Lebende Zäune, Hütten, Iglus und Tipi´s aus Weidenflechtwerk

Korbweiden vor dem Schnitt - © Rainer Klinke / pixelio.de
Korbweiden vor dem Schnitt - © Rainer Klinke / pixelio.de
Aus Weidenruten lassen sich Spielobjekte für Kinder, Zäune, Sichtschutz und andere Bauwerke erstellen, die schnell begrünen und blickdicht sind.

Weiden wurden in der Vergangenheit wegen ihrer Biegsamkeit unter anderem zum Korbflechten, Befestigen von Strohdächern, Binden von Weinreben und Schuhen eingesetzt. Dafür wurden hauptsächlich Korbweiden benutzt, aber es eignen sich im Prinzip alle Weidearten. Die verschiedenen Weidenarten zeichnen sich durch Vitalität, hohe Wachstumsgeschwindigkeit und große Anpassungsfähigkeit aus. Deshalb sind sie wie geschaffen für die Anlage lebender Zäune, Häuschen, Zelte und Gänge. Darüber hinaus sind sie ökologisch wertvoll und dienen zahlreichen Insekten, Vögeln und Säugern als Nahrungs-, Brut- und Lebensraum.

Steckholzgewinnung für die lebenden Gebäude

Damit das Steckmaterial gut anwächst, ist es sinnvoll Weidenarten aus der näheren Umgebung zu verwenden. Besitzt man keinen eigenen Weidenbaum, der genügend Material liefert, kann man die Ruten auch über Weidenspezialbetriebe beziehen. Unter Umständen helfen Bauhöfe, Wasserwirtschaftsämter oder Flussmeistereien weiter. Ebenso ist es möglich auf andere Pflanzen wie Hainbuche, Haselnuss oder Feldahorn auszuweichen.

Steckhölzer werden an frostfreien Tagen in der Vegetationsruhe geschnitten. Anfang Februar, kurz vor Vegetationsbeginn, wäre ein passender Zeitpunkt. Damit sie nicht austrocknen, werden sie optimalerweise sofort gesteckt. Anderenfalls müssen sie vorm Austrocknen geschützt werden. Meist geschieht dies durch Einschlagen in Erde. In diesem Fall werden die Ruten vor dem Stecken noch einmal für zwölf Stunden ins Wasser gelegt. Damit die Ruten nicht unnötig beschädigt werden und wiederum Gefahr laufen auszutrocknen, sind beim Schnitt Äxte tabu. Es müssen Sägen oder Baumscheren benutzt werden.

Wie ist ein geeignetes Steckholz beschaffen?

Bei der relativ populären Stecklingsvermehrung werden die Triebspitzen von Pflanzen zum Bewurzeln in die Erde gesteckt. Beim Steckholz dagegen sind die Triebspitzen entfernt. Von der Weide wird ein möglichst dicker, gut verholzter Trieb aus dem letzten Jahr geschnitten. Die Schnittstelle sollte schief sein. Die Triebspitze wird entfernt. Diese Schnittstelle sollte gerade sein. So kann man auch nicht das verkehrte Ende in die Erde stecken. Das Steckholz sollte eine Reihe von Blattknoten haben. Unter der Erde werden daraus die Wurzeln wachsen und über der Erde sich neue Triebe bilden. Je dicker das Steckholz ist, umso besser ist er vor Austrocknung geschützt. Die Länge der Rute richtet sich nach der Art des Bauwerkes. Zu bedenken ist, dass das Steckholz je nach geplantem Objekt bis zu 60 cm tief in den Boden muss.

Bauanleitungen für verschiedene Weidenbauwerke

Je nach Bauwerk werden unterschiedlich viele Steckhölzer benötigt. Ein Maßband, Schnur zum Markieren und Festbinden, Spaten und möglicherweise auch ein Locheisen gehören ebenfalls zur nötigen Ausrüstung. Zuerst wird der Grundriss ausgemessen und markiert. Danach wird an der Markierung entlang ein Graben von ungefähr 20 cm Breite, der bis zu 50 cm tief sein soll, ausgehoben. Alternativ kann man mit dem Locheisen 50 cm tiefe Löcher in den Boden schlagen. Anschließend werden die Steckhölzer leicht schräg eingesetzt, der Graben und die Löcher mit Erde aufgefüllt und die Ruten gut angetreten. Zum Schluss wird kräftig gewässert.

