
- Lebensbedingungen und soziale Milieus - Stefan Dassler
Der Einzelne in der Gesellschaft ist egoistisch auf das Erreichen von möglichst viel Genuss konzentriert. Auf Tugenden wie beispielsweise Solidarität wird zunehmend verzichtet (Egoismus gegen Altruismus). Der Soziologe Gerhard Schulze unterscheidet verschiedene Erlebnismilieus.
Erlebnismilieus
Niveaumilieu: Die Interessen liegen beispielsweise bei „gehobener“ wie ernster Musik und anspruchsvoller Literatur. Gemeint ist die gehobene Klasse im Alter von über 40 Jahren und mit höherem Bildungsabschluss.
Harmoniemilieu: Zentrales Motiv ist das „Kitschige“, das Positive, das das Gefühl der Harmonie und Gemütlichkeit aufkommen lässt. Der Personenkreis umfasst Menschen über 40 Jahre mit niedrigem Bildungsniveau.
Integrationsmilieu: Ziel ist die Integration, das Nicht-Auffallen-Wollen und das Erhalten des „Normalitäts“-Status. Hierzu zählen Menschen ab 40 Jahre mit mittlerem Bildungsabschluss.
Unterhaltungsmilieu: Man strebt ständig nach Stimulation, Unterhaltung und „Action“ (und zwar ohne intellektuellen Überbau). Repräsentanten sind junge Menschen unter 40 Jahren mit niedrigem Bildungsniveau.
Selbstverwirklichungsmilieu: Man möchte sich anspruchsvoll ausleben und betreibt einen dynamischen „Ich-Kult“. Den Kern dieses Milieus bilden Intellektualität und körperliche Selbsterfahrung.
Risikogesellschaft
Zudem zeigt sich die postmoderne Gesellschaft als Risikogesellschaft. Der Soziologe Ulrich Beck hat den Begriff „Risikogesellschaft“ geprägt. Seine Grundthese lautet: „In der fortgeschrittenen Moderne geht die gesellschaftliche Produktion von Reichtum systematisch einher mit der gesellschaftlichen Produktion von Risiken.“ Die moderne Gesellschaft und Wohlstandsgesellschaft ruft eine Vielzahl von sozialen, politischen, ökologischen, wirtschaftlichen und individuellen Risiken hervor. Beispiele sind die Atom- und Gentechnik, Arbeitslosigkeit sowie globale Umweltprobleme.
Vorsorge gegen Risiken kann beispielsweise durch gezielte Bedrohungsanalysen, Aufklärung der Bevölkerung, öffentliche Schutzbauten, Alarmsysteme und nachhaltiges Umweltmanagement getroffen werden.
Trainingsaufgabe:
Mit der Postmoderne verliert alles „Höhere“ wie Anspruch, Moral, Sinn, Normen, Grenzen, Werte, menschliche und politische Ziele an Interesse. Die neuen Schlüsselwörter sind: Konsum, Spaß und Erlebnis, Pluralismus, Dezentralismus, Lifestyle (…) Egoismus. Ethik und ethische Fragen gibt es nicht mehr, da sie anscheinend ein Kommunikationsproblem darstellen. Wissenschaftliche Untersuche aus Erkenntnisinteresse oder Neugier gibt es kaum mehr, denn Forschungsergebnisse sind nur noch relevant und anwendbar, wenn verkäuflich. Mit dem Kapitalismus hat sich die Postmoderne bis in alle Lebensbereiche hinein abgefunden. Geld regiert die Welt und legitimiert Macht (…)
Soziale Beziehungen sind eher spontaner und temporärer Natur. Es geht um die vorteilhafte Inszenierung der eigenen Person, auch auf Kosten anderer, wenn es sein muss. Die Öffentlichkeit wird zum Lebensraum. (…)
(Quelle: http://www.brainworker.ch/Dialog/postmoderne.htm vom 15.09.2008)
1. Welche Vor- und Nachteile hat die postmoderne Gesellschaft aus Ihrer Sicht?
2. Stellen Sie einen Zusammenhang zwischen Postmoderne, Erlebnisgesellschaft und Risikogesellschaft her.
3. Erläutern Sie den Einfluss der Postmoderne auf soziale Beziehungen.
