglichkeiten für Mitarbeiter der Mutterkonzerne. Singapur hat vermutlich am meisten von diesem Trend profitiert, denn ein stabiles politisches System und eine gute Infrastruktur machen den Stadtstaat zu einem hervorragenden Wirtschaftsstandort, von dem man leicht Handelsbeziehungen mit anderen asiatischen Staaten führen kann. Zwar ist Singapur auch von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen, aber der Ausblick für die asiatische Region ist derzeit weit besser als für die entwickelten Industrienationen des Westens. Und davon profitiert Singapur.

Singapur hat eine lange Einwanderungsgeschichte

Singapur war schon immer ein Einwanderungsland und multikultureller Handelsstützpunkt. Ursprünglich ein Fischerdorf der Malay, entdeckte Stamford Raffles 1819 die strategische Bedeutung dieser vor dem malaysischen Festland liegenden Insel für die British East India Company und gründete einen Handels- und Versorgungsstützpunkt. Mit dem wirtschaftlichen und politischen Siegeszug des British Empire im 19. Jahrhundert stieg auch die Bedeutung Singapurs an. Von Anfang an war die bedeutendste Hafenstadt Asiens nicht nur Ziel für den europäischen Handel. Auch chinesische, indische und arabische Einflüsse haben eine lange Tradition in Singapur. Am nachhaltigsten wurde die Stadt aber durch die britische Kolonialzeit geprägt. Noch heute gibt es viele Gebäude und Kirchen aus dieser Epoche im Stadtzentrum. Die Amtssprache ist Englisch, obwohl 75% der Staatsangehörigen Chinesen sind. Ein Viertel der Bevölkerung sind Ausländer. Diese Gruppe umfasst sowohl Billigarbeiter aus den Nachbarländern, die in der Baubranche oder im Servicebereich Arbeit finden als auch die sogenannten Expats, die überwiegend für internationale Unternehmen arbeiten.

Immigration insbesondere für Akademiker leicht

In ihrem Wachstums- und Modernisierungsbestreben hat die Regierung von Singapur sehr schnell erkannt, dass die Anzahl der eigenen Hochschulabgänger nicht ausreicht, um die neuen Arbeitsplätze, die im Technologie- und Finanzbereich sowie auf den verschiedenen Managementebenen entstanden, zu füllen. Zwar wurden seit 1990 drei weitere Universitäten neben der seit 1905 bestehenden National University gegründet, aber die Absolventenquote steigt nur langsam an, während die Unternehmen und Banken sofort gut ausgebildete Mitarbeiter brauchen. Daher ist es sehr einfach für Akademiker, besonders, wenn sie bereits über einige Jahre Berufserfahrung verfügen, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Die meisten Expats werden von ihrem Arbeitgeber nach Singapur entsandt und der Antrag auf einen sogenannten Employment Pass wird von der Personalabteilung gestellt. Der Prozess dauert etwa eine Woche und ist wie alles in Singapur sehr effizient. Wer auf Eigeninitiative nach Singapur kommt und vor Ort nach einem Arbeitsplatz suchen möchte, kann dies zunächst mit dem 90 Tage gültigen Touristenvisum tun, das man automatisch bei der Einreise erhält. Zieht sich die Suche länger hin, kann man bei der Immigrationsbehörde eine langfristige Aufenthaltsgenehmigung für Arbeitssuchende stellen, die für 1 Jahr gültig ist. Den Antrag kann man online stellen, und die Bearbeitung dauert etwa 4 Wochen. Es werden eine Antragsgebühr und eine Ausstellungsgebühr von insgesamt 90 Singapur-Dollar fällig. Wer sich auf Eigeninitiative in Singapur bewirbt, profitiert natürlich nicht von den im Allgemeinen sehr großzügig ausgestatteten Expat-Verträgen. Man sollte sich bewusst sein, dass es in Singapur keine nennenswerte soziale Absicherung gibt. Dafür sind die Steuern gering. Wer seinen ständigen Wohnsitz in Singapur hat, wird progressiv mit 2% bis 28% besteuert, wer als Ausländer registriert ist, zahlt 15%.

Familien sind in Singapur willkommen

Man muss nicht alleinstehend sein, um nach Singapur auszuwandern. Für Ehepartner wie Kinder kann gemeinsam mit der Arbeitsgenehmigung eine separate Aufenthaltsgenehmigung für Familienangehörige beantragt werden. Es ist unproblematisch, Kinder in Singapur aufzuziehen, da es eine Reihe anerkannter internationaler Schulen gibt. Und das Gesundheitssystem entspricht mindestens europäischen Standards. Der hohe Hygienestandard und die rigorose Ungezieferbekämpfung haben Singapur von den üblichen Tropenkrankheiten nahezu befreit. Wer allerdings den Aufenthalt in Singapur nutzen möchte, um die reichen Kulturstätten und schönen Strände Südostasiens zu erkunden, sollte für entsprechenden Impfschutz sorgen.

Hoher Lebensstandard, aber auch hohe Lebenshaltungskosten

Da Singapur eine moderne Stadt ist, ist die Lebensqualität entsprechend hoch. Wohnungen und Transportwesen sind auf dem neuesten Stand. Einkaufszentren werden von westlichen Produkten dominiert. In den Supermärkten findet man internationale Lebensmittel – vom australischen Rindfleisch bis zum deutschen Würstchen. In den Bäckereien liegen Croissants und Mehrkornbrot neben asiatischen Brotspezialitäten. Natürlich gibt es auch eine große Auswahl an südostasiatischen Früchten, wie Mango, Papaya und Ananas. Allerdings müssen alle Lebensmittel importiert werden, da Singapur keine nennenswerte Landwirtschaftsfläche besitzt. Entsprechend sind die Lebensmittelpreise hoch. Und auch Mieten sind aufgrund der begrenzten Fläche des Inselstaates deutlich höher als in vielen europäischen Städten.

Ewiger Sommer und Kulturschock

Wer eine Weile in Singapur lebt, wird allerdings feststellen, dass nicht nur das Klima mit seinen gleichbleibenden Temperaturen von knapp über 30 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit gewöhnungsbedürftig ist. Trotz kultureller Vielfalt gelten überwiegend asiatische Sitten und Bräuche. Während die oberflächliche Freundlichkeit und Harmoniebedürftigkeit das Leben weitaus angenehmer gestalten als im reservierten Europa, können der Mangel an Direktheit und die Unfähigkeit „nein“ zu sagen die Kommunikation deutlich erschweren. Wer sich für Singapur entscheidet, sollte daher nicht nur mit dem ewigen Sommer rechnen, sondern auch mit einem Kulturschock.