  • Indianertipi - es wird ein Kreis von 1-1,5 m Durchmesser markiert. Für das Gerüst benötigt man 5 Steckhölzer mit einer Länge von 2 m bis 3 m und einem Durchmesser von 5 cm. Sie werden im Abstand von ungefähr 80 cm gesteckt, wobei im Eingangsbereich mehr Platz gelassen wird. Über der Mitte des Zeltes werden sie in der beabsichtigten Höhe zusammengebunden. Zwischen diese Gerüsthölzer können noch dünnere Ruten gesteckt werden, die nach dem Austrieb mit eingeflochten werden. Auf ähnliche Art kann ein Dach als Sonnenschutz, ein Pavillon oder eine Pergola gestaltet werden.
  • Iglu - für ein Iglu benötigt man relativ lange Ruten. Auf der kreisrunden Markierung von1 m Durchmesser werden 4 Gerüsthölzer im Halbkreis eingegraben. Danach werden sie vorsichtig auf die gegenüberliegende Seite gebogen, wo sie ebenfalls eingegraben werden. Eine Länge von ungefähr 4 m ist deshalb notwendig. Auch hier werden in die Zwischenräume dünnere Ruten zum Einflechten gesteckt.
  • Tunnel – die Breite des Tunnels sollte ungefähr 80 cm betragen. Auf einer Seite werden, ähnlich wie beim Iglu, die Gerüsthölzer im Abstand von circa 80 cm eingegraben und auf die gegenüberliegende Seite gebogen, wo sie wiederum eingegraben werden. Dafür benötigt man Ruten von mindestens 2 m Länge. Die Anzahl hängt von der Länge des Tunnels ab. Wenn der Tunnel sehr lang werden soll, kann man seitliche Öffnungen als „Fluchtwege“ aussparen. Soll der Tunnel so hoch werden, dass Erwachsene bequem hindurchpassen, beispielsweise um durch einen wettergeschützten Gang vom Haus bis zum Kräutergarten zu gelangen, werden die Steckhölzer nicht auf der gegenüberliegenden Seite eingegraben. Statt dessen werden auf jede Seite Gerüsthölzer von circa 3 m gesteckt, die oben rund zusammengebogen und -gebunden werden.
  • Zäune und Sichtschutz – es wird auf der gesamten Länge ein Graben 30 cm bis 40 cm tief ausgehoben. Als Gerüst dienen Triebe mit einer Stärke von 10 cm Durchmesser, die in 1 m Abstand noch etwas tiefer eingegraben oder eingeschlagen werde. Sie müssen so hoch sein, wie die Zaunhöhe letztendlich sein soll. Im Abstand von15 cm werden dünnere Ruten gesteckt. Sie wachsen besser an und ergeben ein interessanteres Bild, wenn sie über Kreuz gesteckt werden. Sobald der Neuaustrieb erfolgt wird laufend eingeflochten. Sehr schnell wird der Zaun so blickdicht. Mit diesen Zäunen lassen sich auch Labyrinthe und Irrgärten gestalten.
  • Die Nieheimer Flechthecke - sie ist ein Charakteristikum der ostwestfälischen Landschaft und wird um den Ort Nieheim herum noch als Kulturgut gepflegt. Hier werden überwiegend Haselnussruten mit wenigen Weiden verflochten. Diese Hecke war nicht nur lebender Zaun zwischen den Weideflächen sondern auch Lieferant für Brennholz, Haselnüsse,Viehfutter und Bienenweide.

Die Pflege der lebenden Bauwerke

Damit die Steckhölzer sicher anwachsen, muss im ersten Jahr ausreichend gewässert werden. Seitentriebe müssen entweder entfernt, verflochten oder eingebunden werden. Eingänge und Fenster müssen freigehalten werden. In den darauffolgenden Jahren werden zwischen Februar und März die Haupttriebe zurückgeschnitten. Alle anderen Triebe werden mit Astschere oder Heckenschere gekürzt. Die Triebmasse bei Zäunen kann mit der Zeit große Ausmaße annehmen und muss, wie andere Hecken auch, regelmäßig mit der Heckenschere zurückgeschnitten werden. Der Bodenbelag von Spielobjekten sollte regelmäßig mit Rindenmulch oder Holzhäcksel ausgebessert werden.

Quellen: Bayrischer Landesverband für Gartenbau und Landschaftspflege

Nieheimer-Flechthecke

Bildnachweise: © Rainer Klinke / pixelio.de

© Domino / pixelio.de

© Torsten Born / pixelio.de

Heike Sebastian, Heike Sebastian

Heike Sebastian - Sozialarbeiterin, Heilpraktikerin mit Schwerpunkt "Klassische Homöopathie", Schulleitung von "Feloidea", Institut für ...

rss