Lebenserinnerungen – Anleitung zum Schreiben einer Autobiografie

Die Heilkraft des Schreibens von Herrad Schenk - C. H. Beck Verlag
Die Heilkraft des Schreibens von Herrad Schenk - C. H. Beck Verlag
Herrad Schenk erzählt in "Die Heilkraft des Schreibens" von ihren Erfahrungen als Kursleiterin in Schreibwerkstätten und bringt Zeitgeschichtliches.

Das müsste man eigentlich aufschreiben. Wer hätte das nicht schon gedacht? Je schnelllebiger die Zeiten werden, desto größer ist das Bedürfnis der Menschen nach Halt und nach Festhalten. Immer mehr Menschen schreiben deshalb für sich selbst und für Menschen, die ihnen am Herzen liegen, ihre Lebenserinnerungen auf. Eine große Aufgabe – denn wie soll man entscheiden, welche Erinnerungen eines wahrscheinlich schon recht langen Lebens man aufschreibt und welche nicht? Wie findet man die richtige Form? Wie geht man mit problematischen Erfahrungen um? Welche Erfahrungen sind vielleicht typisch für die eigene Generation, welche einzigartig und speziell? Wo gibt es Inspiration und Rat zu alledem?

Herrad Schenk hat ihre Erfahrungen als Leiterin autobiografischer Schreibwerkstätten festgehalten

Die freie Schriftstellerin Herrad Schenk hat in ihren Schreibkursen vielen Menschen eigen guten Weg zum Schreiben der eigenen Biografie gewiesen. Ihr Buch „Die Heilkraft des Schreibens“ bietet Hilfe für (künftige) Autoren, ebenso für Leiter und Leiterinnen von Schreibkursen. Gerade beim autobiografischen Schreiben kommt es auf Fingerspitzengefühl an. Schreiben kann heilsam sein. Aber in jedem Leben gibt es eben nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch viele schmerzhafte, traumatische oder tabuisierte Erfahrungen, die in den Schreibsitzungen thematisiert werden. Um solche Zusammenkünfte mit dem nötigen Wissen und Feingefühl zu leiten, braucht jeder Kursleiter fundierte Kenntnisse und Fähigkeiten. Das Buch zeigt anhand von vielen Fall- und Textbeispielen, worauf es ankommt.

Zeitzeugnisse als spannende Lektüre

Wer seine Autobiografie schreibt, der braucht nicht so berühmt zu sein wie Hildegard Knef oder Götz George. Die abgedruckten Geschichten der Kursteilnehmer sind auch ohne deren VIP-Status berührende Zeitzeugnisse. Wer das Buch liest, hält damit nicht nur einen Ratgeber, sondern zugleich ein Geschichtenbuch in der Hand, das ihm kurzweilige Stunden bei einer spannenden Lektüre bescheren wird. Wer heute 60 Jahre und älter ist, der hat, so berichtet Herrad Schenk im ersten Kapitel, "eine Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche und rasanten technischen Fortschritts" erlebt. Mit ihrem Buch macht die Autorin Lust darauf, "die erstarrten Bilder der Vergangenheit" wieder zum Leben zu erwecken. Wer das Buch liest, wird bei der Lektüre der Geschichten ihm fremder Menschen an manche Begebenheiten erinnert werden, die ihm selbst längst entfallen waren. Von den wieder aufgefrischten Erinnerungen bis zum Formulieren eigener Gedanken, zum schriftlichen Festhalten eigener Erlebnisse ist es dann nicht mehr weit.

Poesietherapie und selbsttherapeutische Funktion des autobiografischen Schreibens

Wer an der eigenen Biografie arbeitet, setzt sich nicht nur mit dem auseinander, was war. Aber natürlich wollen viele Menschen zunächst den roten Faden in ihrer Lebensgeschichte erkennen. Dabei geraten sie in einen Prozess, bei dem sich die selbsttherapeutische Funktion des autobiografischen Schreibens heraus kristallisiert, wie man sie aus der Poesietherapie kennt. Die entlastende Funktion des Schreibens kennen viele Menschen vom Tagebuchschreiben. Das Verfassen einer Autobiografie bringt Tagebuchnotizen in eine literarische Form. Das Ergebnis ist lesenswert - für den Schreiber selbst, aber auch für Kinder, Verwandte und Freunde. Mit Hilfe des Buches von Herrad Schenk lassen sich auch schmerzhafte oder schwierige autobiografische Themen, wie Kindheitsängste und Kriegserlebnisse, Sex und Religion, Lebenskrisen und Altern angemessen bewältigen.

Bücher von Herrad Schenk, erschienen im C. H. Beck Verlag

Die Autorin erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Seit 1989 ist sie P.E.N.-Mitglied. Im C. H. Beck Verlag erschienen von ihr so interessante Titel wie „Das Haus, das Glück und der Tod“ (1999), „Glück und Schicksal. Wie planbar ist unser Leben?“ (2000) und „Der Altersangst-Komplex. Auf dem Weg zu einem neuen Selbstbewusstsein“ (2005).

Herrad Schenk: Die Heilkraft des Schreibens. Verlag C. H. Beck, Paperback, 204 Seiten, 12,95 Euro.

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